Sensor-Test NASA lässt Jet-Triebwerk Kreide fressen

Peter Koller

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Normalerweise tut man alles, um das Ansaugen von Festkörpern durch Flugzeugtriebwerke zu verhindern. Nicht so eine Gruppe von NASA-Wissenschaftlern. Um die Präzision ihrer Sensoren zu testen, füttern sie einen Jet-Motor mit Wasser, Getreideflocken und Malkreide.

Keine Kreide, aber Wasser ist es, was das Triebwerk der C-17 Globemaster hier in einem früheren Test ansaugt(Fotos:  NASA)
Keine Kreide, aber Wasser ist es, was das Triebwerk der C-17 Globemaster hier in einem früheren Test ansaugt
(Fotos: NASA)

Festkörper können tödlich für Jet-Triebwerke sein. Deswegen wird eine Vielzahl von Maßnahmen unternommen, um das Ansaugen von Metallteilen auf der Startbahn oder Vögeln zu verhindern: Radarsensor warnt vor Flugzeugteilen auf der Landebahn Auch für das Auge unsichtbare Vulkanasche kann sehr gefährlich werden, weswegen nach dem Vulkanausbruch 2009 in Island der Flugverkehr massiv beeinträchtigt war.

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Einen ungewöhnlichen Weg daher gehen jetzt NASA-Wissenschaftler im Projekt VIPR (Vehicle Integrated Propulsion), in dem es darum geht, mit Hilfe fortschrittlicher Sensorik mögliche Triebwerksprobleme frühzeitig erkennen zu können. Um die Präzision ihrer Sensoren und Software-Modelle zu testen, wird ein Triebwerk ganz bewusst mit Fremdkörpern gefüttert. Dazu wird das Pratt & Whitney F117-Triebwerk eines Transportflugzeugs vom Typ Boeing C-17 Globemaster verwendet. Die C-17 mit der Kennung 87-0025 wird nach der Testphase ihren Ruhestand in einem Luftfahrtmuseum verbringen.

Phase 1 der VIPR-Test fand Ende 2011 statt. Dabei wurde von einer speziell konstruierten Plattform Wasser ins Triebwerk mit zwei Metern Durchmesser angesaugt. Die Sensoren maßen dabei minimale Änderung in Vibration, Drehzahl, Temperatur und Abgaswerte des Triebwerks, die frühzeitig auf mögliche Probleme hindeuten könnten.

In einer zweiten Phase, die Anfang kommenden Jahres stattfinden wird, lassen die Forscher das Triebwerk Getreideflocken und Malkreide fressen. "Der Grund, Getreideflocken und Malkreide zu verwenden ist, dass damit Erschütterungen ausgelöst werden, die von den Sensoren erfasst werden können, aber nicht ausreichen, um das Triebwerk zu zerstören". Des weitere erhoffen sich die Forscher farbenfrohe Rückstände im Triebwerk, die Aufschluss über den genauen Weg der Teilchen durch die Turbine geben könnten.

Der – im wahrsten Sinn des Wortes – ultimative Test von VIPR steht an dritter Stelle: Dabei werden Glas-artige Partikel, die Vulkanasche sehr ähnlich sind, ins Triebwerk eingebracht – bis es versagt. "Die Möglichkeit, ein generalüberholtes Triebwerk bis zum endgültigen Versagen durch eine Reihe von Test zu jagen, ist eine ziemlich einmalige Gelegenheit", so VIPR-Projektleiter Dave Berger.

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