Anbieter zum Thema
Elektroautos werden in zehn Jahren als Sekundärrohstoffquelle dienen
Recycling könnte ein Weg sein, sich zumindest etwas unabhängiger von China zu machen. Bereits jetzt werden die alten magnetischen Festplatten in Computern durch sogenannte Solid-State-Drives ersetzt. Und die ersten Elektroautos dürften in zehn Jahren das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben – und dann als wertvolle Sekundärrohstoffquellen dienen. „Rohstoffimporte werden sonst zu teuer und eine langfristige Versorgung ist nicht sichergestellt“, sagt der Institutsleiter für Partikeltechnik an der Technischen Universität Braunschweig, Arno Kwade.
Auch unter Umweltaspekten gibt es allen Grund zur Wiederverwertung bereits vorhandener Rohstoffe. Nach Angaben des Öko-Instituts fallen beim Abbau Seltener Erden „sehr große Mengen an Rückständen an, die giftige Abfälle enthalten“. Die Lagerstätten enthielten zudem radioaktive Materialien. Nicht zu vergessen sind die Emissionen, die beim Transport der jährlich rund 130 000 weltweit geförderten Tonnen Seltener Erden anfallen.
Doch trotz all dieser Anreize steckt das Recycling Seltener Erden in Deutschland und Europa noch in den Kinderschuhen. Eine von der Politik vorgegebene Wiederverwertungsquote gibt es nicht - vielleicht auch, weil es noch zu früh ist: „Noch gibt es in Europa kein Recycling von Seltenerdmetallen, weil die Mengen zu klein sind und Recyclinganlagen fehlen“, sagt die stellvertretende Bereichsleiterin Ressourcen & Mobilität beim Öko-Institut, Doris Schüler. Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission ergab, dass die Recyclingquote für Lanthan und Cer bei alten Batterien unter einem Prozent liegt.
Bereits Anfang 2011 stellte das Öko-Institut einen Acht-Punkte-Plan für eine effiziente Wiederverwertung von Seltenen Erden auf. Der sah unter anderem vor, recycelbare Pilotprodukte zu identifizieren und ein Sammel- und Vorbehandlungssystem aufzubauen. „Wenn wir jetzt beginnen, können wir ein effizientes europäisches Recycling-System für Seltene Erden in fünf bis zehn Jahren umsetzen“, heißt es in dem Plan. Rund sieben Jahre nach der Veröffentlichung des Papiers ist bislang nur wenig passiert.
Aufwand des Recyclings zu hoch – Gewinne zu niedrig
Ein weiteres Hindernis ist die Komplexität, mit der die Elemente verbaut werden: „Weil Seltene Erden in Smartphones so verdünnt zum Einsatz kommen, ist der Aufwand zur Wiedergewinnung viel zu hoch“, sagt Marcel Weil vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Zudem komme es dabei zu sogenannten dissipativen Verlusten - die Elemente entweichen in die Umwelt und können kaum wiedergewonnen werden. Weil glaubt, die Wirtschaft greife das Thema Recycling nur dann auf, wenn es Regularien gebe und Unternehmen damit Geld verdienen könnten.
Genau das ist noch weit entfernt: Angesichts der aktuell niedrigen Preise ist es für Firmen lukrativer, Seltenerdmetalle nicht wiederzugewinnen, sondern neu einzukaufen. „Die Preise für Seltene Erden müssten deutlich steigen, damit sich ein Recycling lohnt“, betont das BGR.
Dass sich die Rohstoffrückgewinnung beim derzeitigen Preisniveau kaum rechne, weiß VDM-Hauptgeschäftsführer Schmitz: „Es ist wahnsinnig teuer, Recyclingtechnologie für Seltene Erden zu entwickeln.“ Unternehmen scheuten sich vor Investitionen, weil sie nicht wüssten, ob die Technologie in fünf Jahren nicht schon überholt sei.
Im Oktober läuft die Förderung für das Recycling-Projekt der TU Clausthal aus. Derzeit könne nur ein Teil der Seltenen Erden aus Abfällen wiedergewonnen werden. Klar seien 100 Prozent Recyclingquote wünschenswert, sagt Schwarz. „Aber vermutlich sind je nach Altprodukt und Aufbereitungsverfahren 70 bis 80 Prozent bezogen auf die Ausgangsmasse realistischer.“
Noch sei das Verfahren nicht wirtschaftlich umsetzbar, räumt Schwarz ein. Natürlich wolle man die Forschung auch in der Industrie einsetzen. Dazu müsse aber vor allem die Menge an Abfall steigen, die für ein Recycling zur Verfügung steht. Zudem müsse weiter geforscht werden.
Alt-Akkus können nützlich weiterverwendet werden
Batterie-Recycling – Das zweite Leben der Zellen
(ID:45268577)