Seit gut zwei Jahren agiert Ledvance als eigenständiges Unternehmen im internationalen Beleuchtungsmarkt. Mit einer eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung will das Unternehmen den globalen Markt der Allgemeinbeleuchtung erobern.
Forschung und Entwicklung sind zwingend notwendig, wenn man als LED-Lampenhersteller überleben will. Erol Kirilmaz, Chief Sales & Marketing Officer und gleichzeitig einer der drei Geschäftsführer von Ledvance.
(Bild: Ledvance)
Sei dem 1. Juli 2016 ist das Lampengeschäft von Osram unter dem Markennamen Ledvance eigenständig. Ein knappes Jahr später erwarb ein chinesisches Konsortium um den chinesischen LED-Spezialisten MLS für 500 Mio. Euro die Osram-Tochter [1]. Nach der Übernahme begann für Ledvance eine ungewissen Zukunft. Nach Angaben des Unternehmens sollten rund 1300 der etwa 2300 Stellen in Deutschland wegfallen [2]. Um auf dem hart umkämpften Markt der LED-Beleuchtung bestehen zu können, ist es wichtig, mehr als nur Leuchten auf den Markt zu bringen. Die ELEKTRONIKPRAXIS sprach mit Erol Kirilmaz, Chief Sales & Marketing Officer und gleichzeitig einer der drei Geschäftsführer von Ledvance.
Herr Kirilmaz, mit der Trennung von Osram geht Ledvance jetzt eigene Wege. Wo sehen Sie Ihr Unternehmen mittel-/langfristig am Leuchtenmarkt positioniert?
Zunächst einmal muss man sich vergegenwärtigen, dass wir in diesem für uns so wichtigen Zukunftsmarkt erst seit rund zwei Jahren aktiv sind. In dieser kurzen Zeitspanne sind wir gemessen am Umsatz in die Top 10 der europäischen Leuchtenanbieter vorgerückt und wollen bis 2020 unter den Top fünf in Europa und den Top zehn weltweit sein.
Dazu müssen wir konsequent den Weg weitergehen, den wir vor zwei Jahren begonnen haben. Damals haben wir ein erstes Basisportfolio an qualitativ hochwertigen, anschlussfertigen LED-Leuchten auf den Markt gebracht, wie sie in vielen Standardanwendungen gebraucht werden. Die Resonanz am Markt war hervorragend, weshalb wir unser Angebot massiv ausgebaut haben. In welche Richtung wir uns weiterentwickelt haben, konnte man zuletzt bei der Light + Building 2018 in Frankfurt sehen. Wir bieten die gesamte Bandbreite an Leuchten an – von analog bis vernetzt und von Standardanwendungen bis hin zu sehr spezifischen Einsatzszenarien für Büros, in der Produktion, in Shops oder in der Notbeleuchtung. Mit anderen Worten: Wir gehen mit vollem Tempo in Richtung Vollsortimenter. Bei den Leuchten für Lichtprofis, die wir über den Großhandel vertreiben, verwenden wir ab Sommer in Europa Ledvance auch als Produktmarke.
Nur Leuchten für den Markt zu bauen reicht nicht aus. Moderne Leuchten sind vernetzt und intelligent. Wie sichert Ledvance die Entwicklung/Forschung ab?
Vernetzt und intelligent sind zwei entscheidende Stichworte. Bei diesem Thema bauen viele Kunden derzeit noch stark auf DALI-Lösungen. Hierfür haben wir eine Vielzahl von Leuchten in unserem Sortiment. Natürlich geht der Trend aber schnell in Richtung drahtlose Vernetzung und Steuerung. Beispielsweise sind wir hier mit unseren SubstiTube Connected bereits erfolgreich. Hierbei handelt es sind smarte LED-Röhren, die via ZigBee miteinander kommunizieren und mithilfe von Sensoren in Gruppen gesteuert werden können.
Ein weiteres Beispiel sind die modular erweiterbaren High-Bay-Leuchten, die über Bluetooth Low Energy mit der App Casambi gesteuert wird. Das Feedback zu diesem Prototyp war durchweg positiv. Um viele solcher Produkte schnell auf den Markt zu bringen, werden wir gerade für unser Leuchtensegment kräftig in unsere Forschung und Entwicklung investieren.
