AMB 2010 Medizintechnik ist ein bedeutender Zukunftsmarkt

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Die Herstellung medizintechnischer Produkte ist ein bedeutender Zukunftsmarkt für die metallbe- und -verarbeitende Industrie. Das wird auf der diesjährigen AMB in Stuttgart vom 28. September bis 2. Oktober 2010 durch einen Themenpark Medizintechnik und einer Sonderschau mit Konferenz deutlich.

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Die Gesundheitsausgaben für Medizinprodukte betragen ohne Investitionsgüter in Deutschland insgesamt rund 23 Mrd. €. Der Gesamtumsatz der produzierenden Medizintechnikunternehmen betrug 2008 17,8 Mrd. €. Selbst im vergangenen Krisenjahr wuchs er noch einmal um ein Prozent, wobei vor allem das Exportgeschäft zum Erfolg beiträgt.

Nach einer BMBF-Studie zur „Situation der Medizintechnik in Deutschland im internationalen Vergleich“ liegt Deutschland bei Patenten der Medizintechnik auf dem zweiten Platz hinter den USA. Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller laut BVMed mit Produkten, die weniger als drei Jahre alt sind.

Ein bedeutender Zukunftsmarkt

Entsprechend ist die Herstellung medizintechnischer Produkte ein bedeutender Zukunftsmarkt für die metallbe- und -verarbeitende Industrie. Die AMB widmet sich gleich dreimal dem Thema: im Themenpark Medizintechnik und in der Sonderschau „Medical TechnologyCenter“ in der Halle 7 sowie mit der „Medical TechnologyConference“ am 29. September im International Congress Center Stuttgart.

Schon heute beliefern viele Firmen die aufstrebende Branche Medizintechnik, aber so richtig im Fokus steht dieser Markt bei den wenigsten Produktionern. Meist wird er „zufällig“ entdeckt, selten jedoch konsequent bearbeitet. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Themenpark „Medizintechnik“.

In Zusammenarbeit mit Sellers Media Services und dem Fachmagazin DeviceMed, wird die AMB das Thema Ausstellern und Besuchern näher bringen. Für Aussteller eröffnet der Themenpark die Chance, sich in diesem noch neuen Absatzfeld zu präsentieren und zu positionieren. Vorgestellt werden erfolgreiche Marktzutritte, die anderen Unternehmen Wege aufweisen können, neue Abnehmerkreise zu erschließen.

Nicht nur etwas für Spezialisten

Medizintechnik ist nicht nur etwas für Spezialisten. Das beweist die Tatsache, dass die dort engagierten Aussteller meist auch mit einem Hauptstand auf der AMB vertreten sind und im Rahmen des Themenparks lediglich die erfolgreichen Anwendungen ihrer Produkte in der Medizintechnik präsentieren.

Baden-Württemberg ist einer der führenden Standorte für Medizintechnik. So gilt laut dem baden-württembergischen Wirtschaftsministerium beispielsweise der Raum Tuttlingen als das weltweit größte Cluster von Unternehmen für die Herstellung chirurgischer Instrumente.

Gesamte Prozesskette wird gezeigt

Unter dem Motto „Medical TechnologyCenter“ stellen die Unternehmen gemeinsam die Prozesskette dar – und zwar ausgehend vom fertigen Produkt zurück bis zur Idee. Dabei werden die CAD/CAM/CNC-Verfahrenskette und IT-Lösungen von der Planung über die virtuelle bis hin zur realen Fertigung nicht nur gezeigt, sondern es wird auch produziert.

Eingesetzte Fertigungstechnik sind Drehen, Fünf-Achs-Fräsen und -Schleifen sowie das kombinierte Dreh-Fräsen. Ergänzt wird die Präsentation durch Werkzeuge und Messtechnik sowie den Brandschutz. Dabei entstehen typische Medizintechnikteile wie Prothesen, Implantate, Dentalersatz, Geräte und Instrumente.

Deutschland beim Welthandel mit Medizintechnik auf Platz 2

Durchschnittlich investierten die forschenden MedTech-Unternehmen rund neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Das Europäische Patentamt in München registrierte 2008 fast 17.000 Patente in der Medizintechnik – damit liegt die Medizintechnik vor der elektronischen Nachrichtentechnik und der EDV. Im Welthandel belegt Deutschland mit einem Anteil von 14,6% nach den USA mit 30,9%, aber deutlich vor Japan mit 5,5% ebenfalls den zweiten Platz. Ein Grund hierfür ist, dass selbst kleine Mittelständler oft international arbeiten.

Nach Informationen des Bundesverbandes Medizintechnik BVMed beschäftigt die Medizintechnikindustrie in knapp 1 250 Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten 95.000 Menschen. Hinzu kommen annähernd 10.000 Kleinunternehmen mit rund 75.000 Beschäftigten. Die Kernbranche beschäftigt damit insgesamt in Deutschland rund 170.000 Menschen in über 11.000 Unternehmen.

Etwa 15% der Beschäftigten sind in Forschung und Entwicklung tätig mit steigender Tendenz. Abgesehen von wenigen großen Unternehmen ist die Branche stark mittelständisch geprägt. 95% der Betriebe beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter.

Die drei wesentlichen Trends der Medizintechnik

Wesentliche Trends der Medizintechnik sind die voranschreitende Computerisierung in der Bildgebung, die Molekularisierung in der regenerativen Medizin und die Miniaturisierung bei Implantaten. „Kleiner und leistungsfähiger“ lautet auch nach Meinung von Prof. Dr. Wilfried Mokwa, Lehrstuhlinhaber des Instituts für Werkstoffe der Elektrotechnik an der RWTH Aachen, ein Trend in der Medizintechnik, der Auswirkungen auf die Produktionstechnik haben wird.

Er nennt als Beispiel die Fortschritte einer vollständig implantierbaren Sehprothese, um erblindeten Patienten einen Teil ihres Sehvermögens zurückzugeben. Mobile und telemetrische Anwendungen erforderten ebenfalls kleinere Geräte, wobei immer mehr Funktionen auf immer weniger Raum und möglichst energiesparend untergebracht würden.

Weitere Neuentwicklungen sind Implantate zur Behandlung von Röhrenknochenfrakturen oder das Mikropulverspritzgießen. Neuartige Operationswerkzeuge bestehen beispielsweise aus faserverstärkten Kunststoffen, die völlig anders hergestellt und bearbeitet werden müssen als bisherige Edelstahlwerkzeuge. Auf europäischer Ebene besonders gefördert werden derzeit Projekte zur Verbindung verschiedene Technologien, beispielsweise der Mikro- und der Biotechnologie.

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