DIHK-Konjunkturumfrage in der Industrie Geschäftsrisiken der kommenden Monate: Preise, Mangel, Nachfrage

Von Susanne Braun 4 min Lesedauer

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Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat rund 24.000 Industrieunternehmen befragt, um die Sorgen und Nöte fürs Geschäft zu identifizieren. Besonders Energie- und Rohstoffpreise, Fachkräftemangel, Inlandsnachfrage und Arbeitskosten geben den Unternehmen zu denken – Ihnen auch?

Welche Geschäftsrisiken bewegen die Industrie in den kommenden Monaten bis ins Frühjahr 2024?(Bild:  frei lizenziert / Tama66 /  Pixabay)
Welche Geschäftsrisiken bewegen die Industrie in den kommenden Monaten bis ins Frühjahr 2024?
(Bild: frei lizenziert / Tama66 / Pixabay)

Industrieunternehmen der unterschiedlichsten Branchen tragen wesentlich zur Produktions- und Wirtschaftsleistung Deutschland bei. Während Stahlwerke und Bauunternehmen möglicherweise im Detail nicht dieselben Probleme plagen, wie die Elektrohersteller, Chemieunternehmen oder die Automobilhersteller, so einen die Unternehmen und Konzerne im großen Blick auf die Industrie doch oft dieselben Sorgen und Nöte.

Einen Überblick darüber, welche Geschäftsrisiken im Herbst 2023 für die kommenden Monate gelten, gab die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) im Oktober 2023 – und an den genannten Risiken hat sich in den vergangenen Wochen wahrscheinlich nicht viel geändert. Die Umfrage unter den teilnehmenden Unternehmen der Region Deutschland war vom 11. September bis zum 6. Oktober 2023 aktiv und wurde über 79 Industrie- und Handelskammern (IHK) von rund 24.000 Unternehmenskontakten beantwortet. Das bedeutet: Die Konjunkturumfrage gibt einen ziemlich umfassenden Ausblick auf die Sorgen der kommenden Monate. Und wie sehen die aus?

Geschäftsrisiken der Industrie

Die Leute vom bekannten Statistikportal Statista haben die Geschäftsrisiken in eine handliche Grafik gekippt, die einen ziemlich schnellen Überblick gewährt. Vorweg müssen Sie sich vor Augen halten, dass Mehrfachnennungen möglich waren, somit ist es wenig überraschend, dass die zusammengezählten Ergebnisse den 100-Prozent-Wert überschreiten.

Auf Platz eins der Geschäftsrisiken im Herbst 2023 für die kommenden Monate stehen demnach die Preise für Energie und Rohstoffe (61 Prozent), Fachkräftemangel (58 Prozent) sowie die Inlandsnachfrage und Arbeitskosten (beide mit 53 Prozent). Ebenfalls riskant werden wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen gewertet (51 Prozent), während Auslandsnachfrage (42 Prozent), Finanzierung (17 Prozent) und Wechselkurse (4 Prozent) im Gros von den Teilnehmern der Umfrage als eher weniger drängend empfunden werden.

Statista hat die Geschäftsrisiken handlich in einer Balkengrafik dargestellt.(Bild:  Statista)
Statista hat die Geschäftsrisiken handlich in einer Balkengrafik dargestellt.
(Bild: Statista)

Interessant ist dabei der Einblick in die historische Entwicklung dieser Geschäftsrisiken im Rahmen der Konjunkturumfrage in den vergangenen zehn Jahren von der DIHK aus dem statistischen Anhang der Umfrage. So liegt die Sorge um Entwicklungen beim Wechselkurs bei exportlastigen Industrien derzeit deutlich tiefer als etwa im Jahr 2015 (bei etwas mehr als 25 Prozent).

Damals haben die Aussichten auf den Brexit etwa den britischen Pfund abgeschwächt, der chinesische Renminbi schwächelte ebenfalls, während der japanische Yen sehr stark war. Euro und US-Dollar waren zu der Zeit allerdings ziemlich stabil.

