Neugierig ein Leben lang Prof. Dieter Seitzer: Initiator und Förderer des mp3-Formats wird 90

Von Michael Eckstein 3 min Lesedauer

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Vom Top-Abiturient bis in die „CE Hall of Fame“: Prof. Dieter Seitzer, vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler, Gründer und langjähriger Leiter des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS und Wegbereiter des mp3-Formats, wird heute 90 Jahre alt. Er widmete sein Leben der Forschung und hat digitale Technologien vorangetrieben, die für uns heute selbstverständlich sind.

Der mp3-Audiocodec schrumpft unkomprimierte Audiodaten nahezu ohne Klangverlust auf rund ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe, Erst diese Innovation ermöglichte die Konstruktion portabler Musikabspielgeräte, die tausende Titel speichern und spielen konnten. Zudem legte das Format das Fundament für das Streaming von Musik- und später Videoinhalten über das Internet. Initiiert wurde die Audiokompressionstechnik durch Prof. Dieter Seitzer, der heute 90 Jahre alt wird.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Der mp3-Audiocodec schrumpft unkomprimierte Audiodaten nahezu ohne Klangverlust auf rund ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe, Erst diese Innovation ermöglichte die Konstruktion portabler Musikabspielgeräte, die tausende Titel speichern und spielen konnten. Zudem legte das Format das Fundament für das Streaming von Musik- und später Videoinhalten über das Internet. Initiiert wurde die Audiokompressionstechnik durch Prof. Dieter Seitzer, der heute 90 Jahre alt wird.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Ingenieur mit Weitblick: Schon früh beschäftigte sich Prof. Dieter Seitzer mit der  ressourcensparenden Übertragung von Audiodaten. Daraus sollte die (nach Ansicht der UC Berkley) einflussreichste Softwareentwicklung für das Internet resultieren: das mp3-Format.(Bild:  Fraunhofer IIS)
Ingenieur mit Weitblick: Schon früh beschäftigte sich Prof. Dieter Seitzer mit der ressourcensparenden Übertragung von Audiodaten. Daraus sollte die (nach Ansicht der UC Berkley) einflussreichste Softwareentwicklung für das Internet resultieren: das mp3-Format.
(Bild: Fraunhofer IIS)

Schon der Start seiner Karriere war außergewöhnlich: Als Jahrgangsbester machte Dieter Seitzer 1952 sein Abitur in Baden-Württemberg. Bereits 1957 folgte das Diplom für Nachrichtentechnik an der TU Stuttgart und 1961 die Promotion mit dem Titel „Verformung von Impulsen auf inhomogenen Leitungen“. Nach seinem Studium der Nachrichtentechnik ging er ins IBM-Forschungslabor in die Schweiz mit der Mission, „computer related communications“ zu erforschen. Seitzer war damit ganz vorne dabei bei der damals noch neuen digitalen Übertragung von Nachrichten zwischen Computern.

Seitzer leitete die Abteilung für experimentelle Systeme der Nachrichtenübertragung bei IBM, als er 1970 dem Ruf der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg folgte und den Lehrstuhl für Technische Elektronik übernahm, den er bis 1998 innehatte.

Vordenker und Gründer des Fraunhofer IIS

Früh erkannte Seitzer, wie wichtig Wissensübermittlung von der Forschung in die Industrie ist. Forschung in die Praxis zu bringen und die Wissenschaft mit der Wirtschaft zu vernetzen, das war Seitzers Anliegen und gleichzeitig die Basis für die dynamische Entwicklung des Fraunhofer IIS hin zum größten und erfolgreichsten Fraunhofer-Institut.

Als Beauftragter für Technologietransfer der Technischen Fakultät initiierte Prof. Seitzer im Jahr 1981 die Gründung der Kontaktstelle für Forschungs- und Technologietransfer. Unter seiner Geschäftsführung entstand 1984 das „Zentrum für Mikroelektronik und Informationstechnik“, woraus 1985 die „Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Integrierte Schaltungen“ und im Jahr 1990 schließlich das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS hervorgingen, das er bis 1998 leitete. In diesem Jahr emeritierte Seitzer zudem als Professor.

Interdisziplinäres Denken gefordert und gefördert

Prof. Seitzer hat sein Leben der angewandten Forschung gewidmet und mit Weitblick und unternehmerischem Geist das Fraunhofer IIS zu einem der erfolgreichsten Aushängeschilder der deutschen Forschungslandschaft gemacht. Besonderen Wert legte er nach Angaben des Instituts auf die Auswahl seiner Mitarbeiter und deren Fähigkeit, interdisziplinär zu denken – der Grundstein für die heutige Themenvielfalt und die breite Wissensbasis am Fraunhofer IIS.

Dieses „Quer“-Denken im positiven Sinne war besonders in der frühen Entwicklungsgeschichte des Instituts gefragt, als innovative Verfahren zur hochwertigen Übertragung von Musikdaten über Telefonleitungen gesucht wurden. Prof. Seitzer erkannte früh das Potenzial der Audio-Datenkompression, hat seine Grundlagen an der Universität erarbeitet und die technologische Weiterentwicklung am Fraunhofer IIS mit großem Engagement gefördert.

Wegbereiter des weltberühmten und disruptiven mp3-Audiocodecs

Prof. Seitzer wurde so Wegbereiter für das weltbekannte Audiokompressionsformat mp3 – und dessen Nachfolger. Heute forschen in den „International Audio Laboratories Erlangen“ von Fraunhofer IIS und der Universität Erlangen-Nürnberg Spitzenwissenschaftler aus der ganzen Welt auf dem Gebiet der Audiotechnologien.

Seine Engagements, Verdienst und Erfolge blieben nicht unentdeckt: Im Laufe seiner Karriere wurde Seitzer vielfach ausgezeichnet und geehrt. So erhielt er etwa 1989 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, die Staatsmedaille der Bayerischen Staatsregierung, den Verdienstorden des Freistaats Bayern sowie den Goldenen Ehrenring der Stadt Erlangen.

Auszeichnung für die einflussreichste Internet-Softwareentwicklung: mp3

Im Jahre 2001 nahm er zusammen mit Prof. Dr.-Ing. Heinz Gerhäuser die NET21-Auszeichnung „for the most influential internet software development: MP3“ entgegen. Auch die höchste bayerische Auszeichnung für Wissenschaft und Kunst, der Bayerische Maximiliansorden, ging 2006 an Prof. Seitzer. 2007 würdigte ihn außerdem die amerikanische Consumer Electronics Association (CEA) für die Entwicklung und Verbreitung des mp3-Formats. Stellvertretend für das Fraunhofer-Entwicklerteam fand er gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen Einzug in die „CE Hall of Fame“.

Antrieb für seine außergewöhnliche Karriere und sein Wirken war, was der 2011 verstorbene Apple-Chef Steve Jobs 2005 in einer Rede vor Studenten der Standfort University treffend auf den Punkt brachte: „Stay hungry! Stay foolish!“ – Bleibt hungrig! Bleibt neugierig! (me)

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