Ein in dem Zusammenhang nicht zu vernachlässigender Aspekt und wichtiger Bestandteil ist das Design. Hier haben wir für unsere professionellen Leuchten in unserem deutschen Designcenter eine neue Formsprache für unsere Profi-Leuchten entwickelt. Das Design ist edel und minimalistisch, schafft einen hohen Wiedererkennungswert und wird bei einer wachsenden Zahl an Produkten zu sehen sein.
Auf dem Leuchtenmarkt ist eines der Hauptthemen aktuell Human Centric Lighting. Wie ist bei Ihnen der aktuelle Entwicklungsstand und was planen Sie für die Zukunft?
Die biologische Wirkung von Licht zu nutzen, um den Tag-Nacht-Rhythmus zu unterstützen, Wohlbefinden zu steigern oder auch Konzentration zu fördern, birgt ein Riesenpotenzial und ist einer unserer Schwerpunkte in der Forschung und Entwicklung. In puncto Marktdurchdringung steht Human Centric Lighting aber noch am Anfang und ist noch nicht in der Allgemeinbeleuchtung angekommen. Wir wollen einer der Treiber sein, dass Human Centric Lighting Teil der Beleuchtung in unserem Alltag wird - egal ob zuhause, im Büro, in der Schule oder in der Werkshalle. Unsere HCL-Lösungen werden sich demnach leicht in bestehende Lichtinstallationen einbinden lassen, hoch automatisiert sein und zugleich intuitive, manuelle Eingriffsmöglichkeiten bieten.
Eine mögliche Umsetzung zeigt ein Prototyp in Form eines intelligenten Lichtschalters, der drahtlos über ZigBee mit Deckenleuchten in einem Büroraum verbunden ist. Der Clou: Der Schalter sorgt vollautomatisch abhängig von Ort und Tageszeit dafür, dass das künstliche Licht dem natürlichen Tageslichtverlauf nachempfunden wird. Gleichzeitig bietet er die Möglichkeit, bestimmte Lichtmodi für kreatives Arbeiten über einen Drehschalter einzustellen.
Stand: 08.12.2025
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Auch die Kundenwünsche und Geschäftsmodelle in der LED-Beleuchtungsbranche ändern sich. Wie stellen Sie sich mit Ihren Produkten und Unternehmen für die Zukunft auf?
Mit unseren Niederlassungen in 50 und Vertriebsaktivitäten in mehr als 140 Ländern, mit unseren Forschungs- und Entwicklungszentren in Europa, Asien und Amerika sind wir eines von nur noch zwei wirklich global aufgestellten Allgemeinbeleuchtungsunternehmen. Unter anderem für sie wollen wir uns mit unseren LED-Lichtprodukten so breit aufstellen, dass sie von uns alles aus einer Hand beziehen können. Wir wollen der Partner des Vertrauens sein für unsere Kunden im Groß- und Einzelhandel sowie im eCommerce. Ein Werkzeug dafür ist Service. Hier ist in Zukunft vieles denkbar, beispielsweise im Bereich Light as a Service. Im Gegensatz zu vielen unserer Mitbewerber fokussieren wir uns insofern weiterhin und auf absehbare Zeit auf das, was wir seit hundert Jahren im globalen Maßstab mit am besten können: Allgemeinbeleuchtung. Denn wir sehen da noch enormes Potenzial.
Werfen Sie doch einen kurzen Blick auf die nächsten fünf Jahre: Wo sehen Sie hier Ihr Unternehmen und wo die Beleuchtungsbranche? Welche Entwicklungen werden Sie erwarten?
Die Konsolidierung in der globalen Lichtbranche wird über die nächsten Jahre mit noch größerer Vehemenz voranschreiten. Wir werden dabei im positiven Sinne eine sehr aktive Rolle einnehmen. Insofern bin ich überzeugt davon, dass wir in fünf Jahren unserem Ziel, nämlich das weltweit führende LED-Allgemeinbeleuchtungsunternehmen zu werden, ein großes Stück näher gekommen sein werden.