Board-Test, Netzteile und Cybersicherheit Parallele Test-Systeme und Device Security Lab für EU-Cyber-Regulierung

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Neue Test-Systeme für die Elektronikfertigung und das Device Security Lab für die EU-Cyber-Regulierung: Mit diesen Themen war Keysight auf der Productronica in München präsent. Der Cyber Resilience Act zwingt Hersteller zum Sicherheits-Umdenken ab 2027.

Komplexe Elektronik besteht nicht nur aus vielen Milliarden Zeilen Code, sondern auch aus Hardware. Sicherheit muss bereits in einer frühen Phase des Produktdesigns berücksichtigt werden.(Bild:  Keysight Technologies)
Komplexe Elektronik besteht nicht nur aus vielen Milliarden Zeilen Code, sondern auch aus Hardware. Sicherheit muss bereits in einer frühen Phase des Produktdesigns berücksichtigt werden.
(Bild: Keysight Technologies)

Auf der Productronica 2025 in München präsentierte Keysight Technologies zwei neue Produkte für die Elektronik-Fertigung sowie sein neu integriertes Device Security Lab. Das Unternehmen reagiert damit auf die steigenden Anforderungen an Test-Effizienz und Cybersicherheit in der modernen Elektronikproduktion.

i7090: Massiv paralleles Board-Test-System für hohe Effizienz

Der i7090 von Keysight ist für ICT (In-Circuit-Test), Boundary Scan, Firmware-Flashing, LED- und Funktionstests ausgelegt.(Bild:  Keysight Technologies)
Der i7090 von Keysight ist für ICT (In-Circuit-Test), Boundary Scan, Firmware-Flashing, LED- und Funktionstests ausgelegt.
(Bild: Keysight Technologies)

Das Keysight i7090 Massively Parallel and Scalable Board Test System adressiert drei zentrale Herausforderungen der PCBA-Fertigung: Shift-Left-Testing, Massenproduktions-Effizienz und sich schnell ändernde Marktanforderungen. Das System integriert verschiedene Testverfahren in einer Plattform: ICT (In-Circuit-Test), Boundary Scan, Firmware-Flashing, LED- und Funktionstests.

Hervorzuheben sind die parallelen Testkapazitäten: Im Gegensatz zu herkömmlichen Testlösungen, die mehrere Testsysteme und -konfigurationen erfordern, unterstützt die parallele Architektur des i7090 bis zu 20 simultane Testkerne, wodurch Hersteller den Durchsatz und die Effizienz erheblich steigern können. Gleichzeitig ermöglicht das System spezifische parallele Testkapazitäten: 20 ICT-Tests, 160 Flash-Vorgänge, vier Boundary-Scan-Tests und 120 LED-Tests können simultan durchgeführt werden.

Auch mit Blick auf beengte Platzverhältnisse bietet das System eine Antwort. Mit einer Grundfläche von 600 mm lässt es sich nahtlos an die Produktionsanforderungen anpassen, sodass Hersteller die Testabdeckung skalieren können, ohne die Produktionslinien neu konfigurieren zu müssen.

Hochleistungs-ATE-Netzteile für energieintensive Anwendungen

Eine Leistungsdichte von 6 kW bieten die drei Produktserien der ATE Supplies von Keysight. (Bild:  Keysight Technologies)
Eine Leistungsdichte von 6 kW bieten die drei Produktserien der ATE Supplies von Keysight.
(Bild: Keysight Technologies)

Die High-Power ATE Supplies umfassen drei Produktserien: die regenerativen Gleichstromversorgungen der Serie RP5900, die regenerativen elektronischen Gleichstromlasten der Serie EL4900 und die System-Gleichstromversorgungen der Serie DP5700. Das Portfolio deckt einen Leistungsbereich von 1,5 bis 12 kW ab und umfasst unidirektionale Netzteile, bidirektionale Netzteile sowie regenerative elektronische Lasten.

