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Werden diese Dinge berücksichtigt, sind moderne, online verfügbare Produkt-Konfiguratoren, die bei der Zusammenstellung der individuellen Produkte helfen, ein wertvolles Tool, um Fehler zu vermeiden und den gesamten Konfigurations-, Bestell- und Produktionsprozess zu vereinfachen und zu optimieren – sowohl auf Kunden- als auch auf Herstellerseite.
Erfahrungen aus der Praxis und Weiterentwicklungen
So weit die Theorie. Interessant ist es, wie die Umsetzung dieser Vorgaben in die Praxis tatsächlich gelungen ist, und ob der Kunde diese Konfiguratoren annimmt. Jürgen Brunner, Global Manager Configurators bei Pentair, erklärt uns im nachfolgenden Interview, welche Erfahrungen das Unternehmen gemacht hat und welche Weiterentwicklungen des Konfigurators geplant sind.
Herr Brunner, der erste grafikbasierte 3-D-Produkt-Konfigurator für Schroff Novastar-Elektronikschränke ist bei Pentair nun seit etwa einem Jahr im Einsatz, wie ist die Akzeptanz beim Kunden?
Erfreulicherweise ist die Akzeptanz sehr hoch. Die Zahl der Anfragen und Bestellungen, die ohne persönliches Beratungsgespräch, nur über den Konfigurator bei uns eingehen, kann sich sehen lassen. Neben wiederkehrenden Kunden sind auch erfreulich viele Erst-Kunden dabei. Unsere Erwartungen wurden hier weit übertroffen.
Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?
Laut Kundenaussagen ist der Konfigurator so intuitiv zu bedienen, dass auch komplexere Produktvarianten sehr einfach zu konfigurieren sind. Und die Visualisierung mit 3-D-Grafiken gibt den Kunden – neben der Plausibilitätskontrolle – zusätzliche Sicherheit.
Welche Personengruppen nutzen den Konfigurator hauptsächlich?
Bei uns sind es in erster Linie Entwicklungsingenieure und Projektleiter, die meistens auch an der sofortigen Lieferung von CAD-Daten interessiert sind. Und hier können wir eben auch die unterschiedlichen Bedürfnisse dieser Nutzergruppen bedienen. Der Entwicklungsingenieur erwartet beispielsweise sehr detaillierte Daten, damit er die CAD-Daten bei sich sofort weiterverarbeiten kann. Er kann direkt aus dem Konfigurator 2-D- oder 3-D-CAD-Daten des von ihm zusammengestellten Schrank-Modells generieren und in sein CAD-System übernehmen. Hier stehen über 30 native CAD-Formate sowie die üblichen Austauschformate wie STEP oder DXF zur Verfügung.
Welche Präferenzen hat der Projektleiter?
Der Projektleiter ist manchmal schon mit einer aussagefähigen Grafik zufrieden, die er in seine Projektdokumentation einbinden kann. Ihm genügt beispielsweise ein 3-D-Datenblatt als PDF mit einer 3-D-Vorschau des konfigurierten Schrankes inklusive Stückliste. Diese PDF-Datei ermöglicht auch die Betrachtung von allen Seiten und das Zoomen des Schrank-Modells sowie das Ein- und Ausblenden einzelner Komponenten. Beides ist mit unserem Konfigurator möglich.
Hat die Verwendung von 3-D-Konfiguratoren auch Auswirkungen auf ihre eigene Produkt-Entwicklung und Konstruktion?
Bei der Produktentwicklung legen wir bereits seit Jahren den Schwerpunkt auf flexible und modular aufgebaute Produkte, die jetzt eben sehr einfach mit den Konfigurator als effizientem Hilfsmittel von den Kunden zusammengestellt werden können. In der Konstruktion wurden die internen Richtlinien erweitert, um zu verdeutlichen wie die Original-CAD-Modelle der Konstrukteure für die Nutzung im Konfigurator aufbereitet werden müssen – natürlich möglichst automatisiert. Die Modelle werden zum Teil vereinfacht. Bei manchen Produkten wurde sogar die Basis-Konstruktion verändert. Hier arbeiten wir jetzt teilweise mit parametrischen Modellen, so dass diese Produkte bereits über die Eingabe von bestimmten Parametern automatisch und schnell in ihren Abmessungen angepasste werden können. Ein Beispiel hierfür ist die noch recht neue flexible Gehäuseplattform Schroff Interscale, die als parametrisches Modell aufgebaut ist. Der Online-Konfigurator ist eigentlich die logische Fortsetzung dieses parametrischen Designs.
Was ändert sich auf Kundenseite durch die Nutzung eines Konfigurators?
Im besten Falle verkürzt sich seine eigene Produkt-Entwicklungszeit, da er ohne große Wartezeit detaillierte CAD-Daten nutzen kann. Auch die zusätzlich gelieferten Daten wie Stücklisten, Preise usw. können maschinell bei Kunden in den entsprechenden Abteilungen weiterverarbeitet oder auch in Entwicklungsplattformen eingelesen werden.
Wie geht es mit den Konfiguratoren bei Pentair weiter?
Der zweite grafikbasierte 3-D-Produkt-Konfigurator für Frontplatten ist ebenfalls seit einiger Zeit online verfügbar. Bis Ende 2018 sollen drei weitere Konfiguratoren folgen. Zudem hat unser Partnerunternehmen kürzlich einen „Virtual Reality“-Konfigurator entwickelt, um das Nutzererlebnis auf die nächste Stufe zu bringen. Was vorerst noch eine spielerische Funktionalität ist und für Demo-Zwecke auf Messen verwendet wird, könnte zukünftig auch professionell genutzt werden, wenn „Virtual Reality“ erst einmal Einzug in die Entwicklungsabteilungen genommen hat.
Werden die Funktionen der Konfiguratoren noch erweitert?
Wir entwickeln unsere Konfiguratoren natürlich ständig weiter, das Kunden-Feedback ist hierfür ein wichtiger Faktor. Beispielsweise haben wir die Individualisierungsmöglichkeiten für komplexere Ausbrüche beim Novastar-Konfigurator erheblich erweitert und eine Ausbruch-Bibliothek eingeführt. Im nächsten Schritt bieten wir den Kunden hier die Möglichkeit User-Bibliotheken zu nutzen, aus denen sie eigene Cut-Outs und Geometrien hochladen können. Und wir optimieren unsere internen Prozesse weiter, so dass die direkte Nutzung der Konfigrationsdaten in unserer Produktion weiter verbessert wird, und damit eine weitere signifikante Verkürzung der Lieferzeiten für Nicht-Standardprodukte erreicht werden kann.
Herr Brunner, vielen Dank für dieses Gespräch.
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* Jürgen Brunner ist Global Manager Configurators bei Pentair Technical Solutions GmbH in Straubenhardt.
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