Funkprodukte international zulassen, Teil 4 Internationale Funkzulassungen in den USA und Kanada

Autor / Redakteur: Bernd Selck * / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Funkzulassungen in den USA und Kanada sind mit den europäischen Systemen nicht kompatibel. Wir zeigen im vierten Teil, wie elektronische Geräte in Nordamerika zugelassen werden.

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Die Funkzulassungen in den USA und Kanada sind mit den europäischen Systemen nicht kompatibel. Wir geben Tipps für die Zulassung von Funkprodukten in Nordamerika. (Empire State Building in New York)
Die Funkzulassungen in den USA und Kanada sind mit den europäischen Systemen nicht kompatibel. Wir geben Tipps für die Zulassung von Funkprodukten in Nordamerika. (Empire State Building in New York)
(Foto: O. Fischer, pixelio.de)

Die USA und Kanada verfügen über eigenständige Systeme zur Funkzulassung von WLAN Routern & Co. Allerdings sind sie mit dem europäischen System nicht kompatibel. Die technischen Anforderungen basieren teilweise auf internationalen Normen. Für die USA und Kanada ist die Einhaltung der Anforderungen verpflichtend. Im Gegensatz dazu ist das europäische System liberal und basiert für viele Produkte auf Herstellererklärungen. Genügen die den Anforderungen der Federal Communications Commission (FCC), dürfen sie auf den Markt gebracht werden. In Kanada gelten die Anforderungen der Industry Canada (IC) und in Europa wurden private Stellen als Telecommunication Certification Body (TCB, USA) und Foreign Certification Body (FCB, Kanada) anerkannt. Zusätzlich sind einige Prüflabore im Rahmen des Mutual Recognition Agreement (MRA) und nach den Regeln der US-Behörde FCC anerkannt. Das ist Grundlage, womit Hersteller das Verfahren „Declaration of Conformity“ nutzen können.

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5 Teile kompaktes Wissen zum Thema internationale Funkzulassungen

In insgesamt fünf Teilen haben wir zusammen mit Phoenix Testlab Fakten zusammen getragen, wie Funkprodukte auf den internationalen Märkten zuzulassen sind. Im ersten Teil geben wir Ihnen einen allgemeinen Überblick. Knackpunkt sind meist die landesspezifischen Details und gewisse nicht-technische Anforderungen, wie Kennzeichnung und Benutzerhandbuch. Im zweiten Teil betrachten wir die Europäische Union, den chinesischen Markt und springen schließlich über den Pazifik und zeigen im vierten und fünften Teil, wie Funkprodukte in Nord- und Südamerika zugelassen werden.

1. Teil: Weltweite Märkte durch Funkzulassungen erschließen

2. Teil: Konforme Funk- und Telekommunikationsanlagen in der Europäischen Union

3. Teil: Funkprodukte für den chinesischen Markt zertifizieren

4. Teil: Internationale Funkzulassungen in den USA und Kanada

5. Teil: Funkprodukte für den brasilianischen Markt zertifizieren

Was bei Zulassungen in den USA zu beachten ist

Das Equipment Authorization Program ist im Code of Federal Regulations (CFR) 47 Part 2 beschrieben. Es gibt drei Verfahren unter denen Produkte für den amerikanischen Markt zertifiziert werden können. Diese Verfahren sind Verification, Declaration of Conformity (DoC) und Certification. Die Verification beruht auf einer Herstellererklärung. Der Hersteller misst selbst oder beauftragt ein Labor. Wichtig ist, dass der Hersteller sicherstellen muss, dass das Gerät mit den entsprechenden technischen Vorschriften übereinstimmt. Verifizierte Geräte müssen eindeutig identifizierbar sein, eine besondere Kennzeichnung ist nicht erforderlich. Die Zusendung eines Gerätemusters oder repräsentativer Daten an die FCC ist nicht erforderlich, sofern sie nicht von der FCC angefordert werden.

Beim Declaration of Conformity (DoC) bewertet der Hersteller nach den Gesichtspunkten der Konformität. Allerdings müssen die Labore gemäß ISO/IEC 17025 akkreditiert und von der FCC designiert sein. Außerhalb der USA werden diese Labore als Konformitätsbewertungsstelle (CAB) bezeichnet. Zudem muss der Hersteller einen Repräsentanten in den USA haben. Unter dem DoC-Verfahren in Verkehr gebrachte Produkte bedürfen einer besonderen Kennzeichnung. Die Zusendung eines Gerätemusters oder repräsentativer Daten an die FCC ist nicht erforderlich, sofern sie nicht von der FCC angefordert werden. Mit der Certification wird die klassische Zulassung beschrieben. Es ist ein bilateraler Zulassungsprozess, bei dem ein Antrag an einen TCB zur Bewertung und Zulassung gestellt werden muss. Die Messungen müssen in einem Prüflabor durchgeführt werden, dass entweder bei der FCC gelistet ist oder einen akkreditierten Status bei der FCC hat.

