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Strengere Dämpfungsanforderungen
Die strengeren Dämpfungsanforderungen von Anwendungen mit Übertragungsraten von 40 und 100 GBit/s erfordern eine genauere Methode: Encircled Flux (EF). Seit die Methode im Jahr 2010 eingeführt wurde, ist sie in den ISO/IEC-Normen zum Testen von Multimode-Fasern vorgeschrieben. Dabei verringern sich die Messunsicherheiten dadurch, dass die modale Leistung über die gesamte Stirnseite der Vorlauffaser mithilfe einer Begrenzungsschablone vorgegeben wird, die besser auf die eng kontrollierten Vorlaufbedingungen heutiger Hochgeschwindigkeits-Glasfasertransceiver abgestimmt ist.
BIMMF-Test: Ein gutes BIMMF-Design zielt darauf ab, die Gruppen mit Moden höherer Ordnung innerhalb des Faserkerns fest einzuschließen, um die Biegedämpfung zu verringern. Da ein Wickeldorn nicht mehr ausreicht, um die erforderliche starke Biegung zum Entfernen der Moden höherer Ordnung zu erzeugen, ist die EF-Testmethode für BIMMF ein Muss. Es ist auch wichtig, für die Tests Kabel zu verwenden, die nicht aus biegefesten Multimode-Fasern bestehen, um zu vermeiden, dass zu optimistische Ergebnisse erzielt werden.
MPO-Prüfung: Kommt ein Duplextester für MPO-Tests zum Einsatz, sind MPO-auf-LC-Fan-out-Kabel erforderlich, eine 3-Kabel-Referenzmethode und ca. 15 Einzelschritte. Ein Testgerät mit MPO-Testfunktion erübrigt das Fan-out-Kabel, und es sind dafür lediglich fünf Schritte erforderlich, wobei alle 12 Fasern der MPO gleichzeitig getestet werden können.
1-Leiter-Referenz: Während eine 2-Kabel-Referenz einfacher erscheinen mag, führt die Referenz auf beide Testkabel zu optimistischen Ergebnissen und kann negative Dämpfungsergebnisse liefern. Nur die 1-Kabel-Referenz berücksichtigt die Dämpfung der Anschlüsse an beiden Enden des Kanals und ist damit am genauesten. Außerdem wird die 2-Kabel-Referenz durch ISO/IEC 14763-3 nicht anerkannt und viele Kabelanbieter lehnen Ergebnisse ab, die mit der 2-Kabel-Referenz erhalten wurden.
Bidirektionale Tests: Für Rang-2-Tests mit OTDR sind Dämpfungsmessungen spezieller Ereignisse, wie Anschlüsse und Spleiße, von der Richtung abhängig, aus der die Messung erfolgt. Deshalb gelten bidirektionale Tests, bei denen der Durchschnitt aus Messungen an beiden Enden eines Links gebildet wird, als bewährte Methode. Manche Tester ermöglichen einfache bidirektionale Tests von einem Ende aus, mithilfe einer Schleife am entfernten Ende, so dass automatisch der Durchschnitt für das Link ausgegeben wird.
Höhere Bandbreiten und neue Testverfahren
Verschmutzte Anschlüsse sind weiterhin die Hauptursache für Fehler aufgrund einer schadhaften Faser. Strengere Dämpfungsanforderungen erfordern eine korrekte Inspektionen und ausreichende Reinigung. Am besten wird die Faser gemäß der Norm IEC 61300-3-35 geprüft, die für die Zertifizierung einer Faser-Stirnfläche konkrete Einstufungskriterien hinsichtlich der Sauberkeit vorgibt und damit jede menschliche Subjektivität ausschließt. Die Multimode-Fasern-Technik und die entsprechenden Testmethoden haben sich über die Jahre parallel entwickelt, mit OM4 als aktuellen Fasertyp, BIMMF als gängige Option und den jetzt vorgeschriebenen EF-Tests.
Die Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Die Normkommissionen beschäftigen sich bereits mit Fasertypen und mit der Wellenlängenmultiplextechnik (Wavelength Division Multiplexing = WDM, die optische Signale mit mehreren Wellenlängen einer Multimode-Faser kombiniert. Dadurch wird die Bandbreite vergrößert und theoretisch 400 GBit/s unterstützt. Für künftige Multimode-Faser-Systeme wird es allerdings neue Testanforderungen geben.
* Christian Schillab ist European Produkt Manager InfrastructureSuperVision bei Fluke Networks Europe.
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