Eine Studie zeigt, dass UVC-Strahlung verschiedene Kabel-Kunststoffe schädigt. Für die Hersteller und Nutzer von UVC-Desinfektionsgeräten heißt das: Sie müssen ihre Kabel sehr sorgfältig auswählen.
Lebensdauertest von Kabeln: UVC-Strahlung lässt Kabel schnell altern.
(Bild: Lapp)
Sie gelten als Hoffnungsträger für einen geregelten Unterricht in Corona-Zeiten: Luftreiniger mit UVC-Technologie. Sie arbeiten mit ultravioletter Strahlung besonders kurzer Wellenlänge von 280 bis 100 Nanometer, die das Erbgut von Viren, Bakterien und Schimmelsporen zerstört.
Die Industrie setzt sie ein, um Produkte oder Oberflächen ohne Chemikalien zu desinfizieren, etwa in der Trinkwasseraufbereitung oder in der Lebensmittelindustrie. Neuerdings vermehrt auch in Luftreinigern oder UVC-Reinigungsrobotern, die Corona-Viren eliminieren.
Ganz ungefährlich ist das Desinfizieren per künstlich erzeugtem Licht allerdings nicht. Die kurzwellige UVC-Strahlung ist gesundheitsschädlich für Augen, Haut sowie Erbsubstanz. Die natürliche UVC-Strahlung, die von der Sonne kommt, wird von der Atmosphäre geblockt.
Aber wie ist das mit Förderbändern, Handläufen von Rolltreppen, Fitnessstudio-Equipment, Zugwaggons, Kinos, Gaststätten, Lagerhallen, öffentlichen Wartebereichen, Aufzügen oder Büro-Räumen, die jetzt künstlich bestrahlt werden? Die Anwender fragen sich, ob vor allem Kunststoffe der Behandlung mit der energiereichen Strahlung widerstehen.
Seit Ende 2020 verzeichnet Lapp vermehrt Anfragen zur Haltbarkeit von Kabeln und Leitungen unter UVC-Strahlung. Die Experten aus Stuttgart mussten zunächst passen: Über die Wirkung von UVC vor allem auf Kunststoffe in Leitungsmänteln ist erstaunlich wenig bekannt.
Das hat mehrere Gründe: Zum einen gab es bisher keinen Bedarf auf dem Markt nach Produktlösungen, die speziell für UVC-Strahlung ausgelegt sind. Stattdessen haben Anwender Leitungsprodukte geordert, die zumindest nach ISO 4892 UV-beständig sind. Diese Bewitterungsprüfung testet aber nur auf UVA- und UVB-Strahlung, wie sie unter freiem Himmel vorkommt.
Ob diese Prüfung auch belastbare Aussagen für die energiereichere UVC-Strahlung liefert, wurde nicht nachgefragt und konnte mangels Erfahrung auch nicht bestätigt werden.
Gibt es standardisierte Alterungstests für Kabel?
Zum anderen gibt es bisher keinen brauchbaren standardisierten Test, der die Alterung von Kabeln und Leitungen unter UVC-Strahlung prüft. Ebenso gab es bis vor Kurzem auf dem Markt so gut wie keine geeigneten Prüfgeräte, die die gewünschten Testanforderungen zufriedenstellend simulieren konnten. Bezüglich der Wirkungen von UVC-Strahlung auf die Alterung von Isolier- und Mantelkunststoffen tappte man also ziemlich im Dunkeln.
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wurde das Projekt ULTRAFOS-C 254 gestartet. Die Zahl steht dabei für die Wellenlänge, mit der Desinfektionsgeräte üblicherweise arbeiten.
UVC-Strahlung mit 254 nm tötet Keime am besten ab. Mangels standardisierter Prüfnorm hat das Labor eine Prüfprozedur entwickelt, bei der Kabel- und Leitungswerkstoffe über mehrere Wochen UVC-Strahlung dieser Wellenlänge und mit hoher Intensität ausgesetzt werden. Es zeigte sich, dass man die Resultate der bisher marktüblichen UV-Prüfungen nach ISO 4892 nicht auf UVC-Anwendungen übertragen kann.
Testergebnisse UVC-Strahlung: Viele Mantelwerkstoffe sind ungeeignet
Geprüft wurden 200 Probekörper von verschiedenen ÖLFLEX-Standardleitungen mit unterschiedlichen Mantelmaterialien: PVC, PUR, TPE ROBUST, elektronenstrahlvernetzte Compounds sowie halogenfreie Mischungen, jeweils unterschiedlicher Farben.
