China-Förderung für Nutzung von Openclaw Lokale KI-Agenten in China: Openclaw-Hype trifft auf Sicherheitsbedenken 

Von Henrik Bork 5 min Lesedauer

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KI-Agenten auf dem eigenen Rechner statt in der Cloud, das entwickelt sich in China gerade zum Massenphänomen. Das Open-Source-Framework Openclaw sorgt für Hype bei Tech-Enthusiasten und Alltagsnutzern, und wirft neue Fragen zur praktischen und sicheren Nutzung von KI auf.

Openclaw begeistert KI-Communitys.(Bild:  Openclaw.ai)
Openclaw begeistert KI-Communitys.
(Bild: Openclaw.ai)

Vor dem Hauptsitz von Tencent in Shenzhen hat sich im März 2026 eine lange Schlange gebildet. Fast tausend Menschen sind gekommen, weil der Technologiekonzern kostenlose Hilfe bei der Installation von Openclaw von Peter Steinberger angeboten hat. OpenClaw, das Open-Source-Framework zum Nutzen von KI-Modellen und -Agenten auf der eigenen Festplatte, hat in China einen mittelprächtigen Hype ausgelöst.

„Hummer züchten“, auf Chinesisch „yang longxia“, in Anspielung auf die rote Hummerschere im Logo des KI-Tools, ist in China in kürzester Zeit zu einer Art Volkssport geworden. Nicht nur KI-Ingenieure und Programmierer, Studenten, und Rentner stehen geduldig Schlange. Auch viele Hausfrauen sind gekommen, über die sich das chinesische Tech-Portal Taimeiti prompt lustig machte.

„Also wirklich, dama!“ schreibt TMT, das sei doch keine Schlange, wo kostenlose Eier verteilt würden. Dama heißt auf Chinesisch so viel wie „Tante mittleren Alters“. Der Ausdruck ist nicht wirklich bösartig, aber auch nicht nett. Die wüssten ja nicht mal, was Node.js sei, schrieb der Autor.

Drinnen helfen Ingenieure aus der Cloud-Sparte von Tencent mit der Installation von Openclaw. Der KI-Agent kann dann auf die E-Mails, die lokalen Dateien oder den Kalender der Nutzer zugreifen und mithilfe eines lokal gespeicherten LLM zu automatisierten Workflows kombinieren.

Hummer fürs Volk

Tencent richtet solche „Hummer-Installationszentren“ gerade nach und nach in 17 chinesischen Städten ein. Auch bei der chinesischen Search-Firma Baidu und vielen anderen Unternehmen gibt es solche Aktionen. Wer nicht Schlange stehen will, kann sich einen Bastler nach Hause kommen lassen. Ab 500 Yuan (rund 63 Euro) ist dieser Service zu haben. Allerdings schwanken die Preise sehr. Ein Programmierer, der das Potenzial dieser Hausbesuche gerade voll ausschöpft, soll innerhalb weniger Tage umgerechnet 30.000 Euro verdient haben.

Einige, die hinterher kalte Füße bekommen haben, weil der KI-Agent Zugriff auf ihr gesamtes digitales Leben hat, bezahlen inzwischen auch wieder fürs Deinstallieren. Der österreichische Programmierer Peter Steinberger hatte Openclaw im November 2025 auf GitHub veröffentlicht. Die Software wurde weltweit vielfach heruntergeladen. Steinberger ist inzwischen von OpenAI eingestellt worden. In China ist er berühmt.

Chinas große Technologiekonzerne haben sich dem Trend angeschlossen. Tencent hilft nicht nur kostenlos bei der Installation des Openclaw-Originals, sondern hat auch QClaw herausgebracht, eine selbst entwickelte, ähnliche Anwendung. Minimax hat Maxclaw vorgestellt, Moonshot AI hat Kimiclaw präsentiert. Alibaba hat Copaw entwickelt. Tencents „QClaw“ aber hat ein wichtiges Plus. Es lässt sich mit WeChat verbinden, der in China allgegenwärtigen Super-App für Nachrichten, Zahlungen, Chats, Essensbestellungen und mehr.

Der Hype ist real

Auch Chinas Lokalregierungen surfen inzwischen auf der Openclaw-Welle. In mehreren größeren Städten werden Förderprogramme aufgelegt. Wer mithilfe von Openclaw eine „OPC“ gründet, also eine „One Person Company“, der bekommt Zuschüsse.

Das Kalkül: Ein einzelner Gründer oder eine Gründerin sind genug für ein solches Ein-Personen-Unternehmen. Mit dem KI-Agenten im „Hummer“ und einer Festplatte kann man Produktentwicklung, Betrieb und Vermarktung ganz alleine stemmen. Die Städte und Gemeinden, von denen viele verschuldet sind, hoffen auf eine Belebung ihrer lokalen Wirtschaft.

