Leitungen

Gewappnet gegen Feuer und Flamme durch brandsichere Kabel

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Halogenfrei und dennoch brandhemmend ist das Mantelmaterial der ETHERLINE HEAT 6722. Bei dieser Leitung, die eigens für den Einsatz in Omnibussen entwickelt wurde, kommt beim Mantel allerdings nicht TPE zum Einsatz, sondern Polyurethan (PUR). Die Leitung gibt es in drei Leistungsklassen als Cat.5e-, Cat.6A- und Cat.7-Varianten. Der Aderquerschnitt erlaubt Power over Ethernet, also das Übertragen kleiner elektrischer Leistungen bis zu 30 W zum Betrieb von kleinen Geräten wie Fahrkartenentwerter oder Überwachungskameras.

Die Leitung erfüllt die ECE-R 118.01, eine neue Norm zur Verkabelung von Omnibussen, die seit dem 1.1.2016 in der EU gilt. Sie verschärft den Brandschutz in Bussen des Personenverkehrs erheblich. Betroffen sind Leitungen, die im Fahrgastraum verlegt sind, nicht jedoch Kabel im Motorraum, für die es bereits eigene, ebenfalls strenge Standards gibt.

Eine Anforderung der Norm ECE-R 118.01 ist der nun strengere Flammtest: Im Prüflabor wird eine Flamme an ein 50 cm langes Leitungsstück gehalten und nach 15 bis 30 s wieder entfernt. Der Brand am Kabelmantel muss innerhalb von 70 s von selbst verlöschen, und die Ausbreitung der Flamme muss jeweils mindestens 5 cm vor den beiden Enden des Leitungsstücks stoppen.

Dies soll sicherstellen, dass sich eine Flamme, die den Mantel in Brand gesteckt hat, nicht wie auf einer Zündschnur ausbreitet und im Bus weitere Leitungen und die Inneneinrichtung in Brand steckt. Außerdem hat die Feuerwehr die Sicherheit, dass die Flamme auf dem Kabelmantel nicht weiter brennt oder gar erneut entflammt, wenn der Brandherd gelöscht wurde.

Isolationserhalt versus Funktionserhalt

Die ETHERLINE FIRE Cat.5e PH120, die für die feste Verlegung in Gebäuden vorgesehen ist, schafft bei Brandeinwirkung wie erwähnt einen Isolationserhalt nach EN50200 für 120 Minuten. Im deutschsprachigen Raum ist auch oft vom Funktionserhalt die Rede. Isolationserhalt, Funktionserhalt – wo ist der Unterschied? Ersteres meint ganz allgemein, dass das Kabel den elektrischen Durchgang über die getestete Zeit aufrechterhält. Der Funktionserhalt bezeichnet im Grunde das gleiche, allerdings in Kombination mit einer Kabelpritsche.

Im deutschsprachigen Raum meint Funktionserhalt, dass der elektrische Durchgang auch bei Verlegung auf einer Kabelpritsche gegeben ist, da man davon ausgeht, dass viele Leitungen insbesondere in Fabriken auf Kabelpritschen verlegt werden.

Norm nicht ausreichend

Die Zertifizierung allein sagt aber noch wenig darüber aus, wie sich eine Leitung im Falle eines Brandes tatsächlich verhält. Denn bei den gesetzlich vorgeschriebenen Brandtests wird nur geprüft, ob die Leitung elektrischen Durchgang hat.

Das war früher ausreichend, als in Gebäuden oder Fahrzeugen nur niederfrequente Datenleitungen zum Einsatz kamen. Inzwischen geht der Trend aber auch dort wegen der stark zunehmenden Datenmengen zu Ethernet-Leitungen. Ob eine Ethernet-Leitung tatsächlich noch in der Lage ist, bei einem Brand Daten mit Bandbreiten von 1 GBit/s oder mehr zu übermitteln, prüft der Testaufbau nicht. Doch das ist wichtig, damit etwa Überwachungskameras auch bei Feuer weiter Bilder übertragen können.

In ihrem Testzentrum in Stuttgart gehen die Kabelexperten von Lapp deshalb deutlich weiter als die EN50200 fordert. Sie messen bei Brandtests weitere Parameter wie Dämpfung und Signalverzögerung. Nur so ist eine Einschätzung möglich, wie verlässlich sich eine Leitung unter realen Bedingungen weiterbetreiben lässt.

Ähnliche Tests gibt es auch für Glasfaserleitungen wie beispielsweise die HITRONIC FIRE. Sie ist die passende Alternative, wenn große Distanzen überbrückt werden müssen, etwa in Tunneln. Die Glasfaserleitung garantiert sogar einen Isolationserhalt von 180 Minuten.

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