Besonders hervorzuheben ist die Leistungsdichte: Die Systeme bieten bis zu 6 kW in einer Höheneinheit (1U) Rack-Platz. Sie richten sich an Anwendungen in der künstlichen Intelligenz (AI-Beschleuniger, leistungsstarke Server-Boards), der Energiewende (Netzkonverter für erneuerbare Energien, Batteriespeichersysteme) und der intelligenten Mobilität (Ladeinfrastruktur, EV-Board-Inverter, Batteriemanagementsysteme).

Keysight Device Security Lab

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Keysight Device Security Lab, das aus der 2024 erfolgten Akquisition von Riscure hervorgegangen ist. Das Labor bringt über 20 Jahre Erfahrung in der Gerätesicherheit mit, verfügt über 200 Teammitglieder, davon 100+ Sicherheitsexperten, und ist von zahlreichen internationalen Organisationen akkreditiert.

Tim Hartog, Senior Director of Keysight Device Security, betonte in einem Pressebriefing die kritische Bedeutung der kommenden EU-Regulierung: „CRA steht für den Cyber Resilience Act und ist Teil der Cybersicherheitsstrategie der Europäischen Kommission zur Stärkung unserer Cyber-Resilienz in der Europäischen Union.“ Die Regulierung wird ab Dezember 2027 wirksam, mit ersten Meldepflichten bereits ab September 2026.

Komplexität als Feind der Sicherheit

Hartog erläuterte die grundlegenden Herausforderungen moderner Elektronik: „Technologie wird immer komplexer. Das zeigt sich nicht nur in Software – ein modernes Auto enthält heute etwa eine halbe Milliarde Zeilen Code, es ist fast unvorstellbar, wie viel Software benötigt wird, um ein Auto zu betreiben.“ Diese Komplexität erstreckt sich auch auf die Hardware: „In diesem Sinne ist Komplexität der Feind der Sicherheit und umgekehrt.“

Das Shift-Left-Konzept, das auch bei den neuen Test-Systemen eine Rolle spielt, ist laut Hartog essenziell für die Sicherheit: „Produkthersteller oder Produktentwickler müssen bereits in einer früheren Phase des Produktdesigns Sicherheit berücksichtigen.“

Breites Anwendungsspektrum für Device Security

Das Keysight Device Security Lab adressiert verschiedene Branchen und Anwendungen:

  • Halbleiter-Fertigung: Validierung der Chip-Design-Sicherheit, Verifikation der Vertrauensgrundlage, Schutz vor kryptographischen Datenlecks und Schutz sensibler IP.
  • Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung: Schutz souveräner Designs vor Reverse Engineering, Erkennung und Minderung von Lieferketten-Bedrohungen sowie Automatisierung von Sicherheitstests.
  • KI-Rechenzentren: Verifikation der Boot- und Chain-of-Trust-Integrität, OCP SAFE-Compliance sowie Schutz vertrauenswürdiger Ausführungsumgebungen und Hardware-Module.

Regulatorische Dringlichkeit

Hartog warnte vor der Dringlichkeit der CRA-Vorbereitung: „Das Hauptargument hier, das für die Zielgruppe relevant ist, bezieht sich auf CRA, die neue Regulierung, die tiefgreifende Auswirkungen auf Produktdesigner, Produktentwickler und die gesamte Lieferkette hat.“

Die geschätzten jährlichen Kosten durch Produktvulnerabilitäten bezifferte er auf 10 Mrd. Euro. „CRA verschiebt Sicherheit von einem nachträglichen Gedanken zu einer Produktlebenszyklus-Verantwortlichkeit.“ Das 2027 erscheinende Datum möge weit entfernt wirken, sagt Hartog, „aber angesichts der erforderlichen Arbeiten unter diesem Standard ist es für Anbieter von entscheidender Bedeutung, rechtzeitig zu beginnen.“ (heh)

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