Finanzielle Schieflage wegen Corona Powerline: Aachener Devolo AG ist zahlungsunfähig

Von Michael Eckstein

Lockdown, Chipmangel und hohe Lagerbestände: Powerline- und Netzwerkgeräte-Anbieter Devolo ist in finanzielle Schieflage geraten und hat Insolvenz angemeldet. Eine Restrukturierung soll das Unternehmen retten.

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Devolo zählt zu den Pionieren und bekanntesten Unternehmen auf dem Powerline-Markt – hat aber auch viele weitere Datenkommunikationsprodukte im Angebot.
Devolo zählt zu den Pionieren und bekanntesten Unternehmen auf dem Powerline-Markt – hat aber auch viele weitere Datenkommunikationsprodukte im Angebot.
(Bild: Devolo)

Zuviel eingekauft, zu wenig verkauft: Anders als viele andere IT-Unternehmen konnte Datenkommunikationsanbieter Devolo nicht von der Corona-Krise profitieren. Im Gegenteil: Der Aachener Hersteller, 2002 als Management-Buy-out aus der Datenkommunikations-Sparte der zahlungsunfähigen ELSA AG hervorgegangen, hat Insolvenz angemeldet und ein Schutzschirmverfahren eingeleitet.

Nun will der Hersteller während der kommenden Monate in enger Abstimmung mit Stakeholdern und Beratern einen Restrukturierungsplan erarbeiten. Nach Angaben des Unternehmens wird der Geschäftsbetrieb während des gesamten Restrukturierungsprozesses in vollem Umfang weiterlaufen. Alle Leistungen würden unverändert erbracht, die Gehälter der Mitarbeiter würden weitergezahlt. Geplant ist, die Sanierung binnen weniger Monate abzuschließen.

Schutzschirmverfahren: Unternehmerische Verantwortung bleibt bei der Geschäftsführung

Der Schutzschirm ist ein Restrukturierungsinstrument des deutschen Sanierungsrechts. Bei diesem Eigenverwaltungsverfahren bleibt die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung. Dies ist nur in solchen Fällen möglich, in denen Unternehmen frühzeitig selbst tätig werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht.

Beides sei bei Devolo der Fall. Bei einem Schutzschirmverfahren wird außerdem ein Sachwalter eingesetzt. Dieser überwacht ähnlich wie ein Aufsichtsrat die Neuaufstellung im Interesse der Gläubiger.

Lockdown-Folgen und verzögerte Auftragsabwicklung

Als Hauptursache für das Schutzschirmverfahren gibt Devolo die fortdauernde schwierige Corona-Situation an: Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Pandemiejahr 2020 und erwarteten Öffnungen des Flächeneinzelhandels im Frühjahr 2021 sei zunächst von einer positiven Absatzentwicklung ausgegangen worden. Weitere pandemiebedingte Schließungen im Handel und ein verändertes Käuferverhalten speziell auf dem deutschen Markt hätten jedoch zu einem Nachfragerückgang ab dem zweiten Quartal 2021 geführt.

Dem gegenüber standen laut Devolo hohe Warenzuflüsse aus den Produktionsstätten in Fernost. Hier mussten aufgrund des anhaltenden Mangels an Bauteilen frühzeitig Lieferverpflichtungen eingegangen werden, die Anfang 2022 zu einem sehr hohen Lagerbestand führten und damit zu einem Liquiditätsengpass. Hinzu kam, dass Devolo 2021 Umsätze mit Netzbetreibern im Ausland und im volumenstarken Projektgeschäft nicht realisieren konnte, weil spezifische Zulieferprodukte aufgrund des Chipmangels nicht verfügbar waren.

Heimvernetzung bleibt Wachstumsmarkt

Mittel- bis langfristig rechnen Geschäftsführung und Stakeholder von Devolo mit positiven Geschäftsaussichten. „Unser Kerngeschäft sowie das operative Business sind gesund. Zudem sind die Marktaussichten positiv“, erklärt Heiko Harbers, Vorstand der Devolo AG. Jeder würde Videotelefonate im Home-Office führen, Serien in HD streamen, online spielen.

Highspeed-Internet in jedem Winkel des Hauses sei dafür unverzichtbar und Heimvernetzung daher weiter ein Wachstumsmarkt. „Als Marktführer im Bereich Powerline-Technologie, WLAN-Experte und wichtiger Partner internationaler Netzbetreiber werden wir von diesem Wachstum auch in Zukunft profitieren“, ist der Devolo-Chef überzeugt.

Mit seinen Produkten, die vorhandene Stromleitungen in Datenkabel verwandeln, gilt Devolo international als einer der Pioniere der Powerline-Heimvernetzung. Nach eigenen Angaben konnte das Unternehmen bisher über 45 Millionen seiner Produkte ausliefern.

Ende 2021 stellte Devolo den weltweit ersten Adapter vor, der die derzeit schnellste Powerline-Technologie mit dem neusten WLAN-Standard WiFi 6 kombiniert. Zudem führte das Unternehmen jüngst neue Lösungen in den Markt ein, mit denen sich die volle Leistung von Glasfaseranschlüssen ins Zentrum des Hauses transportieren lässt. Auch 2022 will das Unternehmen sein Portfolio erweitern.

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