Weltraumforschung Planck-Teleskop vermisst das Universum – und macht es ein bisschen älter

Redakteur: Franz Graser

Die Europäische Weltraumagentur ESA hat vergangene Woche eine Karte des Universums vorgestellt, die auf den Messungen des 2009 gestarteten ESA-Weltraumteleskops Planck basiert. Die Daten werfen Licht auf das Alter des Universums, stellen aber auch neue Fragen.

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Eine „Heatmap“ des Universums, aufgenommen vom Planck-Weltraumteleskop der ESA. Rötliche Bereiche liegen leicht über dem Durchschnittswert von 2,7 Grad über dem absoluten Nullpunkt, blaue leicht darunter.
Eine „Heatmap“ des Universums, aufgenommen vom Planck-Weltraumteleskop der ESA. Rötliche Bereiche liegen leicht über dem Durchschnittswert von 2,7 Grad über dem absoluten Nullpunkt, blaue leicht darunter.
(Bild: Planck-Kollaboration, ESA)

Das Planck-Teleskop widmet sich der kosmischen Hintergrundstrahlung (Cosmic Microwave Background, CMB). Diese schwache Strahlung durchzieht das gesamte Universum und wird allgemein als ein Überbleibsel des Urknalls angesehen.

Aus den Planck-Messungen der vergangenen 15 Monate wurde eine „Hitzekarte“ des Universums erstellt. Die Temperatur der Hintergrundstrahlung beträgt etwa 2,7 Kelvin, also 2,7 Grad über dem absoluten Nullpunkt. Rote Bereiche der Heatmap sind geringfügig wärmer als dieser Wert, blaue Bereiche etwas kühler. Obwohl die Temperaturunterschiede minimal sind, zeigt sich eine gewisse Aysmmetrie: Die Termperaturverteilung auf dem Nordhimmel (links oben auf der Karte) ist viel gleichförmiger als dem südlichen Himmel (rechts unten).

„Das wurde natürlich nicht erwartet und stellt die Kosmologen vor ein Rätsel!", schreibt der Astrophysiker Dr. Andreas Müller in seinem Blog „Einsteins Kosmos“. Denn, so Müller weiter: „Im Standardmodell der Kosmologie gilt das kosmologische Prinzip, nach dem kein Ort im Kosmos gegenüber einem anderen Ort besonders ausgezeichnet wäre. Eine derartige Asymmetrie widerspricht dem kosmologischen Prinzip!“ Müller deutet jedoch in seinem Beitrag an, dass die ungleiche Verteilung eine Folge der Ausdehnung des Kosmos gewesen sein könnte.

Da das Planck-Teleskop präzisere Messungen erlaubt als bisherige Geräte und Methoden, konnte das Alter des Universums leicht nach oben korrigiert werden. Demnach formte sich das Weltall vor 13,82 Milliarden Jahren. Bisherige Schätzungen gingen von einem 50 Millionen Jahre jüngeren Universum aus.

Dies sorgt jedoch vordergründig für ein weiteres Problem. Denn das Alter des ältesten bekannten Sterns mit der Bezeichnung HD 140283 wird auf 14,46 Milliarden Jahre geschätzt – womit der nur 190 Lichtjahre von der Erde entfernte Methusalem-Stern letztlich älter wäre als der Urknall!

Die Forscher unter Leitung von Howard Bond von der Pennsylvania State University, die das Alter des Himmelskörpers ermittelten, betonen jedoch, dass dieser Wert nicht im Widerspruch zu Schätzungen des Alters des Kosmos stehen müsse: Beim Alter von HD 140283 bestehe eine Messunsicherheit von 0,8 Milliarden Jahren. Daher könne das geschätzte Alter des Sterns mit den Messungen zum Alter des Universums in Einklang gebracht werden.

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