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Wachsende Besucheransturm bringt Schifffahrt an die Kapazitätsgrenze
„Eigentlich wissen wir uns stets selbst zu helfen“, sagt Brandner. „Wir geben unser Wissen über die Motoren von Generation zu Generation weiter und haben die alten Motoren sogar in unsere neuen Boote eingebaut“, berichtet er stolz. Die Schiffe werden in der hauseigenen Werft gewartet und seit 1983 auch dort gebaut. Der wachsende Besucheransturm bringt die Königsseeschifffahrt immer wieder an die Kapazitätsgrenze.
„Deshalb darf keiner der Motoren auch nur eine Minute stillstehen“, sagt Brandner, der seit 25 Jahren bei der Seenschifffahrt arbeitet. Brandner führt den Siemens-Fachmann durch die am See gelegenen Bootshäuser zum Allerheiligsten, wo Hunsickers betagter Patient wartet: Ein typisches Boot aus der Flotte der Seenschifffahrt. Es ist 20 m lang, 3,5 m breit und aus edlen Holzarten handgearbeitet. Im Inneren finden bis zu 93 Passagiere auf Holzbänken im Stil der 20er Jahre Platz, auf denen rote Kissen aus der hauseigenen Polsterei eine angenehme Fahrt garantieren.
Brandner zieht eine große Klappe im Fußbereich zwischen den Bänken nach oben. Er legt das Herzstück des Boots frei: Den Elektromotor von Siemens. Hunsicker ist die Freude über diesen Anblick ins Gesicht geschrieben. „So etwas bekommt man nicht von der Stange“, sagt er mit funkelnden Augen. Immer wieder hat der Service-Techniker sich im Vorfeld mit Brandner ausgetauscht, alte Pläne und Datenblätter gewälzt und Fotos der historischen Technik studiert.
Nachbau der alten Motoren ist die optimale Lösung
Dass sich der Weltkonzern auch bei kleinen Aufträgen um sein technisches Erbe kümmert – für den Elektroingenieur aus St. Ingbert im Saarland ist das eine Selbstverständlichkeit. „Kein anderes Unternehmen hat das Know-how, einen 56 Jahre alten Elektromotor nachzubauen. Das ist wirklich etwas Besonderes“, sagt Brandner stolz. Und weiter: „Wir bekommen wieder einen Motor, der perfekt zu den vorhandenen Installationen passt. Die bereits vorhandene Elektronik auszutauschen wäre deutlich teurer als ein nachgebauter Motor“.
Hunsicker erklärt das Problem: „Motoren gleicher Leistung von heute sind in etwa so groß wie eine Schuhschachtel, deshalb sind sie nicht mit der vorhandenen Bordelektronik kompatibel.“ Diese ist auf die alten Motoren ausgelegt, die um ein Vielfaches größer sind. Außerdem ist ein Motor des alten Typs weniger komplex, weshalb er von den hauseigenen Elektrikern in Schönau selbst gewartet werden kann – ein wichtiger Aspekt für die Königsseeschifffahrt. Denn für einen zuverlässigen Betrieb – vor allem während der Hochsaison, wenn täglich mehrere tausend Fahrgäste den See überqueren wollen – muss bei Ausfällen schnell reagiert werden können. Ein Nachbau der alten Motoren ist für den Kunden daher die optimale Lösung und die Investition sinnvoll.
Bauplan für Altmotor existiert nicht mehr
Schnell verschafft sich Hunsicker einen Gesamtüberblick und bespricht die nächsten Schritte mit Michael Brandner. Damit Siemens der Bayerischen Seenschifffahrt ein Angebot unterbreiten kann, sind noch weitere Vorarbeiten notwendig. Ein Bauplan für den Motor existiert nicht mehr, deshalb muss einer der alten Elektromotoren zur Demontage in das Repair Center nach St. Ingbert. Wenn neue Pläne angefertigt sind, kann der neue alte Motor innerhalb von acht Monaten gebaut und rechtzeitig zur Hauptsaison ausgeliefert werden.
Motor
Vorzertifizierte Schiffsmotoren – schnelle Planung, schnelle Abnahme
Bevor sich der 55-Jährige Saarländer auf den Rückweg macht, lädt Brandner ihn noch zu einer Fahrt hinüber zur Wallfahrtskirche St. Bartholomä ein. Ein Muss. Schon deshalb, weil auf halber Strecke der Kapitän seine blankpolierte Trompete an die Lippen legt, um das weltberühmte doppelte Echo an der steilen Brentenwand zum Erklingen zu bringen. Jetzt weiß Hunsicker, wofür er die lange Reise auf sich genommen hat. Denn nicht zuletzt dank der flüsterleisen Motoren bleibt dieses Paradies erhalten. (sh)
Text: Siemens AG/ Pictures of the Future
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