Im Chipkrieg geschlagen Nvidia stoppt Berichten zufolge die Produktion von KI-Chips für China

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Das China-Geschäft von Nvidia ist offenbar endgültig den Chipboykotten aus Washington zum Opfer gefallen. Das Unternehmen habe die Produktion des speziell für China entwickelten H200-Chips in Taiwan eingestellt, berichtete die Financial Times in einem exklusiven Bericht.

Geht es nach der chinesischen Regierung, dann gehören inländische Rechenzentren voller Nvidia-Hardware der Vergangenheit an.(Bild:  Nvidia)
Geht es nach der chinesischen Regierung, dann gehören inländische Rechenzentren voller Nvidia-Hardware der Vergangenheit an.
(Bild: Nvidia)

Die Autoren der Financial Times berichten auf Basis ihrer Quellen, dass Nvidia offenbar endgültig die Produktion von KI-Chips für den chinesischen Markt aufgibt. Stattdessen, so heißt es, werden die Kapazitäten bei der Foundry Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) nun für Hardware der neuen Halbleitergeneration Vera Rubin genutzt, schrieb die FT unter Berufung auf gut informierte Kreise.

Dem vorausgegangen war ein langes Hin und Her, bestehend aus Exportkontrollen der USA und den Versuchen von Nvidia, trotzdem weiter mit China im Geschäft zu bleiben. Den H200 hatte das Unternehmen entwickelt, nachdem Washington den Export des leistungsstärksten KI-Chips von Nvidia nach China verboten hatte. Große Kunden von Nvidia in China, vor allem Cloud-Anbieter, konnten sich mit dieser Idee nie richtig anfreunden. Ihnen missfiel die Vorstellung, sich mit absichtlich in ihrer Leistung beschränkten Halbleitern zufriedengeben zu müssen. In manchen chinesischen Kommentaren war der H200 sogar als „kastrierter KI-Chip“ bezeichnet worden.

Auch hatte die chinesische Regierung in Peking, die ebenfalls über die US-Boykotte verärgert war, ihren heimischen Konzernen zunehmend nahegelegt, auf Chips aus chinesischer Produktion umzusteigen. Huawei und andere chinesische Unternehmen stellen inzwischen KI-Chips her, die der Leistung der neuesten Generation von Nvidia zwar noch nicht gleichkommen, die aber in größeren Clustern eingesetzt ähnliche Aufgaben übernehmen könnten.

Ärger um H200

Nach einem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping in Südkorea hat es zuletzt wieder geheißen, dass der Export von H200 nach China wieder erlaubt werde. Gleichzeitig waren in Washington neue Auflagen erlassen worden, denen zufolge überprüft werden musste, ob die Chips in China für militärische Zwecke eingesetzt werden. Effektiv hatte Nvidia daher seit geraumer Zeit keine H200 mehr nach China verkaufen können.

„Anstatt in einem Schwebezustand zu warten, muss Nvidia sich dem zuwenden, was es mit Gewissheit erreichen kann, besonders wenn es bei den fortschrittlicheren Produkten einen Angebotsmangel gibt“, zitierte die FT eine mit den Plänen in Taiwan vertraute Person. Die Finanzchefin von Nvidia hatte erst kürzlich in einer Telefonkonferenz mit Investoren bestätigt, dass bislang kaum H200-Chips in die Volksrepublik geliefert werden konnten. Man habe bislang damit in China „keine Umsätze“ erzielen können, hatte Colette Kress gesagt. Sollte diese Meldung offiziell bestätigt werden, ließe sie sich nur so interpretieren, dass Nvidia die Hoffnung auf größere China-Geschäfte allmählich aufgibt.

Alternativen zum chinesischen Markt

Die Nachfrage nach der neuesten Hardware-Generation Vera Rubin wächst derzeit rasant. Wie FT berichtet, soll Nvidia nun die Produktionskapazitäten bei TSMC in Taiwan dafür reserviert haben. Gleichzeitig kursieren Meldungen, denen zufolge sich das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek von Nvidia abzunabeln beginnt. Das chinesische Unternehmen habe Nvidia sein jüngstes Flaggschiffmodell nicht wie üblich zum Testen zur Verfügung gestellt, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Üblicherweise stellen KI-Entwickler ihre neuesten Großmodelle führenden Chipherstellern einige Wochen im Voraus zur Verfügung. So soll sichergestellt werden, dass die neuesten LLMs gut auf der verfügbaren Hardware funktionieren. Diesmal soll DeepSeek sein neuestes Modell aber Huawei gezeigt haben, Nvidia und AMD hingegen nicht, berichtete die Agentur. Analysten vermuten dahinter eine Strategie der chinesischen Regierung, heimischen Chipherstellern einen Vorteil gegenüber der amerikanischen Konkurrenz zu verschaffen.

Kurzfristig muss sich Nvidia wegen des Wegfalls seiner Umsätze in China keine großen Sorgen machen, denn das Geschäft im Rest der Welt geht nach wie vor hervorragend. Im letzten Quartalsbericht war der Nettogewinn des Unternehmens im Jahresvergleich erneut um 94 Prozent gestiegen. Nvidia-Chef Jensen Huang hatte dennoch bis vor Kurzem immer wieder bei der US-Regierung in Washington für eine Lockerung der Chip-Exportbestimmungen nach China geworben. Er ist besorgt, dass der Aufbau eines eigenen Halbleiter-Ökosystems in China Nvidias internationales Geschäft langfristig auch außerhalb Chinas beeinträchtigen könnte. (sb)

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