Wärmemanagement

Kompaktere Antriebe durch integrierte Kühlkörper

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Möglichkeiten zur thermischen Optimierung

Mit diesem Wert, den Verlustleistungen im Nennpunkt und der maximal zulässigen Umgebungstemperatur wurde die „Zielgröße“ der thermischen Optimierung, der thermische Kühlkörperwiderstand Rth,KK auf 0,3 K/W abgeschätzt. Hiermit kann die eigentliche Arbeit beginnen, die Optimierung der Kühlkörpergeometrie und der Luftführung.

Durch einen Radiallüfter wird die Kühlluft beschleunigt und über die Lüfterhaube auf den integrierten Kühlkörper geleitet. Dahinter wird mit ihr die elektrische Maschine gekühlt, bevor sie am vorderen Lagerschild wieder aus dem Antrieb austritt. Der thermische Kühlkörperwiderstand wird im Wesentlichen bestimmt durch:

  • Verteilung der Strömungsgeschwindigkeit: Eine möglichst gleichmäßige Verteilung über die einzelnen Kühlrippen ist das Ziel, denn nur von Luft durchströmte Kühlrippen können Wärme abführen.
  • Art der Strömung: Mit turbulenten Strömungen können höhere Wärmeübergangskoeffizienten erreicht werden als mit laminaren, sie sind somit anzustreben.
  • Oberfläche und Form der Kühlrippen: Durch eine feinere Verrippung entsteht eine größere Oberfläche, jedoch entsteht auch ein höherer Strömungswiderstand. Im Zweifelsfall sollte die Optimierung mit der feinsten Verrippung begonnen werden, die fertigungstechnisch möglich ist.

Drei Vorgehensweisen sind möglich

Bild 4 zeigt drei mögliche Wege zur Ermittlung des thermischen Kühlkörper-Widerstandes Rth,KK. Doch wie geeignet sind diese Wege und welche Probleme lauern bei ihrer Durchführung?

Weg A: 3-D-Strömungssimulation: Im Bereich der Leistungselektronik verbreitete 2 ½ D CFD (Computational Fluid Dynamics, numerische Strömungsmechanik) Software mit automatisierter, strukturierter Vernetzung (beispielsweise ANSYS ICEPak, Cradle HeatDesigner oder Mentor Graphics FloTHERM) ist zur Optimierung von planaren Geometrien wie bestückten Leiterkarten konzipiert. Die komplexe Luftführung der hier untersuchten Antriebe konnte nicht erfolgreich nachgebildet werden. Hierzu wäre eine 3-D-Strömungssimulation mit unstrukturierter Vernetzung erforderlich, welche ein manuell vorbereitetes (vernetztes) Modell und eine hohe Rechenleistung erfordern.

Weg B: indirekte Messung: Anstatt die Strömung zu simulieren kann sie auch an einer Attrappe gemessen werden. Dazu wird das Gehäuse des hochintegrierten Antriebes aufgebaut, Bild 5 oben links. Dabei ist nur der Lüfter funktional. Der orange dargestellte Kühlkörper stammt aus dem 3-D-Drucker. Hierbei ist eine glatte Oberfläche wichtig, wodurch Pulverdrucker eher geeignet sind als Extrusionsdrucker. Mit einer Hitzkopfsonde wurde die Strömungsgeschwindigkeit gemessen und hierüber die Wärmeübergangskoeffizienten der Kühlrippen analytisch berechnet. Die hierfür notwendigen Formeln sind beispielsweise im VDI-Wärmeatlas zu finden. Damit war die Basis für die nachfolgend durchgeführte thermische FEM Simulation geschaffen.

Weg C: Direkte Messung: Konnte für Weg B ein Kühlkörper aus dem 3-D-Drucker verwendet werden, so ist bei Weg C ein funktionaler Kühlkörper notwendig. Dieser ist aus Vollmaterial herzustellen. Anstatt der Strömungsgeschwindigkeit werden jetzt stationäre Temperaturen gemessen. Die Leistungshalbleiter wurden durch Heizwiderstände substituiert, da ihre Heizleistung exakt reguliert werden kann und zum Zeitpunkt der Versuche noch keine funktionsfähige Leistungselektronik existierte.

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