KI-Hardware „Gewehrkugeln mit Zuckerguss“: Chinas Für und Wider des Imports von Nvidia-KI-Chips

Von Henrik Bork 4 min Lesedauer

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Die US-Regierung will KI-Chip-Käufer aus China mit ungedrosselter Nvidia-Hardware zum Kauf locken, aus Peking ist mit Exportbeschränkungen für den H200 zu rechnen. Man beabsichtigt, sich nicht von der US-Hardware abhängig zu machen.

Das HGX-H200-Systemboard von Nvidia als Server-Baustein in Form einer integrierten Hauptplatine. Die H200-Produkte galten Ende 2023 als stärkste KI-Lösung des Unternehmens.(Bild:  Nvidia)
Das HGX-H200-Systemboard von Nvidia als Server-Baustein in Form einer integrierten Hauptplatine. Die H200-Produkte galten Ende 2023 als stärkste KI-Lösung des Unternehmens.
(Bild: Nvidia)

Nvidia darf seine KI-Chips der Serie H200 wieder nach China exportieren, benötigt dafür aber noch eine Genehmigung aus Peking. US-Präsident Donald Trump hatte auf dem sozialen Netzwerk „Truth Social“ angekündigt, dass der amerikanische Chiphersteller dieses Produkt wieder an ausgewählte chinesische Kunden verkaufen dürfe. „25 Prozent werden an die Vereinigten Staaten von Amerika gezahlt“, fügte Trump hinzu.

Kurz danach berichtete die Financial Times in einem exklusiven Bericht, dass die chinesische Regierung den Import der Nvidia-Chips möglicherweise beschränken werde. Peking wolle nicht die Anstrengungen der heimischen Halbleiterindustrie gefährden, technologisch aufzuholen und eigene leistungsstarke KI-Chips zu entwickeln, glaubt die FT. Die Zeitung berief sich auf zwei namentlich nicht genannte Quellen.

Chinas Industrieministerium und die oberste Planungsbehörde NDRC haben sofort nach den Nachrichten aus Washington eine „Krisensitzung hinter verschlossenen Türen“ einberufen, zu der auch die größten privaten KI-Unternehmen des Landes eingeladen waren, berichtet unterdessen das chinesische Technologie-Portal Kuai Keji. ByteDance, der Besitzer von TikTok, Alibaba und Tencent seien dabei gewesen.

Rechenstärke aus den USA

Momentan muss abgewartet werden, ob und in welchem Umfang Peking seinen heimischen Unternehmen den Kauf von H200-Chips erlauben wird. Die Nutzung von Nvidia-Chips in chinesischen Datenzentren, von denen wegen der schnellen Adoption der künstlichen Intelligenz in China gerade landesweit sehr viele gebaut werden, ist in Peking politisch hoch umstritten.

Es gibt einen Präzedenzfall für eine negative Entscheidung der kommunistischen Staats- und Parteiführung gegen US-Chips. Im August 2025 hatte Nvidia-CEO Jensen Huang nach fleißiger Lobbyarbeit im Weißen Haus die Erlaubnis erhalten, den speziell für den chinesischen Markt entwickelten Chip „H20“ in die Volksrepublik zu exportieren. Doch die Aufsichtsbehörden in Peking wiesen heimische Großunternehmen kurz darauf an, auf den Einsatz der Chips von Nvidia zu verzichten.

Doch während der H20 eine stark gedrosselte Leistung hatte, handelt es sich beim nun für den Export geklärten H200 um den zweitstärksten KI-Chip von Nvidia. Nur die Blackwell-Chips und die der neuen Serie Rubin, die beide nach wie vor nicht nach China verkauft werden dürfen, sind noch stärker.

Alibaba, ByteDance und andere chinesische Technologiekonzerne sollen sich in der vergangenen Woche bereits bei Nvdia gemeldet und Interesse an Großbestellungen angemeldet haben, berichtet Reuters.

Verwendung nur unter Auflagen

Die meisten Analysten in China gehen davon aus, dass Peking den Import des H200 mit Auflagen genehmigen wird, um die schnelle Weiterentwicklung des heimischen KI-Technologie-Stacks nicht zu gefährden. Gleichzeitig werde die chinesische Regierung aber an ihrer Strategie festhalten, sämtliche Chips aus den USA möglichst schnell durch heimische Produkte zu ersetzen, sagen dieselben Experten.

Zu gefährlich sei es für China, langfristig von den erratischen Entscheidungen des US-Präsidenten oder den Containment-Bemühungen der China-Falken im US-Kongress abhängig zu bleiben, argumentieren chinesische Kommentatoren.

Bei den H200-Chips handele es sich um „Gewehrkugeln mit Zuckerglasur“ (tang yi paodan), hieß es in mehreren Meinungsartikeln. Diesen Begriff hatte Mao Tsetung im März 1949 benutzt, um vor verführerischen Taktiken der gegnerischen „Kapitalisten“ zu warnen. Gemeint ist dieses Mal, dass der andauernde Einsatz von Nvidia-Chips dessen Marktposition im chinesischen Halbleitermarkt zementieren und damit die Entwicklung heimischer Chip-Unternehmen verlangsamen könnte.

910C als gleichwertige Hardware aus heimischer Produktion

Der chinesische Chiphersteller Huawei hat bereits KI-Chips entwickelt, die zwar noch nicht ganz die Leistung des H200 von Nvidia erreichen, davon aber auch nicht mehr weit entfernt sind. Derzeit können diese Huawei-Chips, etwa der 910C, nur noch nicht in ausreichend großen Serien produziert werden, um die große Nachfrage in China zu befriedigen. Nächstes Jahr will Huawei Presseberichten zufolge die Produktion auf rund 600.000 Stück verdoppeln.

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Auch das chinesische Halbleiter-Startup Moore Threads Technology holt technologisch schnell auf. Der Aktienkurs des Unternehmens ist nach einem IPO an der Börse in Shanghai Anfang Dezember 2025 vorübergehend um 425 Prozent in die Höhe geschnellt, weil die Anleger in der Firma das „Nvidia Chinas“ erspäht zu haben glauben.

Selbst wenn Nvidia noch einmal viel Geld mit dem Verkauf von KI-Chips nach China machen sollte und die US-Regierung mit ihrem Anteil von 25 Prozent tatsächlich einen Teil ihrer Haushaltslücken stopfen könnte, wird es sich sehr wahrscheinlich nur um eine vorübergehende Bonanza handeln.

Das Hin und Her der amerikanischen Chip-Boykotte, die Trump jetzt nach der erfolgreichen Drohung Pekings mit Exportbeschränkungen für seltene Erden teilweise lockern musste, hat Nvidia in China bereits den Großteil seiner Marktanteile gekostet. Im vierten Quartal 2025 stammte bereits mehr als die Hälfte aller KI-Chips in chinesischen Datenzentren aus heimischer Produktion, berichtet Trendforce.

Nvidia, das 2022 noch einen Anteil von 95 Prozent am chinesischen Markt von KI-Chips hatte, hat bereits schwer unter dem „Chip War“ Washingtons gelitten. Sein Geschäft in China sei „bei Null“ angekommen, hatte Nvidia-Chef Jensen Huang in den vergangenen Wochen gesagt. (sb)

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