200. Todestag von Joseph Fraunhofer Joseph Fraunhofer: Ein Leben zwischen Labor und Werkstatt

Von Antonio Funes 6 min Lesedauer

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2026 jährt sich der Todestag von Joseph Fraunhofer zum 200. Mal. Der gebürtige Straubinger prägte Optik und Astronomie mit präzisen Messmethoden, neuen Glasrezepturen und Instrumentenbau; zugleich steht sein Name bis heute für den Transfer von Wissenschaft in die Anwendung.

Joseph von Fraunhofer brachte uns den Sternen näher. Er gilt als einer der Begründer der modernen Optik und es gelang, Teleskope in einer bis dahin unerreichten Qualität herzustellen. Im Jahr 1814 machte er seine bedeutendste Entdeckung, die später nach ihm benannt wurde – die Fraunhoferlinien. Diese ermöglichen es uns, einen genaueren Blick in den Weltraum zu werfen und zu verstehen, wie Sterne entstehen.(Bild:  KI-generiert)
Joseph von Fraunhofer brachte uns den Sternen näher. Er gilt als einer der Begründer der modernen Optik und es gelang, Teleskope in einer bis dahin unerreichten Qualität herzustellen. Im Jahr 1814 machte er seine bedeutendste Entdeckung, die später nach ihm benannt wurde – die Fraunhoferlinien. Diese ermöglichen es uns, einen genaueren Blick in den Weltraum zu werfen und zu verstehen, wie Sterne entstehen.
(Bild: KI-generiert)

Die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung – kurz einfach nur Fraunhofer – ist ein gemeinnütziger Verein und betreibt anwendungsorientierte Forschung; unter ihrem Dach arbeiten 75 Institute und Forschungseinrichtungen, vor allem in Deutschland, mit internationalen Kooperationen. Im März wird die Fraunhofer ein Schnapszahl-Jubiläum feiern, denn sie wird 77 Jahre alt. Mehr Wissenswertes zur Fraunhofer-Gesellschaft schildern wir in einem separaten Artikel, denn an dieser Stelle geht es um den Namensgeber Joseph von Fraunhofer und sein Leben, dessen Todestag sich am 7. Juni dieses Jahres zum 200. Mal jährt – 2026 steht unter der Schirmherrschaft der UNESCO als Gedenkjahr für Joseph von Fraunhofer.

Wir blicken auf sein Leben zurück, das durch die Verbindung von Wissenschaft und Unternehmertum geprägt war und somit den Grund darstellt, dass man über 120 Jahre nach seinem Tod eine wissenschaftliche Gesellschaft nach ihm benannte. Ein kleiner Hinweis: Da er den Adelstitel erst zwei Jahre vor seinem Tod erhielt, werden wir diesen zunächst nicht verwenden und nur von Joseph Fraunhofer sprechen.

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Kindheit und Jugend

Joseph Fraunhofer wurde am 6. März 1787 im niederbayerischen Straubing geboren, etwa 40 Kilometer östlich von Regensburg. Er war das elfte Kind von Franz Xaver und Anna Maria Fraunhofer. Er verlor beide Eltern im Kindesalter und war mit elf Jahren Waise. Mit zwölf Jahren begann Fraunhofer eine Lehre als Spiegelschleifer, was sein damaliger Vormund in die Wege leitete.

Es folgte ein weiteres Unglück, das sich aber gleichzeitig als glücklicher Zufall entpuppen sollte. Denn im Jahr 1801, als Joseph Fraunhofer 14 Jahre alt war, stürzte das Haus seines Lehrmeisters ein, was er nur knapp überlebte. Nach den Bergungsarbeiten, in deren Rahmen der junge Fraunhofer geborgen wurde, begegnete er Kurfürst Maximilian IV., der fünf Jahre später als Maximilian I. König von Bayern wurde, der Joseph Fraunhofer spontan 18 Dukaten schenkte. Diese reichten aus, damit Fraunhofer sich aus der Lehre kaufen und sich eine eigene Schleif- und Poliermaschine für Glasarbeiten anschaffen konnte.

Ein Unglück ebnet eine Wissenschaftskarriere

Der Vorfall mit dem Gebäudeeinsturz und Joseph Fraunhofers Rettung schlug derart hohe Wellen, dass sich der einflussreiche Unternehmer und Politiker Joseph von Utzschneider für eine schulische Ausbildung Fraunhofers einsetzte. Dies ermöglichte den Besuch der Sonntagsschule. Außerdem konnte er sich mit Literatur aus den Bereichen Mathematik und Optik beschäftigen. 1806 fand Joseph Fraunhofer eine Anstellung als Optiker im angesehenen Münchner Mathematisch-Feinmechanischen Institut, das unter anderem Messgeräte und Geräte für die Geologie und Astronomie entwickelte und verkaufte. Utzschneider war damals als Investor an dem Institut beteiligt.

Ab 1807 arbeitete Fraunhofer in Benediktbeuern in den optischen Werkstätten, aus denen später das Optische Institut hervorging. Dort übernahm der Optiker mit der Zeit immer mehr Verantwortung. Er schrieb seine erste wissenschaftliche Arbeit und wurde schließlich zum Betriebsleiter ernannt. In dieser Position entstanden neue Schleif- und Poliermaschinen für Spiegel und Linsen, neue Glassorten sowie für die Produktion hilfreiche Messmethoden. Dies sorgte dafür, dass ab etwa 1811 deutlich verbesserte Objektive für Fernrohre und Teleskope möglich wurden, und auch bei kleineren linsenbasierten Hilfsmitteln wie Mikroskopen oder Operngläsern waren Fraunhofers Innovationen ein Pluspunkt für die Produkte des Instituts.

