Interview mit Horst Zuse

„Ich wollte wissen, wie komplex der Bau der Zuse Z3 ist“

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Die Programmiersprache „Plankalkül“ Ihres Vaters hat sich gegen COBOL, ALGOL und FORTRAN in der Praxis nicht durchgesetzt. Wie stehen Sie zum Thema Vereinfachung der Programmierung als wesentlicher Komponente zukünftiger Rechentechnik?

Plankalkül, entstanden 1945/46, genießt heute einen hohen historischen Respekt bei Wissenschaftlern. Eine Vereinfachung der Programmierung sehe ich in der „Usability“, d.h. der Einfachheit in der Nutzung und Anwendung, der menschlichen Intuition folgend. Nehmen wir das Auto, es hat sich ein Benutzungsstandard in der Bedienung herauskristallisiert (Gashebel, Bremsen, Blinker usw.) So muss es auch bei Computern und deren Anwendung sein. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg.

Welche Faktoren werden aus Ihrer Sicht zukünftige Entwicklungen in der Rechentechnik bestimmen?

Schnelligkeit und Speichergrößen dominieren seit Jahrzehnten unser Denken im Computerbereich. Diese Kriterien waren sicherlich in der Vergangenheit entscheidend, aber heute es geht um die Unterstützung der menschlichen Kreativität durch diese Maschinen, zum Wohle des Menschen. Sicherheit ist immer ein wichtiger Aspekt, aber ohne Software und Mathematik gibt es bei Computern keine Sicherheit und Zuverlässigkeit.

Die zukunftsweisende Bedeutung der Z3 wurde 1941 leider nicht erkannt. Ähnlich verhielt es sich mit den Überlegungen Ihres Vaters zum „Rechnenden Raum“ Ende der 1970er-Jahre. Die Idee, dass das Universum ein gigantischer Quantencomputer sein könnte, ist in der letzten Zeit von zahlreichen renommierten Wissenschaftlern wieder aufgegriffen worden. Wie stehen Sie zu dieser These und ihren möglichen Konsequenzen?

Ich bin kein Physiker, aber die These, das Universum könnte digital strukturiert sein, ist eine faszinierende Idee. Wie und ob dies mit den drei wesentlichen Theorien der Physik – Quantentheorie, Allgemeine Relativitätstheorie, Spezielle Relativitätstheorie – vereinbar ist, wird sich zeigen. Ich werde es nicht mehr erleben. Quantencomputer existieren schon als Versuchsmodelle, aber bis diese den PC ersetzen, wenn überhaupt, werden noch Jahrzehnte vergehen.

Herr Professor Zuse, vielen Dank für dieses Gespräch.

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