Nachhaltigkeit wird derzeit wieder kontrovers diskutiert. Kabelhersteller befinden sich bei dieser Thematik in einem Dilemma – der Rohstoff Kupfer ist unverzichtbar, aber für 88 Prozent des CO2-Fußabdrucks verantwortlich. Lapp geht das jetzt proaktiv an.
Maria Dobritzsch, Global CSR Managerin bei der Lapp Holding SE.
(Bild: Wolfram Scheible)
Der Klimawandel ist unübersehbar und wird intensiv diskutiert. Um die Erderwärmung zu bremsen, muss der CO2-Ausstoß weltweit drastisch reduziert werden. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt bis 2030 die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent zu verringern (bezogen auf das Basisjahr 1990). Auf dem Weg zur Klimaneutralität spielt die Industrie eine Schlüsselrolle. Auch wir als Kabelhersteller sehen uns in der Verantwortung, einen Beitrag zur Einsparung von CO2-Emissionen zu leisten.
Die bisherigen Analysen haben gezeigt, dass bei unserem Ziel, CO2-Emissionen zu verringern, der Fokus auf den Produkten liegen muss, da dort das meiste CO2 gebunden wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Rohstoff Kupfer. Wir haben uns das Ziel gesetzt, bis 2025 den CO2-Fußabdruck der Produkte deutlich zu reduzieren. Interne Untersuchungen haben ergeben, dass Kupfer im Durchschnitt für 88 Prozent des CO2-Fußabdrucks in der Produkten verantwortlich ist. Folglich kommen wir unserem Einsparziel einen großen Schritt näher, wenn wir den Emissionsanteil durch Kupfer verringern.
Ein Verzicht auf Kupfer als Rohstoff ist derzeit unmöglich, da kein anderes Material über vergleichbare Eigenschaften verfügt. Das Metall ist nach Silber der zweitbeste Stromleiter und besitzt eine deutlich bessere Leitfähigkeit als Aluminium.
Zudem ist Kupfer widerstandsfähiger gegen Hitze, langlebig und zu 100 Prozent recycelbar. Insgesamt liegt nach Berechnungen von Experten der International Copper Association das Erderwärmungspotential von Kupfer im Durchschnitt bei 4,1 kg CO2/kg.
Der höchste Anteil davon entsteht in den frühen Phasen des Bergbaus, wenn das Erz im Berg gelöst und im Anschluss daran transportiert und aufbereitet wird. Hinzu kommt, dass in den Kupferminen weltweit, beispielsweise in Chile, Peru, China oder den USA, die Erzgehalte zurückgehen und für die Förderung ein komplizierterer Prozess mit höherem Energieeinsatz nötig ist. Parallel wird die Nachfrage nach Kupfer wegen des massiven Ausbaus an erneuerbaren Energien bis 2040 um 60 Prozent steigen.
„CUPRUM“: Kupfer als Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit
Diese Entwicklung stellt für uns als Kabelhersteller ein Dilemma da. Einerseits können wir auf den Rohstoff Kupfer nicht verzichten, andererseits wird für den Abbau von Kupfererz eine hohe Menge an Energie benötigt. Wir stellen uns dieser Herausforderung und suchen nach innovativen Wegen, um das Dilemma zu lösen.
Mittlerweile gibt es weltweite Initiativen, die die globale Kupferindustrie nachhaltiger gestalten wollen. Heute beziehen unsere weltweiten Produktionsstätten das benötigte Kupfer weitestgehend eigenständig. Zukünftig soll die Beschaffung von Kupfer strategisch gesteuert werden. In einem ersten Schritt haben wir hierzu im Jahr 2020 das Projekt „CUPRUM“ gestartet.
Das große Ziel des Projektes ist es Transparenz zu schaffen, indem die weltweiten Lieferketten sichtbar gemacht werden. Basierend auf den Projektergebnissen werden wir unsere Einkaufsstrategie ausrichten – von einer dezentralen zu einer zentralen Beschaffungsorganisation.
Dabei werden wir auch zukünftig auf mehrere Bezugsquellen angewiesen sein, denn die Entscheidung für einen Lieferanten hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wo ist der Lieferant angesiedelt? Wie weit sind die Transportwege? In welcher Verarbeitungsform wird das Kupfer zur Verfügung gestellt? Es zeigt sich: Kupfer ist nicht gleich Kupfer.
Derzeit führen wir Gespräche mit Kupferlieferanten, um uns einen Überblick zu den CO2-Emissionen der verschiedenen Produkte zu verschaffen. Sobald wir eine Übersicht zu den aktuellen Emissionswerten aller von uns bezogenen Kupferprodukte vorliegen haben, werden wir diese auf einen Wechsel hin zu „grünem Kupfer“ prüfen. Wichtig ist uns dabei, den Dialog mit unseren Lieferanten zu suchen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. (kr)
Anwenderkongress Steckverbinder
12. - 14. Juni 2023 in Würzburg
Podiumsdiskussion Product Carbon Footprint: Nachhaltigkeit in der Steckverbinderindustrie
Neun Experten der Branche diskutieren am 12. Juni 2023 auf dem diesjährigen Leitkongress zu Trends und Einsatz moderner Steckverbinder das komplexe Thema Product Carbon Footprint (PCF). Erfahren Sie mehr zu:
Gesetzlichen Vorgaben ab 2024
Interpretation der Daten und Auswege aus dem Bürokratie-Dschungel
Modellrechnungen
Verpassen Sie nicht die in Europa einzigartige Veranstaltung zu den Themen Steckverbinder-Design, Design-in, Werkstoffe, Qualifizierung und Einsatz von Steckverbindern mit Top-Referenten aus Industrie und Forschung. Freuen Sie sich zudem auf eine der umfangreichsten Fachausstellungen der Branche. Jetzt informieren und Ticket sichern!
(ID:48977283)
Stand: 08.12.2025
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