Drohende Betriebsschließungen Mittelstand in Not: 300.000 Unternehmer finden keine Nachfolge

Von Dr. Dirk Wölwer*

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Rund 300.000 Inhaber und Inhaberinnen mittelständischer Unternehmen finden keine Nachfolge und rechnen mit der Schließung ihres Betriebes. Betroffen sind dadurch rund drei Millionen Beschäftigte.

Fachkräftemangel einmal anders: Bei rund 300.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland steht in den nächsten Jahren ein Wechsel an der Spitze an. Geeignete Kandidaten sind rar.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Fachkräftemangel einmal anders: Bei rund 300.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland steht in den nächsten Jahren ein Wechsel an der Spitze an. Geeignete Kandidaten sind rar.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Fakten einer schleichenden Katastrophe: In den nächsten Jahren werden 1 bis 2 Prozent der rund 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland vor dem Generationenwechsel stehen und zunehmend durch eine Fremdgeschäftsführung geführt. Mehr als 11 Prozent der Selbstständigen sind mindestens 65 Jahre alt. Der demografische Wandel reduziert die Anzahl der Fremdgeschäftsführer/-innen, die für eine Unternehmensübernahme in Frage kommen. Überdurchschnittlich viele Unternehmensnachfolgen werden für Bremen und Niedersachsen erwartet.

Automatisierungsaufgaben lassen sich oft über Linearbewegungen zuverlässig planen und realisieren – eine Unternehmensnachfolge nicht. Bereits die Bezifferung künftig zu übernehmender mittelständischer Unternehmen ist nur anhand von Annahmen möglich, da meist die beabsichtigte und nicht die realisierte Übergabe abgefragt wird.

„Rosarote Brille“ erschwert Entscheidung für Nachfolge

Sondereinflüsse, wie die Ausweitung der Geldmenge, u.a. zur Stabilisierung von „Zombieunternehmen“, erschweren eine verlässliche Datenerhebung zusätzlich. Das IfM Bonn schätzt, dass zwischen 2022 und 2026 rund 190.000 Unternehmen zur Übernahme anstehen (vgl. Fels et al. 2021). Doch die Suche und Auswahl einer geeigneten Nachfolge wird nicht selten durch eine „rosarote Brille“ des Alteigentümers erschwert.

So können ein Auseinanderklaffen zwischen Wunsch und Wirklichkeit hinsichtlich der Attraktivität des Geschäftsmodells, verschärft durch einen notwendigen technologischen Wandel (vgl. Pahnke et al. 2021), der Zeitpunkt der Übergabe (IHK-Report 2019) oder fehlende Führungskompetenz dazu führen, dass eine Übergabe scheitert.

Führungskräfte als Unternehmer im Unternehmen

Fazit: Entwickeln Sie frühzeitig Ihre Führungskräfte zu selbstständigen „Unternehmern im Unternehmen“ und stellen Sie eine Organisationsstruktur sicher, die es dem Nachfolgenden ermöglicht, das Unternehmen weitestgehend über Management- und weniger über Fachkompetenz zu führen und zu entwickeln. Hier gilt es im Vorfeld herauszufinden, ob sich geeignete Kandidaten über eine externe oder interne Suche bzw. im Umfeld der Familie ermitteln lassen.

(Bild:  dr. gawlitta)
(Bild: dr. gawlitta)

Auch unterstützende Organisationsentwicklungsmaßnahmen sollten gezielt eingesetzt werden, um den Erfolg der Nachfolge zu gewährleisten. Eine kompetente Beratung berücksichtigt dabei die vielfältigen Ansprüche, die sich aus dem persönlichen Umfeld, der Marktsituation sowie den Besonderheiten der jeweiligen Branche eines Unternehmens ergeben.

Quellen

DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2019, Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V. (DIHK), Berlin, Brüssel

Fels, M.; Suprinovič, O.; Schlömer-Laufen, N.; Kay, R. (2021): Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2022 bis 2026, IfM Bonn: Daten und Fakten Nr. 27, Bonn.

Pahnke, A.; Schlepphorst, S.; Schlömer-Laufen, N. (2021): Herausforderungen der Unternehmensübergabe: Unternehmen zwischen Fortführung und Stilllegung, IfM Bonn: IfM-Materialien 286, Bonn.

* Dr. Dirk Wölwer ist Geschäftsführer der dr. gawlitta (BDU) Gesellschaft für Personalberatung mbH.

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