Lesetipp Kaufst du noch oder reparierst du schon?
Reparieren macht glücklich – das sagt zumindest Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums. Mit Tipps, Informationen und Beispielen motiviert er uns dazu, Kleber, Schraubendreher oder die Nähmaschine aus dem Keller zu holen und selber Hand anzulegen.

10.000 Jahre war das Reparieren kaputter Gegenstände der Normalfall; sie wegzuwerfen, hat sich erst vor 40 Jahren etabliert. Wie wir der Wegwerfgesellschaft entkommen und gleichzeitig Ressourcen schonen, zeigt uns Wolfgang Heckl im seinem Buch "Die Kultur der Reparatur".
Unterhaltsam geschrieben und anhand verschiedenster Beispiele – vom Klinkenstecker im MacBook, über die Toilettenspülung, bis zum Oldtimer-Motorrad – bringt uns der Pragmatiker seine Leidenschaft fürs Reparieren näher. Natürlich kann nicht jeder alles reparieren, aber zumindest sollte man es versuchen. Denn reparieren lohnt sich – auch wenn wir oft das Gegenteil zu hören bekommen.
Der Lohn der Reparatur
Im Kapitel "Der Lohn der Reparatur" berichtet Heckl, wie gewinnbringend gerade das gemeinschaftliche Reparieren sein kann. Auch er selbst hat sich immer wieder Hilfe bei Freunden und Bekannten geholt – und wird das auch weiterhin tun. Er bezeichnet seine Reparaturbiografie als "Learning by doing mit Fremdhilfe". Und wer keine Freunde hat, die handwerklich begabt sind, dem empfiehlt der Autor Reparatur-Treffs in so genannten Repair-Cafés. So kann Reparieren zu einem sozialen Event werden.
Heckl sieht den Prozess der Reparatur als kreativen, geistigen Prozess: Erst muss die Ursache des Fehlers gefunden werden, dann muss man sich eine Strategie zurechtlegen (Wie Zerlege ich das Gerät? Woher bekomme ich die Ersatzteile?) – und dabei muss das Gerät verstanden werden.
Mehr als 31 Dinge hat Heckl in seinem Urlaub repariert, jeden Tag mindestens eins. Anhand dieser Liste will er uns zeigen, wie viele kleine Defekte im Haushalt selbst zu reparieren sind und wie breit die Palette ist. Auch wenn die Reparatur nicht erfolgreich ist, kann die dabei gesammelte Erfahrung auf alle möglichen anderen Bereiche übertragen werden. Und ist die Reparatur erfolgreich, wird man durch das Erfolgserlebnis zu neuen Taten angespornt.
Heckl weiß, dass nicht jeder ein begnadeter Bastler ist. Das muss auch nicht sein, denn zur Kultur der Reparatur zählt er auch "Buy local", das Teilen und Tauschen von Produkten sowie Gegenstände professionell reparieren zu lassen um sie so lange wie möglich nutzen zu können. Eine hilfreiche Auswahl an regionalen Angeboten zur Reparatur, zu Sharing und zu Tauschbörsen sowie zu Online-Angeboten findet der Leser im Anhang.
Das Buch "Die Kultur der Reparatur" ist empfehlenswert für alle, die einen Weg aus der Wegwerfgesellschaft suchen, jedoch noch nicht gefunden haben. Aber auch für diejenigen, für die sich eine Reparatur (noch) nicht lohnt.
Buchtitel bei Randomhouse: Wolfgang Heckl: Die Kultur der Reparatur. Goldmann Verlag, 208 Seiten, 8,99 Euro. Taschenbuch: ISBN: 978-3-442-17483-6
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