Autonome Logistik Manchmal braucht’s nur ein Katapult

Von Susanne Braun 2 min Lesedauer

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Einer der Vorreiter im Feld der autonomen Lieferlogistik ist Zipline aus San Francisco. Seit bald zehn Jahren katapultiert das Unternehmen Drohnen, beladen mit Medikamenten, Impfstoffen und mehr, in schwer zugängliche Regionen afrikanischer Länder.

Zip auf der Startrampe: Im April 2024 wurden insgesamt eine Million kommerzielle Drohnenlieferungen an Kunden von Zipline abgeschlossen.(Bild:  Zipline)
Zip auf der Startrampe: Im April 2024 wurden insgesamt eine Million kommerzielle Drohnenlieferungen an Kunden von Zipline abgeschlossen.
(Bild: Zipline)

In vielen westlichen Ländern stellt der Zugang zu Medikamenten, Bluttransfusionen und weiteren überlebenswichtigen Versorgungsgütern für Notfälle kaum ein Problem dar, in afrikanischen Ländern hingegen schon. Viele Orte sind nur über Schotterpisten zu erreichen, die insbesondere zu regenintensiven Zeiten kaum befahrbar sind. Das Unternehmen Zipline aus San Francisco hat eine simple, aber extrem effektive Lösung gefunden, wichtige und leichte Transportgüter in nur schwer erreichbare oder abgelegen liegende Regionen einiger afrikanischer Länder zu bringen, darunter Ruanda, Ghana, Kenia und Nigeria.

Mittlerweile gleiten die Zipline-Drohnen selbstständig auf vordefinierten Routen auch über die Landschaften der Elfenbeinküste. Gesteuert werden die Starrflügler von Zipline durch GPS und redundante Sensorik. Die Lieferung wiederum wird per Fallschirm über dem Zielort abgeworfen, bevor die Drohne zu ihrer Basis zurückkehrt. Am Anfang all dieser erstaunlich einfach klingenden Präzisionsarbeit steht, man mag es kaum glauben, ein Katapult.

Eine Million Lieferungen

Das Prinzip ist ebenso simpel wie effizient: Die Drohnen transportieren Blut, Impfstoffe, Laborproben oder Medikamente zu Gesundheitseinrichtungen, die per Smartphone-App oder Onlineportal bestellen. Nach dem Katapultstart liegt die Flugreichweite der Starrflügler bei rund 80 Kilometer pro Strecke, die Nutzlast liegt bei etwa zwei Kilogramm (mit Platform 2 bei rund vier Kilogramm). Ein einzelnes Zipline-Zentrum kann täglich hunderte Flüge abwickeln. Seit dem Start in Ruanda im Jahr 2016 hat das System bereits Millionen von Produkte ausgeliefert. Die Flotte arbeitet wetterunabhängig und vollautonom. Menschliche Eingriffe erfolgen nur bei Startvorbereitung und Wartung.

Das jüngste System, Zipline Platform 2, kombiniert erstmals Senkrechtstart und -landung (VTOL) mit einem Seilabwurfsystem, das die Nutzlast zentimetergenau absenken kann. Damit öffnet Zipline den Weg auch in urbane Räume: In Ghana und Nigeria wird die Plattform bereits für Apothekenlieferungen getestet, in den USA für E-Commerce-Partner wie Walmart und GNC.

Das sicherste unbemannte Luftsystem

Der technische Kern liegt in einer präzisen Sensorfusion aus GPS, Inertialsensoren, Magnetometern und maschinellem Sehen, ergänzt durch ein eigenes Navigationsnetzwerk. Die gesamte Flotte wird in Echtzeit überwacht, Ausweichmanöver und Energieverwaltung erfolgen KI-gestützt an Bord. Mit durchschnittlich 1.000 autonomen Flügen pro Tag zählt Zipline zu den sichersten unbemannten Luftsystemen weltweit – laut eigenen Angaben liegt die Fehlerquote unter 0,01 Prozent.

Für viele afrikanische Länder bedeutet die Technologie mehr als nur Effizienz: Sie schafft Zugang zu medizinischer Versorgung, wo Straßenlogistik scheitert. Blutspenden erreichen Krankenhäuser innerhalb von Minuten, Impfstoffe bleiben durch ununterbrochene Kühlketten stabil, und entlegene Dörfer werden erstmals regelmäßig versorgt. In Ghana ist Zipline inzwischen Teil der nationalen Gesundheitsinfrastruktur, unterstützt vom Gesundheitsministerium und der WHO.

Trotz aller Erfolge bleibt der Betrieb komplex: Jede Route erfordert Genehmigungen, Wetterdaten, Wartungszyklen und eine Infrastruktur aus Lade- und Landestationen. Zipline zeigt, dass Technologie dann am stärksten wirkt, wenn sie nicht nur auf Effizienz, sondern auf Wirkung ausgelegt ist. Die Zukunft der Logistik beginnt dort, wo sie Leben rettet. (sb)

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