Kein Consumer-Geschäft mehr Micron stampft Speichermarke Crucial ein

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Speicherriese Micron beendet seine 29 Jahre alte Consumer-Marke Crucial. Der Konzern zieht sich bis Februar 2026 schrittweise aus dem Geschäft mit RAM-Modulen und SSDs für den weltweiten Retail- und E-Tail-Markt zurück. Die Entscheidung folgt einem massiven Nachfrageanstieg in Rechenzentren, der Micron dazu verleitet, jede verfügbare Speicherzelle dorthin umzuleiten, wo sie höhere Margen erzielt: in KI-Server und HBM.

Aus für das Consumer-Geschäft: Micron konzentriert sich auf den Servermarkt.(Bild:  KI-generiert)
Aus für das Consumer-Geschäft: Micron konzentriert sich auf den Servermarkt.
(Bild: KI-generiert)

Micron begründet den Ausstieg mit der engen Versorgungslage und dem wachsenden Druck aus dem KI-Segment. Dort sichern sich Cloud-Anbieter und Hyperscaler langfristige Kontingente. Der Hersteller spricht von einer „schwierigen Entscheidung“, die helfen soll, große strategische Kunden besser zu bedienen. Garantien und Support für bereits verkaufte Consumer-Produkte bleiben bestehen. Enterprise-SSDs und -DRAM unter Micron-Brand führt das Unternehmen weiter.

KI saugt den Speicher ab

Die Branche erlebt seit Monaten einen verschobenen Schwerpunkt: Der Markt für klassische PC-Komponenten stagniert, während Rechenzentren enorme Mengen an Arbeitsspeicher und Flash einkaufen. Laut Analysten seien die HBM-Kapazitäten für das Jahr 2026 vollständig ausgebucht. Der Konzern investiert parallel Milliarden in neue Fertigungslinien, etwa in Japan, um die Nachfrage nach HBM3E und HBM4 bedienen zu können.

Für den Consumer-Kanal heißt das: Crucial verschwindet aus Regalen und Onlineshops. Die Auslieferung läuft noch bis zum Ende des Micron-Geschäftsquartals Q2/2026. Danach bleibt nur der Lagerbestand. Privatanwender, Systemhäuser und Distributoren verlieren damit eine etablierte Marke für preisgünstige SSDs und RAM-Module. Auch wenn Alternativen zahlreich sind, dürfte der Rückzug Druck auf Preise und Verfügbarkeit im Consumer-Segment erzeugen.

Folgen für Industrie-PCs und Entwickler

Das Crucial-Aus trifft nicht nur PC-Bastler. Viele Hersteller von Industrie- und Embedded-PCs setzen auf Consumer-SSDs und RAM als Standardbausteine in ihren Designs. Crucial war dabei eine beliebte Marke: gut verfügbar, solide dokumentiert, kostengünstig und breit qualifiziert. Mit dem Aus des Consumergeschäfts rutschen zahlreiche Baugruppen in Richtung End-of-Life. Entwickler müssen sich auf neue Freigabeprozesse und angepasste Stücklisten einstellen.

Zudem werden Unternehmen stärker prüfen, ob sie künftig Industrial- oder Enterprise-SSDs einsetzen, die eine längere Verfügbarkeit und klarere Roadmaps versprechen – allerdings zu höheren Preisen. Für Micron schafft der Rückzug mehr Spielraum, die knappen Kapazitäten in margenträchtigere Segmente umzulenken. Für industrielle Anwender endet jedoch eine Ära des unkomplizierten Zugriffs auf Crucial-Komponenten.

Ein Signal für den gesamten Speichermarkt

Der Schritt reiht sich ein in eine Entwicklung, die vor allem von KI getrieben wird. Speicherhersteller verschieben ihre Prioritäten hin zu Produkten für Training und Inferenz. Während Samsung und Sk Hynix ihre Consumer-Labels weiter pflegen, wählt Micron den radikaleren Weg und kappt die Marke Crucial vollständig. Damit verschiebt sich das Kräfteverhältnis in einem Markt, der lange verlässlich und preisstabil wirkte. SSDs und RAM-Riegel waren schon immer einem preislichen Auf und Ab ausgesetzt, aber bislang nie so intensiv, dass ganze Marktsegmente nicht mehr bedient wurden. Microns Ausstieg zeigt, wie stark KI selbst etablierte Produktlinien verdrängt.  (mc)

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