Industriespionage Intel-Mitarbeiter macht sich angeblich mit 18.000 Dokumenten davon

Von Susanne Braun 2 min Lesedauer

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Einer Klageschrift zufolge klagt Intel gegen einen ehemaligen Mitarbeiter und fordert Schadensersatz von wenigstens einer Viertelmillion US-Dollar. Dieser Mitarbeiter soll interne Dokumente kopiert haben, darunter auch als „Top Secret“ eingestufte.

Intel hat einen ehemaligen Software-Engineer beim Datenklau erwischt und erhebt nun Anklage.(Bild:  Intel Corporation)
Intel hat einen ehemaligen Software-Engineer beim Datenklau erwischt und erhebt nun Anklage.
(Bild: Intel Corporation)

Industriespionage ist in keinem Bereich besonders erfreulich, in der Halbleiterei aber besonders riskant und folgenschwer. Die Industrie arbeitet mit extrem komplexem und hochgradig spezialisiertem Know-how, das oft über Jahrzehnte gewachsen ist und sich nur schwer kopieren lässt. Der Verlust sensibler Daten in Form von Design-Kits, Fertigungsrezepten, Prozessparametern oder anderen Daten kann für Unternehmen existenzielle Folgen haben.

Gleichzeitig besitzen einzelne Parameter, zum Beispiel im Lithografie- oder Packaging-Prozess, enormen Hebel auf Ausbeute, Effizienz und Qualität. Schon kleine Informationslecks können einem Konkurrenzunternehmen Jahre an Entwicklungszeit ersparen. Dazu kommt, dass Informationen über fortgeschrittene Technologien nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch politischen und sicherheitsrelevanten Wert haben.

Insofern ist es wenig verwunderlich, dass Intel gegen einen ehemaligen Mitarbeiter besonders hart vorgehen will, wie The Mercury News berichtet, und 250.000 US-Dollar Schadensersatz fordert – mindestens.

Umfangreicher Datendiebstahl im Zentrum der Halbleiterbranche

Laut der am 31. Oktober 2025 beim Bundesgericht eingereichten Klageschrift („Intel Corporation v. Jinfeng Luo“, U.S. District Court, N.D. Cal. (via Scribd)) soll ein früherer Intel-Softwareingenieur zwischen dem 28. und 31. Juli 2025 nahezu 18.000 Dateien auf ein privates NAS-System übertragen haben, darunter Dokumente mit der Kennzeichnung „Intel Top Secret“. Der Mann ist Berichten zufolge derzeit untergetaucht.

Der Softwareingenieur, der seit 2014 bei Intel beschäftigt war, soll wenige Tage vor seinem vertraglich vorgesehenen Ausscheiden, über das er laut Schrift sehr kurzfristig informiert wurde, rund 18.000 vertrauliche Dateien von Intels Systemen heruntergeladen haben. Laut der Klage versuchte er etwa eine Woche vorher, Daten auf ein externes Laufwerk zu übertragen, was nicht gelang. Drei Tage vor seinem letzten Arbeitstag kopierte er die Daten dann erfolgreich auf ein NAS-Gerät.

Intel entdeckte die Übertragung kurz nach dem Vorfall und leitete interne Untersuchungen ein. Man versuchte mehrere Monate lang, Kontakt zu dem ehemaligen Angestellten herzustellen, um die Untersuchungen und Ergebnisse zu besprechen, doch der Gesuchte soll nicht darauf reagiert haben. Deswegen reichte das Unternehmen Klage gegen den ehemaligen Mitarbeiter ein, um die Rückgabe aller Dateien sowie finanzielle Entschädigung durchzusetzen.

Warum der Fall Bedeutung für die Industrie hat

Der Vorfall verdeutlicht die wachsende Bedeutung von Insider-Risiken bei führenden Technologieanbietern – insbesondere in der Halbleiterbranche, wo geistiges Eigentum und Prozessdaten strategisch entscheidend sind. Die Tatsache, dass hochsensible Informationen mit dem Kennzeichen „Top Secret“ betroffen sind, unterstreicht die Risiken für Wettbewerbsfähigkeit, Produktionssicherheit und Lieferkette. Für Design- und Fertigungsdienstleister im Elektroniksektor ergibt sich daraus eine Mahnung: Security-Mechanismen allein reichen nicht, wenn Mitarbeitende kurz vor Austritt Zugriff auf große Datenmengen haben. (sb)

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