In Wissenschaftskreisen ein gefragter Mann

Im Jahr 1814 entdeckte Fraunhofer, der inzwischen zusammen mit Joseph von Utzschneider Teilhaber des Instituts war, dass es im Spektrum des Sonnenlichts Linien gab. Er erfand das Spektroskop, und in der Folge gelang es ihm, den Brechungsindex von Glas mit einer deutlich besseren Genauigkeit zu messen, was zu qualitativ besserem Glas und Linsen führte. Bis 1817 dokumentierte Fraunhofer 574 Sonnenspektrallinien, was er zusammen mit weiteren Erkenntnissen der Königlichen Akademie der Wissenschaften vorlegte, woraufhin er zum korrespondierenden Mitglied der Akademie gewählt wurde.

Die Spektrallinien wurden zwar schon vor Fraunhofer erstmals beobachtet, und zwar im Jahr 1802 vom Engländer William Hyde Wollaston. Da Joseph Fraunhofer die Linien aber einige Jahre später ohne Kenntnis über die Beobachtung von Wollaston entdeckte und als erster genauer erforschte, sind sie inzwischen als Fraunhofer’sche Linien bekannt. Im Jahr 1819 wurde das Optische Institut nach München verlegt, da Joseph von Utzschneider zwischenzeitlich in finanzielle Probleme geriet und bis auf die Glashütte alle Immobilien in Benediktbeuern veräußerte.

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Um einen besseren Kontakt zu Kunden zu haben, kehrte Joseph Fraunhofer ebenfalls nach München zurück und fuhr zur Verwaltung der Glashütte regelmäßig nach Benediktbeuern. In München lockten zudem akademische Ehren, denn in der Königlichen Akademie der Wissenschaften wurde der Name Fraunhofer immer bekannter. Seinen Ruf stärke er durch wissenschaftliche Abhandlungen über Glas und Lichtphänomene, was ihm 1822, im Alter von etwa 35 Jahren, zu einer Ehrendoktorwürde an der Universität Erlangen verhalf. 1823 wurde Joseph Fraunhofer zum vollen Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften erklärt.

Ferngläser für Sternwarten und früher Tod

Das Jahr 1824 war geprägt von der Fertigstellung eines besonders großen Fernrohres, das als Teleskop in der Sternwarte Tartu in Estland diente. Damals hieß die Stadt noch Dorpat und gehörte zu Russland. Verantwortlich für die Sternwarte war zu dieser Zeit der deutsche Astronom Friedrich Georg Wilhelm Struve, der sich unter anderem mit der Beobachtung von Doppelsternen beschäftigte. Die Öffnung des Refraktors betrug 24,4 Zentimeter und galt damals als bahnbrechend groß. Die Brennweite lag bei 4,33 Metern. Schon im Jahr 1814, als sich das Mathematisch Feinmechanische Institut noch in Benediktbeuern befand, hatte Fraunhofer für die Sternwarte Capodimonte, die auf einem Hügel in Neapel steht, einen Äquatorialrefraktor hergestellt, der zur damaligen Zeit als eine Besonderheit galt.

Im August 1824, wurde Joseph Fraunhofer zum Ritter des Verdienstordens der Bayerischen Krone ernannt und konnte somit als Adelstitelträger den Namen Joseph von Fraunhofer verwenden. Zudem ernannte die Stadt München ihn zum Ehrenbürger. Keine zwei Jahre später starb er in München an einer Lungentuberkulose. Sein Todestag war der 7. Juni 1826 und wird sich somit im Jahr 2026 zum 200. Mal jähren. Joseph von Fraunhofer wurde nur 39 Jahre alt. Beerdigt wurde er auf dem Alten Münchner Südfriedhof.

Ehrungen und Fraunhofer-Gesellschaft

Von dem im russischen Dorpat verwendeten Refraktor wurde ein zweites Exemplar hergestellt, das aber erst drei Jahre nach dem Tod von Joseph Fraunhofer fertiggestellt wurde. Es kam in der Berliner Sternwarte zum Einsatz, wo der deutsche Astronom Johann Gottfried Galle im Jahr 1846 den Planeten Neptun entdeckte, den am weitesten von der Sonne entfernten Planeten unseres Sonnensystems. Die Fertigstellung eines von Fraunhofer entwickelten Heliometers für die Sternwarte in Königsberg, dem heutigen russischen Kaliningrad, erlebte er ebenfalls nicht mehr. Mit einem Heliometer misst man in der Astronomie geringe Winkel.

In der Maximilianstraße in München steht seit dem Jahr 1868 ein Denkmal von Joseph von Fraunhofer. Es gibt zudem in vielen Städten Straßen, Plätze und Schulen, die nach ihm benannt wurden, ebenso im Jahr 1935 einen Mondkrater sowie im Jahr 2000 den Asteroiden 13478. Im Kloster Benediktbeuern kann man seit 1963 zudem zwei erhalten gebliebene Schmelzöfen in der als Museum dienenden alten Fraunhofer Glashütte sehen.

Der wissenschaftliche Verdienst von Joseph Fraunhofer war groß – die Hauptinspiration für die Entstehung der Fraunhofer-Gesellschaft war aber vor allem Fraunhofers Art, die Wissenschaft zu nutzen. Denn er verband akribische Forschung mit einer unmittelbaren Umsetzung seiner Erkenntnisse auf praktische Anwendungen. Zu diesem Zweck bündelt die Fraunhofer-Gesellschaft Institute und Forschungseinrichtungen unter einem Dach und arbeitet eng mit Hochschulen und Industrie zusammen. (sb)

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