Zeitkritische Designs werden oft erst in der letzten Nachtschicht fertig. Nun wird der EMS kontaktiert. Die Enttäuschung ist dann groß, wenn der Prototyp nicht „bis morgen“ gefertigt werden kann.
Tim Sievers, Head of BMK Prototyping Services: „Die aus unserer Sicht beste Lösung der auftretenden Kommunikationsproblems liegt in der Nutzung einer gemeinsamen Plattform zwischen Kunden und EMS-Anbieter.
(Bild: BMK)
In der gesamten EMS-Branche hat sich seit 20 Jahren die Art, wie EMS Unternehmen und ihre Kunden Daten austauschen nicht wesentlich geändert: Der EMS erhält ein Datenpaket per E-Mail (oder als Link zum Download) und muss die Daten dann sortieren und verarbeiten. Durch fehlende Standards hat praktisch jeder Kunde eine eigene Art, seine technischen Projektdaten zu organisieren und auch die Qualität der Daten schwankt enorm.
Dies führt zu immensen Aufwänden auf beiden Seiten in der Datenbereitstellung und -aufarbeitung und häufig zu mehreren Kommunikationsschleifen zur Klärung fehlender oder widersprüchlicher Daten. Hier werden bei Neuprojekten oft Tage und Wochen „verschwendet“, bevor überhaupt die technische Verarbeitung beim EMS starten kann. Auch die aktuell verfügbaren Software-Tools adressieren dieses Problem nur unzureichend, da sie lokal auf der Seite des EMS laufen und versuchen, über vielfältige Filter und Schnittstellen die Daten in ein EMS-spezifisches Standard-Format zu überführen.
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Die komplette Kommunikations- und Feedbackseite zum Kunden wird aber weiterhin „per E-Mail“ abgewickelt. Lange Kommunikationsschleifen und schlecht dokumentierte Informationsflüsse mindern die effiziente und schnelle Realisierung der Projekte. EMS und Kunde müssen viel Aufwand und Zeit investieren.
Tim Sievers, Head of BMK Prototyping Services, ist überzeugt: „Die aus unserer Sicht beste Lösung dieses Kommunikationsproblems liegt in der Nutzung einer gemeinsamen Plattform zwischen Kunden und EMS, in dem die Kunden ihre Daten standardisiert ablegen und der EMS diese direkt verarbeiten kann.“ So werden sämtliche Klärungen und Updates eines Projektes live an einem gemeinsamen Datenstamm durchgeführt und die gesamte Kommunikation läuft nachverfolgbar ebenfalls auf dieser Plattform.
Ich möchte meinen Prototypen aber morgen
Für zeitkritische Projekte wird das Design oft in der letzten Nachtschicht fertig. Nun wird der EMS kontaktiert, damit er „mal eben“ den Prototypen baut. Dies ist eine Standardsituation wie sie im Entwicklungsprozess für ein neues Produkt regelmäßig vorkommt. Auf Unverständnis stößt es, wenn der Prototyp dann nicht „bis morgen“ gefertigt werden kann. „Warum dauert das so lange?“ oder „Das bisschen löten kann ja nicht so schwierig sein!“ sind häufige Kommentare seitens der Kunden.
Sieht man sich die typische Durchlaufzeit für einen Prototypen genauer an, so stellt man fest, dass die Datenaufbereitung und -klärung, also die Zeit bis zum eigentlichen Bestellzeitpunkt der Bauteile, doppelt so lange dauern kann wie die Produktion an sich. Bauteile sind nicht identifizierbar, Daten in der BOM (bill of materials) falsch, widersprüchlich oder unvollständig; Rückfragen bzgl. kundeneigenen Bezugsquellen oder technischer Alternativen notwendig.
In der jetzigen angespannten Bauteilmarktsituation, in der viele Bauteile schichtweg nicht beschaffbar sind, verlängert die Klärungsphase zusätzlich den Prozess, da der Kunden Alternativteile intern zwischen Einkauf und Entwicklung abstimmen muss. Am Ende kann es dann sein, dass die Teileklärung so lange gedauert hat, dass andere Teile wiederum neu nicht verfügbar sind.
Digitale Kommunikationsplattform als Lösungsansatz
Ein Lösungsansatz, um die Verluste bei der Kommunikation zu reduzieren, ist der Aufbau und die Ausgestaltung einer Kommunikations-Plattform zwischen Kunde und EMS. Als Beispiel dient hier die Prototypenplattform von BMK.
Um die Datenübergabe zu standardisieren, ist eine Direkteingabe der Daten im Online-Portal mit Instant-Feedback möglich. Der Kunde erhält somit direkt eine Rückmeldung zu Unklarheiten, Fehlern in den Daten oder zu nicht beschaffbaren Teilen. Eine sofortige Entscheidung zu Alternativteilen, Beistellung oder Nicht-Bestücken ist möglich.
Beide Seiten, der EMS und dessen Kunde, arbeiten an einem gemeinsamen digitalen Datensatz in der aktuellsten Version (gemeinsamer digitaler Zwilling des Projekts). Der EMS kann die Daten direkt und automatisiert auf Konsistenz und Designfehler prüfen (Stichwort DfM-Analyse). Außerdem kann er über API-Schnittstellen Lieferanten und eigene ERP- Daten direkt anbinden und sichert sich so eine schnelle und datenbruchfreie Kalkulation und Angebotserstellung.
Auf diese Weise kann die Durchlaufzeit zur Klärung von ein bis zwei Wochen auf zwei bis drei Stunden reduziert werden. Die Durchlaufzeit der Bestellung von ein bis zwei Wochen auf 10 Minuten. Im Ergebnis ist die Durchlaufzeit für die Angebotserstellung und die Produktion von Prototypen von 20 bis 30 Arbeitstagen auf sieben bis 12 Arbeitstagen gemindert.
Stand: 08.12.2025
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Der Entwickler hat es selbst in der Hand
Falko Sauber: Hardware Developer Electronics bei IDS Imaging Development Systems
(Bild: Falko Sauber)
Falko Sauber, Hardware Developer Electronics bei IDS Imaging Development Systems GmbH, testete die Plattform von BMK: „Das BMKyourproto-Kundenportal ist eine gute Lösung. Zuerst hat es für mich als Entwickler einen Mehraufwand bedeutet, weil bisher der Einkauf Prototypen angefragt hat. Doch letztlich ist es für uns eine Zeitersparnis, da mit diesem Portal die Abstimmungsschleife mit dem Einkauf wegfällt. Wir sind schneller, da ich selbst entscheiden kann, wenn z.B. ein Alternativteil ausgewählt werden muss. Diese Schnelligkeit ist ein entscheidender Vorteil. Das übersichtliche Portal bietet die Möglichkeit sofort die Bauteilverfügbarkeit abzuklären und die Daten auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu prüfen. Ich nutze das Portal aktiv und empfehle es gerne weiter.“ (jw)