Rechenzentren im All Jeff Bezos schlägt Rechenzentren für künstliche Intelligenz im Orbit vor

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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Eine visionäre Idee oder eine teure Spinnerei? Jeff Bezos schlägt den Bau von KI-Rechenzentren im Orbit vor. Sein Hauptargument ist die verfügbare Solarenergie sowie die Tatsache, dass es im Orbit keine Störungen durch Nachtzyklen und Wetter gibt.

Ein mögliches KI-Rechenzentrum im Orbit könnte nach Ansicht von Jeff Bezos mit der von Blue Origin entwickelten Rakete New Glenn ins All transportiert werden.(Bild:  Blue Origin)
Ein mögliches KI-Rechenzentrum im Orbit könnte nach Ansicht von Jeff Bezos mit der von Blue Origin entwickelten Rakete New Glenn ins All transportiert werden.
(Bild: Blue Origin)

Jeff Bezos präsentierte auf der Italian Tech Week 2025 seine visionäre Idee: den Bau von gigawattstarken KI-Rechenzentren im Erdorbit, die vollständig mit Solarenergie betrieben werden. Diese könnten kosteneffizienter sein als bodenbasierte Rechenzentren, da sie rund um die Uhr Zugang zu Sonnenenergie haben. Dabei sind sie frei von Störungen durch Nachtzyklen oder Wetter.

Der steigende Energiebedarf durch künstliche Intelligenz

Die Internationale Energieagentur prognostiziert bis 2030 eine Verdopplung des Stromverbrauchs globaler Rechenzentren auf ungefähr 945 Terawattstunden. Der Haupttreiber ist die künstliche Intelligenz, deren leistungsfähige Trainingssysteme immense Energie benötigen. Hier spielt die Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle, da derzeit ein bedeutender Anteil der Energie aus fossilen und nuklearen Quellen stammt.

Der erdnahe Orbit bietet ideale Bedingungen für die kontinuierliche Nutzung von Solarenergie. Das Fehlen von Wolken und Nachtzyklen bedeutet eine stabilere und höhere Energieausbeute. Amazon plant, die notwendige Infrastruktur, inklusive Hardware und Wartungseinheiten, mit Schwerlastraketen wie New Glenn von Blue Origin ins All zu transportieren.

Technische Herausforderungen eines orbitalen Rechenzentrums

  • Wärmeabfuhr und Kühlung: Die Wärmeabfuhr stellt im Vakuum eine erhebliche Herausforderung dar, da lediglich Infrarotstrahlung zur Verfügung steht. Gigawatt-Rechenzentren erfordern daher riesige, komplexe Kühlsysteme mit ausgeklügelten Regelkreisen.
  • Strahlungsschutz und Hardwarealterung: Elektronikkomponenten sind im All intensiver Strahlung ausgesetzt, was zu Bit-Fehlern führen kann. Erfahrungsgemäß zeigen handelsübliche Server trotz Abschirmung auf der ISS Fehlfunktionen, was die Strahlungsresistenz der Hardware zu einem kritischen Punkt macht.
  • Latenz bei Datenübertragung: Die Latenzzeiten zwischen Erde und Orbit variieren aufgrund der Distanz; sie liegen im LEO (erdnaher Orbit) bei 20 bis 40 ms, während sie in geostationären Umlaufbahnen über 600 ms betragen können. Während KI-Trainings und Batchverarbeitung sich eignen, sind Echtzeitanwendungen ausgeschlossen.
  • Automatisierung und Wartung: Autonome Robotik ist entscheidend, da bemannte Einsätze im Orbit hohe Risiken und Kosten bergen. Aktuell befinden sich solche Technologien in Entwicklung, um Wartungsarbeiten weitgehend ohne menschliches Eingreifen zu ermöglichen.

Wirtschaftliche und rechtliche Herausforderungen

Derzeitige Kosten für einen Kilogramm Nutzlast ins All belaufen sich auf etwa 2.000 USD, was große Investitionen erforderlich macht. Neben finanziellen Aspekten sind auch regulatorische Fragen ungelöst, etwa bezüglich Datenschutz, Haftung und der Rückführung von Komponenten (Deorbiting). Ein verbindlicher Rechtsrahmen ist bislang nicht existent.

Diese Entwicklungen bergen erhebliche Herausforderungen, aber auch ein großes Potenzial, die Elektronikentwicklung und IT-Infrastruktur für die Zukunft revolutionieren könnten. (heh)

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