Innovationsforschung „Innovationen sind kein Luxus. Wir brauchen sie mehr denn je.“

Redakteur: Gerd Kucera

Schadet das wachstumgetriebene Streben nach Innovationen der Umwelt? Der Wissenschaftler Prof. Dr. Nikolaus Franke von der Wirtschaftsuniversität Wien widerspricht.

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Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit waren Innovationen so wichtig wie heute. Denn in den meisten Branchen ist die Fähigkeit, neue Produkte und Dienstleistungen hervorzubringen, der Wettbewerbsfaktor Nummer eins. Gerade für Unternehmen aus hochentwickelten Ländern mit entsprechend hohen Löhnen ist ein reiner Preiswettbewerb tödlich. Stattdessen müssen sich die Unternehmen differenzieren. Neue Produkte oder Produkteigenschaften, neue Anwendungen, neue Zusatzservices, neue Märkte oder neue Geschäftsmodelle sind dafür der beste Weg. Das gilt auch für die gesamtwirtschaftliche Ebene. Wenn wir unseren Wohlstand im internationalen Wettbewerb zumindest sichern wollen, dann führt an der weiteren Stärkung der Innovationsfunktion kein Weg vorbei.

Der von Kritikern angeprangerte Konflikt zwischen Wirtschaftswachstum und Ressourcen- und Umweltschonung löst sich gerade durch Innovationen auf. Innovation heißt immer neue Lösungen suchen. Gerade dann, wenn Ressourcen knapp werden, ist das der einzige Weg, wenn wir nicht zurück in die Steinzeit wollen. Allen Wohlstand, den wir genießen, verdanken wir der menschlichen Fähigkeit zur Innovation. Innovationen sind demnach kein unnötiger Luxus und gehen auch nicht auf Kosten der Umwelt. Wer ein Zurück predigt und der Technikfeindlichkeit das Wort redet, verdreht die Zusammenhänge und handelt unverantwortlich. Der Grund dafür, dass wir heute in vielen Bereichen in Wahrheit bessere Umweltbedingungen haben als noch vor wenigen Jahrzehnten, ist doch, dass sich die unternehmerische Erfindungsgabe stark auf diese Bereiche konzentriert hat.

Innovation beschränkt sich dabei nicht allein auf die revolutionären Ideen, wie sie der Buchdruck oder das Internet waren. Die große Masse der Neuerungen hat einen geringen Innovationsgrad, etwa eine neue Funktionalität, höhere Sicherheit, mehr Komfort oder Benutzerfreundlichkeit. Empirisch gesehen, schaffen diese vielen kleinen Schritte aber ähnlich viel Wert wie die wenigen großen.

Mittelständler, vor allem die erfolgreichen, haben das verstanden und verinnerlicht. Als Beispiel sind die aktuellen „Top 100“-Unternehmen zu sehen. Sie sind in Bezug auf das Innovationsziel konsequenter und professioneller als die normalen Mittelständler. Dadurch sind sie auch erfolgreicher. Sie begreifen Innovation als grundlegendes Unternehmensziel, quer über alle betrieblichen Bereiche hinweg.

In der Lehre ist unser Ziel, unseren Studierenden erstklassige Kenntnisse in den Bereichen Entrepreneurship und Innovation zu vermitteln. Dabei orientieren wir uns an den international führenden Universitäten und Business Schools. Wir vermitteln in unseren Kursen Theorien, Methoden und wissenschaftliche Erkenntnisse. Wir bleiben aber nicht bei der Wissensvermittlung stehen, sondern prägen das unternehmerische Denken und Verhalten unserer Studierenden in realen Innovations- und Gründungsprojekten aus.

Durch ihr unternehmerisches Profil qualifizieren sich unsere AbsolventInnen für vielfältige Karrierewege. Neben der eigenen Gründung oder der Übernahme eines bestehenden Unternehmens sind Berufe wie InnovationsmanagerIn, AssistentIn der Geschäftsführung, AnalystIn in Venture-Capital-Gesellschaften oder UnternehmensberaterIn typische Startpositionen. In der Forschung arbeiten wir an offenen Problemen in den Bereichen Entrepreneurship und Innovation. Aufgrund der Dynamik und Zieloffenheit unternehmerischer Prozesse ist dieses Forschungsfeld anspruchsvoll - dennoch gibt es Gesetzmäßigkeiten und Muster, die man entdecken kann. Unser wissenschaftliches Vorgehen ist realtheoretisch geprägt. Dies bedeutet, dass wir uns auf Probleme von allgemeiner Relevanz konzentrieren, sie durch ökonomische und verhaltenswissenschaftliche Theorien strukturieren und empirisch an der Realität prüfen.

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