Welche Unterlagen zwingend notwendig sind

Funkzulassung: Übersicht der Zulassungssysteme in den USA
Funkzulassung: Übersicht der Zulassungssysteme in den USA
(Phoenix Testlab)

Sind die notwendigen Messungen abgeschlossen, werden alle notwendigen Unterlagen zu einem TCB weitergeleitet. Dieser muss für das Scope, unter das das Produkt fällt, anerkannt sein. Ansonsten kann der ausgewählte TCB keine Zulassung durchführen. Folgende Unterlagen müssen in englischer Sprache verfasst und dem TCB zur Verfügung gestellt werden: Form 731 mit der FRN-Nummer des Grantees und des Grantee Codes, Cover Letter, Label Informationen/Location, External Photos, Internal Photos, Test Report, Test Setup Photos, Operational Description, Schematics, Block Diagram, Parts List/Tune up Procedure, Users Manual, MPE Calculation / SAR Report, Calibration Data and System Validation und Request for Confidentiality.

Nach Durchsicht der Unterlagen werden die Daten vom TCB in der FCC-Datenbank eingetragen. Zudem werden die Unterlagen in die Datenbank übernommen. Die Zulassungsurkunde (Grant) wird automatisch erstellt. Die Eintragungen und Unterlagen sind in der FCC-Datenbank einsehbar. Der Zulassungsprozess ist damit abgeschlossen und das Produkt kann in den USA vermarktet werden.

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Der Zulassungsprozess am Beispiel eines WLAN-Routers

Für einen WLAN-Router sind verschiedene Zulassungsprozeduren notwendig. Der Router fällt in den CFR 47 Part 15. Zum einen wird der Router als PC-Peripherie (Subpart 15B) angesehen, zum anderen als Funkgerät (Subpart 15C). Für die Zulassung gemäß Subpart 15B kann das Verfahren DoC oder Certification gewählt werden. Für die Zulassung gemäß Subpart 15C muss das Verfahren Certification gewählt werden.

Die für die Zulassung relevanten Prüfanforderungen sind detailliert in den Subparts 15B (15.107 und 15.109) und 15C (15.207) beschrieben. Je nach genutztem Frequenzbereich sind zusätzlich die Parts 15.247 (2.4 GHz) und/oder 15.407 (5 GHz) heranzuziehen. Zudem gelten für die Zulassungsprozedur, neben den Anforderungen aus dem Part 15, ebenfalls die Anforderungen aus dem Part 2. Weitere Dokumente, die für eine Zulassung relevant sein könnten, sind in der FCC Knowledge Data Base (KDB) zu finden. In den USA dürfen für WLAN 802.11b/g nur die Kanäle 1 bis 11 (2,412 bis 2,462 GHz) benutzt werden. Der Frequenzbereich 5, 15 bis 5,25 GHz ist nur in Gebäuden zulässig. Je nach Frequenzbereich müssen Anforderungen an TPS (Transmit Power Control für das Band 5,47 bis 5,725 GHz) und DFS (Dynamic Frequency Selection für das Band 5,25 bis 5,35 GHz sowie 5,47 bis 5,725 GHz) eingehalten werden.

Ähnlich wie bei Mobiltelefonen reduziert TPC die Sendeleistung abhängig von der Notwendigkeit (guter Kontakt zwischen den Geräten = geringere Sendeleistung). Bei DFS wird selbständig eine freie Frequenz gewählt. Je nach Sendeleistung und Abstand zum menschlichen Körpern sind Anforderungen an SAR (Specific Absorption Rates, Spezifische Absorptionsrate) oder MPE (Maximum Permissible Emission, Maximal zulässige Aussendung). Im OET Bulletin 65, Supplement C, „Exposure to Radio frequency Electromagnetic Fields“, sind die Anforderungen für die SAR-Messungen beschrieben. Weitere Dokumente sind in der Knowledge Database der FCC zu finden. Die MPE wird in einem vorgegebenen Abstand (in der Regel 20 cm) zum Körper berechnet.

Für Zulassungen in Kanada ist die RSS 210 in Verbindung mit der RSS-Gen heranzuziehen. SAR/MPE wird mit der RSS 102 abgedeckt. Hierzu kann auch der Nachweis der FCC-Anforderungen herangeführt werden.

Das Zulassungsverfahren in Kanada

Die Zulassungsverfahren in Kanada sind vergleichbar mit denen in den USA. Ein Unterschied gibt es bei der Certification. Es muss ein Antrag an einen FCB zur Bewertung und Zulassung gestellt werden. Sämtliche Messungen müssen in einem Prüflabor ermittelt werden, das bei der IC gelistet ist. Alle notwendigen Unterlagen werden an einen FCB weitergeleitet. Zusätzlich muss sowohl eine Bestätigung des Repräsentanten in Kanada als auch eine Bestätigung gemäß RSS 102 vorliegen, um den Zulassungsprozess nicht zu verzögern. Nach Durchsicht wird ein Eintrag in der IC-Datenbank erstellt und die Dokumente übertragen. Anschließend wird eine Zulassungsurkunde ausgestellt. Die IC transferiert die Daten in die Radio Equipment List (REL), wo sie in der öffentlichen Datenbank einsehbar sind. Der Zulassungsprozess ist abgeschlossen und das Produkt kann in Kanada vermarktet werden.

* Bernd Selck ist Section Manager Certification Bodies und Director of Notified Body EMC Directive bei Phoenix Testlab in Blomberg.

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