Der Bezirk Longgang in Shenzhen hat am 7. März einen offiziellen Maßnahmenkatalog mit Zuschüssen von bis zu zwei Millionen Yuan, also rund 250.000 Euro, für Startups auf der Basis von Openclaw veröffentlicht. Hinzu kommen digitale Gutscheine für bis zu 40 Prozent der Investitionskosten und Zugang zu Investoren. Neue OPCs erhalten auch drei Monate lang kostenlose „Tokens“ für ihre KI-Rechner sowie vergünstigte Büroräume.

Wuxi in der Provinz Jiangsu geht noch weiter. Die Stadt hat einen Zwölf-Punkte-Plan beschlossen. Für Durchbrüche in Robotik oder verkörperter KI auf Basis von Openclaw-Frameworks sind Projektzuschüsse von bis zu fünf Millionen Yuan (rund 630.000 Euro) vorgesehen, für industrielle Anwendungen wie vorausschauende Wartung oder Qualitätskontrolle 500.000 Yuan.

Der Bezirk Xuhui in Shanghai will Ende März einen „Super-Unternehmer-Wettbewerb“ unter dem Motto Openclaw veranstalten. „OPCs werden ein langfristiger Trend sein“, zitiert die Nachrichtenagentur Xinhua Ding Hong, ein Mitglied der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Wo sonst könnten schon ganz normale Menschen ohne Programmierkenntnisse nützliche Apps entwickeln?

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Gefährliches Multitalent?

Dem obersten Wächter für Cybersicherheit in Peking ist der ganze Hummer-Boom ein wenig suspekt. CNCERT, also das „National Computer Network Emergency Response Technical Team Coordination Center of China“, hat innerhalb einer Woche zwei Warnungen veröffentlicht. Openclaw erhalte sehr viele sicherheitsrelevante Rechte, schreiben sie. Dazu zählen der Zugriff auf das lokale Dateisystem der Nutzer, das Auslesen von Umgebungsvariablen, der Aufruf externer APIs und die Erlaubnis, Erweiterungen zu installieren.

Angreifer könnten Schwachstellen ausnutzen und leicht die volle Kontrolle über das System erlangen. CNCERT untersteht direkt der Cyberspace Administration of China (CAC), der mächtigsten Datensicherheitsbehörde der Zentralregierung. Regierungsbehörden und Staatsunternehmen sollen inzwischen davor gewarnt worden sein, Openclaw auf Arbeitsgeräten zu erlauben, berichtete Bloomberg.

Damit es wirklich nützlich sei, brauche Openclaw viele Kennwörter und so gut wie alle privaten Dateien, schreibt Xie Xin, ein Software-Entwickler, auf seinem WeChat-Konto. Wenn es zu einem Missbrauch komme, sei das bei privaten Nutzern vielleicht bisher nicht so schlimm, denkt er. „Wenn in einem Unternehmen etwas schiefgeht, könnten Dateien gelöscht oder Daten geleakt werden“, schreibt er dagegen.

Der Unterschied zu vielen anderen Ländern ist jedoch, dass in China solche Bedenken und Sicherheitsrisiken zwar diskutiert, neue Technologien und ihre Anwendung in der Praxis aber dennoch begeistert begrüßt werden. Man reguliert und justiert nach, aber man kann nicht abgeschreckt werden.

Was dennoch möglicherweise nicht lange andauern werde, sei die „landesweite Hummer-Euphorie“, kommentiert Taimeiti. Oft legten sich solche Hypes nach kurzer Zeit wieder. Viele Menschen installierten Openclaw nicht, weil sie wirklich einen Assistenten bräuchten, der Tickets bucht oder Tabellen sortiert. Sie fürchteten bloß, etwas zu verpassen.

„Was die Menschen da hochladen, sind nicht wirklich 'Hummer', sondern ein kleines Stück Kontrolle über ihre FOMO, also ihre Angst, etwas zu verpassen“, so der leicht säuerliche Kommentar. Auf der positiven Seite sei festzuhalten, dass Openclaw die Kenntnisse über künstliche Intelligenz in der chinesischen Gesellschaft gerade stark fördere. Viele hätten bis vor Kurzem gar nicht gewusst, was ein großes Sprachmodell (LLM) sei. Jetzt spielen sie zu Hause damit. Der Hype, wie lange er auch immer anhalte, werde „die Entwicklung heimischer Hummer-Technologien und damit verbundener Industrien vorantreiben“, schreibt TMT. (sb)

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