China entwickelt eigene KI-GPUs Huawei zeigt mit der Atlas 300i Duo den Weg zur Unabhängigkeit von Nvidia

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Huawei wagt den Angriff auf Nvidia. Der ist zwar noch zaghaft, aber technisch spannend. Mit der Atlas 300i Duo hat das Unternehmen eine Dual-GPU-Karte vorgestellt, die 96 GB Speicher bietet und in Servern für KI-Inferenz arbeiten soll. Der US-Youtuber Gamers Nexus hat die Karte zerlegt und liefert erstmals einen Blick unter die Haube.

Huawei Atlas 300i Duo: Dual-GPU-Karte mit 96 GB LPDDR4X-Speicher für KI-Inferenz in Servern, ausgelegt auf geringen Stromverbrauch und hohen Speicherbedarf.(Bild:  Gamers Nexus, Youtube)
Huawei Atlas 300i Duo: Dual-GPU-Karte mit 96 GB LPDDR4X-Speicher für KI-Inferenz in Servern, ausgelegt auf geringen Stromverbrauch und hohen Speicherbedarf.
(Bild: Gamers Nexus, Youtube)

Was Gamers Nexus fand, zeigt, dass Huawei zwar noch weit von den Spitzenmodellen aus Kalifornien entfernt ist, aber ernsthaft an einer eigenen GPU-Architektur arbeitet. Der Test offenbart eine ungewöhnliche Konstruktion mit zwei Ascend-GPUs, je 48 GB LPDDR4X-Speicher und einer Leistungsaufnahme von nur 150 Watt. Damit ist die Karte deutlich sparsamer als vergleichbare Systeme von Nvidia oder AMD. Der Verkaufspreis liegt bei rund 1.400 US-Dollar.

Dual-GPU mit Server-DNA

Im Inneren sitzen zwei Chips auf einem Board, getrennt durch eine schlichte Aluminiumkühlung. Anstelle moderner GDDR6- oder GDDR7-Speicher setzt Huawei auf energieeffiziente LPDDR4X-Module – typisch für mobile Geräte, aber ungewöhnlich in Beschleunigerkarten. Insgesamt ergibt sich so eine Speicherbandbreite von 408 GB/s, was pro GPU nur rund 204 GB/s entspricht. Zum Vergleich: Nvidias RTX 6000 Blackwell kommt auf fast 1,8 TB/s.

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Kühlung und Aufbau zeigen den klaren Fokus auf Rechenzentren. Lüfter fehlen, stattdessen verlässt sich die Karte auf den Luftstrom im Serverchassis. Die Konstruktion wirkt handmontiert, mit markierten Schrauben und Graphitpads zur Wärmeleitung. Auch beim Stromanschluss geht Huawei eigene Wege: ein proprietärer Acht-Pin-Stecker, kleiner als die üblichen PCIe-Stecker. Die Atlas 300i Duo zieht maximal 150 Watt. Das ermöglicht dichte Bestückung in Serverracks.

Viel Speicher, wenig Bandbreite

Die Atlas 300i Duo richtet sich an Anwendungen, bei denen Kapazität wichtiger ist als rohe Geschwindigkeit. Mit 96 GB Speicher können auch große KI-Modelle vollständig in den Grafikspeicher geladen werden, was etwa bei Sprachmodellen oder Bildanalysen entscheidend ist. Die Rechenleistung liegt bei rund 280 TOPS (INT8) beziehungsweise 140 TFLOPS (FP16). Das reicht für viele Inferenzaufgaben, bleibt aber weit hinter den Spitzenwerten aktueller Nvidia-GPUs zurück.

Ein Problem bleibt die Kompatibilität. Gamers Nexus berichtet, dass die Karte in herkömmlichen Mainboards nicht läuft. Sie funktioniert nur in speziellen Huawei-Servern wie dem Atlas 800, der mit Kunpeng-920-Prozessoren arbeitet. Erst dort lässt sich das volle Potenzial abrufen. Diese Abhängigkeit vom eigenen Ökosystem zeigt, dass Huawei seine Hardware zunächst auf den heimischen Markt und staatliche Rechenzentren ausrichtet.

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Merkmal Spezifikation
FormfaktorFHFL, Single-Slot, 10,5 Zoll Länge
Abmessungen (B × H × T)266,7 mm × 18,46 mm × 111,15 mm
Gewicht910 g
AI-Prozessoren2 × „310-Series“ Prozessoren je Karte; pro Prozessor: 16 Da-Vinci-AI-Cores + 16 Huawei-CPU-Cores
Integrierte CPU-Leistung16 Kerne × 1,9 GHz (pro 310-Series-Prozessor)
Speicher (Typ)LPDDR4X mit ECC
Speicherkapazität96 GB gesamt (48 GB pro GPU)
Speicherbandbreite408 GB/s kartenweit (≈ 204 GB/s pro GPU)
VirtualisierungBis zu 7 virtuelle NPUs pro 310-Series-Prozessor (Zuteilung 1/2/4 AI-Cores je vNPU)
PCIe-SchnittstellePCIe Gen 4.0 ×16 (kompatibel zu Gen 3.0/2.0/1.0; lauffähig auch mit ×8/×4/×2)
PCI-IDsVendor ID: 0x19E5; Device ID: 0xD500; Subsystem-Vendor ID: 0x0200; Subsystem-Device ID: 0x0110
Maximale Leistungsaufnahme150 W
Video-Decode (HW)H.264/H.265: bis 256 × 1080p @ 30 FPS oder 32 × 4K @ 60 FPS; JPEG-Decode bis 4K @ 1024 FPS
Video-Encode (HW)H.264/H.265: bis 48 × 1080p @ 30 FPS oder 6 × 4K @ 60 FPS; JPEG-Encode bis 4K @ 512 FPS (max. 8192 × 8192)
Kühlung / LuftvolumenServer-Luftstrom erforderlich; Mindest-Luftvolumen 7,5 CFM; z. B. 10,5 CFM bei 40 °C Einlasstemp. (bidirektionale Zu-/Abluft)
Kompatibilität (Server)Unterstützte Huawei-Server (z. B. Atlas 800, Modell 3000) im „Computing Product Compatibility Checker“; Third-Party-Server via Ascend-Kompatibilitätsverzeichnis

Symbol für Chinas Technologiekurs

Trotz ihrer Schwächen ist die Atlas 300i Duo ein wichtiges Signal. Seit die USA den Export leistungsstarker GPUs nach China beschränkt haben, beschleunigt Huawei die Entwicklung eigener Chips. Die Karte zeigt, dass China bereit ist, auch beim GPU-Design den langen Weg zur Eigenständigkeit zu gehen.

Der Teardown von Gamers Nexus macht deutlich: Huawei hat noch viel Boden gutzumachen, doch die Richtung stimmt. Mit günstiger Hardware, großen Speicherausbaustufen und staatlicher Unterstützung entsteht ein Fundament, auf dem künftige Generationen aufbauen können. Noch ist die Atlas 300i kein Ersatz für eine Nvidia Blackwell, aber sie ist der Anfang einer neuen, selbstbestimmten GPU-Ära in China. (mc)

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