Das taiwanesische Foxconn und weitere Unternehmen erwägen die Produktion von Chips in Indien – und unterstützen damit die Vision des indischen Premiers, ein eigenes Ökosystem für die Halbleiterfertigung in Indien aufzubauen.
Der taiwanesische iPhone-Hersteller Foxconn will verstärkt eigene Chpis entwickeln und fertigen. Unter anderem in Indien will er sich an einem Joint-Venture mit dem indischen Mischkonzern Vedanta für eine Halbleiterproduktion beteiligen.
Foxconn, bekannt als Auftragshersteller für das iPhone von Apple, hat Pläne für die Produktion von Halbleitern in Indien angekündigt. Man habe eine Absichtserklärung für ein Joint-Venture mit dem indischen Mischkonzern Vedanta unterzeichnet, gab Foxconn in Taipeh bekannt. Anil Agarwal, der Vorstandsvorsitzende von Vedanta, werde das neue Gemeinschaftsunternehmen persönlich leiten.
Foxconn wolle 118,7 Millionen US-Dollar (rund 104,8 Millionen Euro) für einen Minderheitsanteil von 40% an dem Joint-Venture ausgeben, hieß es in der Presseerklärung der taiwanesischen Elektronikfirma. Die Mehrheit gehe an Vedanta, den größten Aluminiumproduzenten Indiens, der auch in den Geschäftsbereichen Öl & Gas sowie Telekom aktiv ist.
„Make in India“-Kampagne fruchtet offenbar
Foxconn bezog sich bei der Ankündigung der Chip-Pläne in Indien direkt auf die „Make in India“-Kampagne des indischen Premierministers Narendra Modi, dessen Regierung kürzlich Subventionen für den Ausbau der indischen Halbleiter- und ICT-Industrie beschlossen hat.
„Dieses ‚First-of-its-kind‘-Joint-Venture zwischen den beiden Unternehmen wird die Vision von Indiens Premierminister Narendra Modi unterstützen, ein Ökosystem für die Halbleiterfertigung in Indien aufzubauen,“ heißt es in der Ankündigung von Foxconn.
Auch Indien fördert Aufbau einer eigenen Chipindustrie
Vergleichbar mit dem European Chips Act der Europäischen Kommission hat im Dezember auch die Regierung Modi ein Investitions-Förderprogramm mit Subventionen in Höhe von umgerechnet zehn Milliarden US-Dollar bekannt gegeben. Unternehmen, deren Projekte genehmigt werden, können auf Zuschüsse von bis zu 50% der Investitionen in eine neue Halbleiterproduktion oder auch in eine neue Display-Fabrik in Indien rechnen.
Noch ist unklar, ob das Projekt von Foxconn und Vedanta bereits das OK seitens der indischen Regierung für die Zuschüsse erhalten hat. Auch ein möglicher Standort wurde noch nicht genannt.
AMD, Intel, TSCM und andere sind ebenfalls am Standort Indien interessiert
In der Zwischenzeit haben auch andere Investoren Anträge gestellt, seit die Halbleiter-Subventionen angekündigt worden sind. IGSS Ventures aus Singapur und ISMC haben ebenfalls Projekte zur Halbleiterfertigung in Milliardenhöhe vorgeschlagen und hoffen auf die Finanzierungshilfen aus Neu-Delhi, berichtete kürzlich die Nachrichtenagentur Bloomberg. Insgesamt sollen 20 verschiedene Unternehmen prüfen, ob der Bau einer Chipfabrik in Indien sinnvoll sei, berichtet die chinesische Zeitung South China Morning Post.
Aus dem Ausland haben auch das kürzlich von Intel übernommene Tower Semiconductor (Israel), TSMC, der größte Chip-Auftragshersteller der Welt aus Taiwan, United Microelectronics, Fujitsu, Intel und AMD Interesse an den indischen Plänen gezeigt. Im Inland hat die indische Tata-Gruppe Pläne angekündigt, umgerechnet 300 Millionen US-Dollar in eine Anlage zur Herstellung und zum Testen von Halbleitern im Süden des Landes zu investieren.
