Notfallversorgung Mobile Herz-Lungen-Maschine stabilisiert Patienten vor Ort

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Tragbar, einfach bedienbar und sicher: Wenn im Notfall jede Sekunde zählt, hilft eine mobile Herz-Lungen-Maschine. Das System wurde Bundessieger in der Wettbewerbskategorie Wirtschaft im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“.

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Die mobile Herz-Lungen-Maschine misst 610 mm x 450 mm x 370 mm und wiegt 17,5 kg
Die mobile Herz-Lungen-Maschine misst 610 mm x 450 mm x 370 mm und wiegt 17,5 kg
(Lifebridge)

In einem Notfall muss es schnell gehen und da sind große und sperrige Geräte hinderlich. Bei einem Herzinfarkt zählt jede Sekunde, um den Zustand des Patienten zu stabilisieren. Immer noch sterben über 15% aller Herzinfarktpatienten, 2/3 davon durch Kreislaufversagen, das in der Mehrzahl der Fälle über ein Multi-Organversagen zum Tode führt (Sterblichkeit des Kardiogenen Schocks 60 bis 80%). Einziger Ausweg ist, den Kreislauf des Patienten vor Eintreten von Folgeschäden so schnell wie möglich zu stabilisieren, also temporär schnellstmöglich die Funktion von Herz und Lunge durch eine Herz-Lungen-Maschine (HLM) zu ersetzen.

Hier setzt Lifebridge Medizintechnik an: Das bayerische Unternehmen aus Ampfing hat einen mobilen Lebensretter entwickelt, der im Notfall die Funktionen von Herz und Lunge vollständig übernimmt. Das System lässt sich im Rettungswagen oder im Hubschrauber transportieren.

Die Idee des Systems war es, die Technologie der seit Jahrzehnten genutzten. großen, hochkomplexen HLM der Herzchirurgen, für die man hochspezialisiertes, technisches Personal zum Betrieb braucht, transportabel zu machen; und so zum Patienten zu bringen – an den Ort, wo die Unterstützung gebraucht wird. Dazu muss sie tragbar, einfach bedienbar sowie sicherer als die stationäre große HLM sein.

Herz-Lungen-Maschine von Ärzten für Ärzte entwickelt

Die Gründungsidee von Lifebridge Medizintechnik war es, eine mobile Herz-Lungen-Maschine zu entwickeln, die gerade dort schnell einsetzbar ist, wo sie am häufigsten zur Notfallversorgung gebraucht wird. Und zwar dort, wo die Notfall-Versorgung von Herzinfarkt-Patienten stattfindet: In den Notaufnahmen der Kliniken (in den USA: Emergency Room) und den kardiologischen Kliniken mit Herzkatheterlabor.

Erstmals können Ärzte nun sofort vor Ort diese schwerstbedrohten Patienten mit Kreislaufversagen umfassend stabilisieren und gewinnen damit lebenswichtige Zeit: Zeit, um ein Organversagen und den daraus folgenden Tod abzuwenden, Zeit, um die notwendige Wiedereröffnung der akut verschlossenen Herzkranzgefäße durchzuführen, Zeit, um das zugrunde liegende Problem zu behandeln, sowie Zeit, um die Erholung des Patienten abzuwarten und ihn möglicherweise zur Weiterversorgung in eine Spezialklinik zu verlegen.

Von diesem völlig neuen Behandlungskonzept der mobilen Herz-Lungen-Maschine konnten bereits ca. 600 Patienten profitieren. Wichtig bei der Entwicklung des Systems war, dass das Lifebridge-System eine Entwicklung von Ärzten für Ärzte ist. In einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Ingenieuren, Wissenschaftlern und Experten der Medizintechnik wurde nicht nur die Idee zum Produkt geboren, sondern dieses Team prägte auch die Anwenderfreundlichkeit.

Die Herz-Lungen-Maschine im Einsatz: Ein klinisches Beispiel

Ein 68-jähriger Mann erleidet während des Autofahrens einen Herzinfarkt mit Herzstillstand und verursacht einen Verkehrsunfall. Die Wiederbelebungsversuche des eintreffenden Notarztes scheitern und der Patient wird unter Reanimationsbemühungen in das Krankenhaus gebracht. Sofort im Krankenhaus wird das System angeschlossen. So stabilisiert wird die lebenswichtige Behandlung der Grunderkrankung des Herzens erst möglich gemacht: Im Herzkatheterlabor werden die akut verengten Herzkranzgefäße wiedereröffnet und das Herz beginnt wieder so gut zu schlagen, dass die extrakorporale Unterstützung bereits nach kurzer Zeit zurückgenommen werden kann. Nach einigen Tagen Kliniksaufenthalt und anschließender kurzer Rehabilitationsmaßnahme wird der Patient in gutem Zustand aus der Klinik entlassen.

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