Dauerthemen und Ausreißer

Spürbar mehr Sorgen machen sich die Unternehmer bekanntlich seit 2020 hinsichtlich der Energie- und Rohstoffpreise, denn Produktions- und Lieferketten konnten wegen der weltweiten Pandemie nicht wie gewohnt aufrechterhalten werden. Obendrein zeigte dieses Phänomen auch die Schwächen der Globalisierung auf.

Dazu kam dann noch mit dem Konflikt im Osten Europas die Erkenntnis, dass fossile Energien wie Öl und andere Rohstoffe endlich sind – und deren Beschaffung nicht trivial. Zwischen 2022 und 2023 machte die Sorge um die Preise für viele Industrieunternehmen das Hauptrisiko aus.

Selbst als der Rohölpreis in den Jahren 2011 und 2012 zeitgleich zur EU-Schuldenstaatenkrise in schwindelerregende Höhen und noch über das Niveau von 2022 stieg, war die Sorge der Unternehmen hinsichtlich Energie und Rohstoffverfügbarkeit geringer.

Seit über zehn Jahren sind Themen wie wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die Inlandsnachfrage und die Arbeitskosten relativ stabil und gleichbleibend aktuelle Geschäftsrisiken.

Der Risiken-Trend der Industrie in den vergangenen zehn Jahren.(Bild:  DIHK)
Der Risiken-Trend der Industrie in den vergangenen zehn Jahren.
(Bild: DIHK)

Mit Blick auf die Coronakrise ist recht interessant zu sehen, wie stark die Sorge um Fachkräftemängel abnahm – nur um dann spätestens ein Jahr darauf mit gleicher Wucht zurückzukehren. Denn wenig überraschend beschäftigt das Thema Fachkräftemangel die Industrie bereits seit sechs bis sieben Jahren. Es steht zu vermuten, dass es das auch noch für viele weitere Jahre tun wird.

Auch Bürokratie kann ein fieser Plotstopper sein

Die vollständige Analyse der Umfrage unter 24.000 Unternehmen der Industrie können Sie auf der Webseite der DIHK einsehen. Dort gibt es auch eine spannende Aufschlüsselung der Geschäftsrisiken nach einigen Sektoren. Denn die Energie- und Rohstoffpreise sind zwar in der Herstellung und im Bau ein großer Sorgentreiber, im Sektor Handel hingegen steht verständlicherweise die Inlandsnachfrage im Vordergrund und bei den Dienstleistungen generell der Fachkräftemangel.

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Die Geschäftsrisiken im Herbst 2023 für die kommenden Monate, aufgeteilt nach Sektoren.(Bild:  DIHK)
Die Geschäftsrisiken im Herbst 2023 für die kommenden Monate, aufgeteilt nach Sektoren.
(Bild: DIHK)

Mit 51 Prozent liegen die Wirtschaftspolitik im Sektor Industrie, mit 51 Prozent die Arbeitskosten im Sektor Handel und mit 53 Prozent die Arbeitskosten im Sektor Dienstleistungen übrigens auf einem Allzeithoch. Interessant ist auch, dass rund 5.800 Freitext-Antworten zum Thema wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen eingegangen sind, und 38 Prozent dieser Freitextantworten Bürokratiethemen enthielten.

Wie passend, dass die Bundesregierung just am 1. Dezember 2023 ein Paket zur Reduzierung und Vereinfachung von Berichtspflichten auf EU-Ebene vorgeschlagen hat. Wenn man einen Blick in die 32 konkreten Vorschläge zum Berichtspflichtenabbau wirft und feststellt, dass wöchentlich Preise von Reis gemeldet werden, fasst man sich vielleicht ungläubig an den Kopf. Anders wiederum stellt Reis neben Weizen eines der Grundnahrungsmittel der Menschheit dar, da ist es sinnvoll, die Preisentwicklung im Auge zu behalten.

Zurück zur Konjunkturumfrage der DIHK im Herbst 2023: Für einen ganzheitlichen Blick auf die Industrie, wenngleich er nicht sehr granular ausfällt, lohnt sich die Auswertung der Daten, die Sie inklusive Anhang auf der Webseite der Deutschen Industrie- und Handelskammer finden. (sb)

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