Auch Indiens Wirtschaft leidet unter Chip- und Materialmangel
Wie andere Regierungen auch fühlt sich die Regierung Modi unter Zugzwang, eigene Foundries aufzubauen. Indische Elektronik- und Autohersteller leiden stark unter der globalen Halbleiterkrise. Indiens größte Autofabrik Maruti Suzuki etwa hatte ihre Produktion wegen der Versorgungsmängel mit Chips im vergangenen Herbst zeitweise um bis zu 60% herunterfahren müssen. Auch indische Hersteller von Handys und anderer Elektronik sind schwer von Chipkrise betroffen.
Auch geopolitische, strategische Überlegungen sind ein Grund für Indiens neuen Vorstoß in den hart umkämpften Wettbewerb um neue Halbleiterfabriken. Ein komplettes Ökosystem für Chips – vom Design über das Testing bis hin zur Fertigung – könne die Abhängigkeit der indischen Elektronikindustrie von China verringern, hofft man in der indischen Hauptstadt.
Indien will unabhängiger vom Rivalen China werden
Indiens Rivalität mit der Volksrepublik China ist ein weiteres Motiv. Tödliche Auseinandersetzungen an der indisch-chinesischen, über viele Kilometer hinweg umstrittenen Grenze im Himalaya sind in den vergangenen Jahren immer häufiger geworden. Gleichzeitig importiert Indien mehr als ein Drittel seiner Elektronik aus China. Die nun beschlossene Förderung für die Halbleiterindustrie ist Teil eines weiter gefassten Planes, Indien zu einem „Hub für die asiatische Elektronikindustrie” auszubauen und dabei nicht nur die strategische Abhängigkeit von China zu verringern, sondern auch Arbeitsplätze in Indien zu schaffen.
Indiens Regierung hat Analysten zufolge realisiert, welch zentrale Rolle Halbleiter für alle künftigen Zukunftsindustrien wie die E-Mobilität, die Telekommunikation oder auch die Modernisierung der Fertigungsindustrie haben. So reden Indiens Politiker immer öfter davon, Produktion und Verkauf von E-Autos fördern zu wollen. In einem E-Auto aber werden bis zu zehn Mal so viele Chips verbaut wie in einem traditionellen Auto mit Verbrennungsmotor.
Stand: 08.12.2025
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Indische Bürokratie hat bislang viele IKT-Investitionen ausgebremst
„Wenn Indien wirtschaftlich stark bleiben will, muss es IKT (Informations-, Kommunikations- und Telekommunikationstechnik) als strategische Ebene entwickeln,“ kommentierte unlängst das Fachmedium Tech Wire. Doch genau dieser Sektor spiele in Indien bislang eine Nebenrolle, so Tech Wire.
Vor allem die langsam mahlenden Mühlen der indischen Bürokratie haben in der Vergangenheit immer wieder die Ansiedlung von Chipfabriken verhindert. Im Jahr 2007 etwa hatte sich Intel aus Verhandlungen mit der indischen Regierung zurückgezogen, weil diese zu lange für eine Entscheidung brauchte.
Aus der Vergangenheit lernen und schneller investieren
Momentan gibt es nur zwei Fabs in Indien – Sitar, eine Tochter von DRDO in Bengaluru und ein Chip-Labor in Chardigarh. Beide liefern jedoch nur Chips für militärische und andere strategische Industrien in Indien, zum Beispiel die Raumfahrt, haben keine wirklich kommerzielle Chip-Produktion aufbauen können.
Diesmal jedoch will man es in Neu-Delhi offenbar anders machen. „Trotz aggressiver Zeitpläne” für die Anträge auf Subventionen in der Halbleiterindustrie habe „das Schema ein gutes Feedback erhalten“, heißt es in einer Presseerklärung des indischen Ministeriums für Elektronik und Informationstechnologie aus der vergangenen Woche. Zudem ist diesmal viel von „Fast-Track-Genehmigungen” die Rede.
* Henrik Bork ist Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen in Peking.