Nach mehreren Wochen intensiver Bestrahlung wurden in einem Zugprüfgerät die Reißfestigkeit und die Dehnungswerte bestimmt sowie unterschiedliche analytische Messungen mit Hilfe von Röntgenfluoreszenz- und IR-Spektrometrie an den Materialien durchgeführt.
Bei fast allen Prüflingen kam es zu erheblichen Veränderungen sowohl optisch durch starke Farb- und Oberflächenabweichungen als auch bei den mechanischen Eigenschaften. Manche dünsteten Weichmacher aus oder Additive für den Flammschutz, einige rochen unangenehm, viele wurden spröde und brachen beim Biegen. Selbst Kabel mit strahlenvernetztem Mantel, die unter anderem auch für eine hohe UV-Beständigkeit entwickelt wurden, schnitten bei der Prüfung nicht gut ab.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Bild 1: Bei fast allen Kabeln kam es zu erheblichen Veränderungen beim Kabeltest sowohl optisch durch starke Farb- und Oberflächenabweichungen als auch bei den mechanischen Eigenschaften. Alle Kabeltypen aus der ROBUST-Serie haben den Test bestanden.
(Bild: Lapp)
Die gute Nachricht: Sämtliche Kabeltypen aus der ROBUST-Serie haben den Test bestanden. Unter diesem Namen fasst das Unternehmen Leitungsprodukte aus den Bereichen ÖLFLEX, UNITRONIC und ETHERLINE zusammen, die sich besonders für den Kontakt mit Bioölen eignen.
Entwickelt wurde das Mantelmaterial ursprünglich vor 25 Jahren, nachdem in den 1990er Jahren der Gesetzgeber vermehrt den Ersatz von Mineralölen durch umweltverträglichere Bioöle forciert hat. Auch damals dachte man, dass Kunststoffe, die Mineralöle aushalten, auch gegen Bioöle immun sind.
Die richtigen Additive
Das war ein Irrtum. Ähnlich verhält es sich nun auch bei desinfizierender UVC-Strahlung im Vergleich zu UVA- bzw. UVB-Strahlung. Das Material bei ROBUST ist durch seinen molekularen Aufbau und durch Additive so ausgelegt, dass ihm Bioöle und auch UVC-Strahlen nichts anhaben können. ROBUST-Kabel gibt es heute in vielen Varianten für Anschluss- und Steuerleitungen sowie Datenleitungen.
Für Kunden, die Leitungslösungen für Anwendungen mit UVC-Strahlung benötigen, besteht erst einmal kein dringender Handlungsbedarf. Sie können mit der ROBUST-Serie viele ihrer Einsatzanforderungen abdecken. Damit profitierten Anwender von längeren Wartungsintervallen und können Produkte für höhere Hygieneanforderungen herstellen.
Das Produktmanagement arbeitet mit den Experten aus dem Labor in Stuttgart an Strategien, wie man weitere Produkte aus dem Portfolio UVC-tauglich machen kann. Dazu braucht es zunächst einen sinnvollen Prüfprozess. Der Test beim Kabelspezialisten aus Stuttgart wurde wie gesagt selbst entwickelt, er folgt keiner Prüfnorm. Deshalb ist es zunächst wichtig, dass überhaupt ein Prüfverfahren vorhanden ist, das vergleichende Tests ermöglicht.
Der Unterschied zwischen UVA/UVB und UVC ist größer als gedacht
Der Stuttgarter Verbindungstechnikspezialist ist damit Vorreiter und wird mit dazu beitragen, einen allgemeingültigen Prüfstandard zu entwickeln. Dann aber nicht nur für Kabel, denn Lapp stellt viele weitere Produkte wie Steckverbinder, Kabelverschraubungen, Schutzschläuche und Führungssysteme oder Kabelmarkierungen her, die möglicherweise ebenfalls von UVC-Strahlung in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.
Eines ist schon jetzt klar: Der Unterschied zwischen UVA/UVB und UVC ist größer als gedacht – es ist mehr als nur ein weiterer Buchstabe im ABC.
* Frank Hörtnagl ist Produktmanager ÖLFLEX bei Lapp in Stuttgart.