Fertigungsplanung Infineon flexibilisiert seine Planungsprozesse

Autor / Redakteur: Klaus Wenger * / Franz Graser

Um besser auf marktbedingte Schwankungen reagieren zu können, hat Infineon seine bestehende Lieferkettenmanagement-Lösung von JDA um das Modul Sales & Operations Planning (S&OP) ergänzt.

Anbieter zum Thema

(Bild: Infineon Technologies)

Seit 2011 setzt Infineon die Sales and Operations Planning-Lösung (S&OP) von JDA ein. Ziel ist es, die Produktions, und Kapazitätsplanung effizienter zu gestalten. Ein multidimensionales Simulationsmodell passt alle Planungsprozesse automatisch an und stellt sie unternehmensweit online zur Verfügung. So ist es gelungen, den Planungsaufwand um 30 Prozent zu senken und einen kollaborativen, auf Szenarien basierenden Planungs- und Entscheidungsprozess einzuführen.

„Die Krise 2009 war der entscheidende Wendepunkt“, erinnert sich Andreas Mätzler, Senior Director Corporate Supply Chain bei Infineon. „Wie viele andere Hightech-Unternehmen auch waren wir mit massiven Marktschwankungen konfrontiert – in einer Geschwindigkeit, die wir zwar operativ gerade noch beherrschen konnten, auf die wir planungstechnisch aber nicht adäquat reagieren konnten.“ Doch es war nicht nur die Software, die die Inflexibilität und mangelnde Planungsgeschwindigkeit bedingte, sondern die Prozesse waren das Problem. Darum hat Infineon 2010 ein Prozess-Reengineering vorgenommen.

„Planungsprozesse, die vier bis fünf Wochen dauern, bis sie entscheidungsrelevante Ergebnisse konsistent und in sich schlüssig liefern, konnten wir uns in einem hochvolatilen Markt nicht mehr leisten“, so Mätzler. „Vielmehr brauchten wir flexible Prozesse, um auf allen Planungsebenen und in allen Unternehmensbereichen schnellstmöglich auf Marktveränderungen reagieren zu können.“ Als Ergebnis des Reengineering stand dann fest: ohne eine S&OP-Software geht es nicht. Allerdings deckte die damalige Lösung diesen Bedarf nicht ab.

Noch im selben Jahr testete Infineon die S&OP-Lösungen verschiedener Anbieter. Das Unternehmen strebte flexible Planungsprozesse an, die sich am tatsächlichen Bedarf und an den benötigten Kapazitäten ausrichten. Eine wichtige funktionale Anforderung erfüllte allerdings keine der getesteten Lösungen: die Verbindung von Volumenplanung und Fertigungsfähigkeit. „Wir haben uns letztendlich für JDA entschieden, weil der Anbieter die besten Ansätze in diesem Bereich gezeigt hat“, begründet Andreas Mätzler seine Wahl. „Außerdem kennt JDA unsere Branche sehr gut und hat verstanden, worauf es uns ankommt.“

In nur sechs Monaten haben JDA und Infineon daraufhin gemeinsam einen digitalen Würfel entwickelt, der als multidimensionales Simulationsmodell sämtliche Planungsdimensionen umfasst: Absatzprognosen, Nachfrage, Produktionskapazitäten, Preisgestaltung, Umsätze etc. Die Besonderheit der sogenannten RCCP-Funktionalität (Rough Cut Capacity Planning) besteht darin, dass sich die Kennzahlen der übrigen Würfelseiten automatisch anpassen, sobald sich die Basiswerte auf einer Seite ändern. So kann Infineon nicht nur Forecasts und Prozesse auf der Demand-Seite im S&OP-Prozess abbilden, sondern auch die gesamte Herstellungskette modellieren.

„Früher hat es Wochen gedauert, diese Prozesseschritte abzustimmen“, so Infineon-Manager Mätzler. „Heute sind die Änderungen auf allen Ebenen der Planung und in allen Unternehmensbereichen sofort online ersichtlich. Ein unschätzbarer Vorteil, der auf der Verknüpfung aller Planungselemente beruht.“

Cloud-basierte Entwicklungsumgebung

Innerhalb eines Jahres haben JDA und Infineon das gemeinsam erarbeitete Konzept umgesetzt und JDA S&OP im Rahmen eines zweiphasigen Rollout implementiert. Demand-seitig deckt die Lösung die Anforderungen des Halbleiterherstellers seit November 2012 ab, die RCCP-Funktionalität kam im März 2013 hinzu. JDA S&OP für die effektive, mehrschichtige Planung und Steuerung der Geschäftsentwicklung ersetzt JDA Demand, das bisher zur bedarfsorientierten Nachfrageplanung genutzt wurde.

Daneben kommen bei Infineon schon seit vielen Jahren drei weitere Module zum Einsatz: JDA Factory Planner für Produktionsplanung und Terminierung, JDA Supply Chain Planner zum Aufbau einer global synchronisierten, flexiblen Lieferkette und JDA Order Promiser für die Auftragsterminzusage. Mit der integrierten Lösungssuite kann Infineon heute zuverlässige Bedarfsprognosen und entsprechende Produktionspläne auf Basis aussagekräftiger Daten einfach und schnell erstellen.

„Dass alle am Projekt Beteiligten – neben unseren eigenen Mitarbeitern waren das auch die Consultants von JDA – im Rahmen des JDA Cloud Launch-Konzepts für einige Monate in einer webbasierten Entwicklungsumgebung an derselben Lösung gearbeitet haben, hat die Implementierung der Software beschleunigt und die Qualität der Prozesse erheblich gesteigert“, sagt Supply Chain-Experte Mätzler.

(ID:42950772)