Mobilfunk von morgen

Funknetz für das Internet der Dinge

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Extrem kurze Reaktionszeiten

"Damit ist das Fundament für eine kommende Standardisierung gelegt worden", sagt der Berliner Nachrichtentechniker. Außerdem hat das Projekt den Stein zur weiteren Entwicklung ins Rollen gebracht. In Europa wird das Thema nun mit dem Advanced 5G Infrastructure Public-Private Partnership Programm (5GPPP) der Europäischen Kommission weiter vorangetrieben, an dem auch Fraunhofer beteiligt ist. Die Ideen aus 5GNOW werden seit Juni auch im 5GPPP-Projekt FANTASTIC-5G weiterverfolgt, mit dem Ziel, eine 5G-Luftschnittstelle zu entwickeln und zur Standardisierung zu bringen.

"5GNOW hat für diese Projekte den Boden bereitet, indem wir zeigen konnten, dass die alternativen Wellenformen die erforderliche Robustheit und die Latenz bieten, um einen effizienten funkgestützten Zugang für das Internet der Dinge und das taktile Internet zu ermöglichen", betont Wunder.

›Taktil‹ wird das Netz durch extrem kurze Reaktionszeiten von etwa einer Millisekunde, so dass sich zum Beispiel Maschinen aus der Ferne vom Monitor aus bedienen lassen, als ob man vor Ort Knöpfe drücken würde. Diese nicht wahrnehmbare Verzögerung ist eine wichtige Voraussetzung für die Echtzeitkommunikation, ohne die wiederum das Internet der Dinge nie laufen lernen würde.

Damit sind etliche neue Anwendungen und Märkte denkbar. Fast jeder Lebensbereich könnte davon profitieren: vom smarten Wohnen über E-Health bis hin zu intelligenter Logistik und Verkehrssteuerung. "Es wird auch den Nutzern von Smartphones künftig nicht nur um Inhalte gehen, sondern darum, dass sie mit ihrem Gerät Dinge des Alltags steuern", sagt Wunder. Das Handy würde dann zum Allround-Echtzeit-Controller.

Die Experten des HHI arbeiten noch in einem weiteren Projekt am Mobilfunk der Zukunft mit. Sie sind beteiligt an dem von Samsung koordinierten Projekt mmMAGIC, das darauf zielt, Millimeterwellen-Technologien für 5G zu standardisieren. Denn die 5G-Mobilfunkzugangstechnologie wird voraussichtlich in einem Frequenzbereich von 6 und 100 GHz arbeiten und somit Millimeterwellen-Frequenzen einschließen. Derart hohe Frequenzen für die Mobilkommunikation zu verwenden, ist technisch anspruchsvoll, aber nötig, damit die extrem breitbandigen Dienste mit niedrigen Ende-zu-Ende-Latenzzeiten unterstützt werden können.

Um die neuen Technologien testen zu können, haben Experten am Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin am Kompetenzzentrum Next Generation Network Infrastructures NGNI einen 5G Playground aufgebaut. Diese Spielwiese schafft eine Forschungs- und Testumgebung für Wissenschaftler sowie Entwickler aus aller Welt, um an dem neuen Funkstandard zu feilen. Hier können Ideen und Prototypen erprobt, demonstriert und validiert werden. Die Zukunft des Mobilfunks hat begonnen – und zwar jetzt.

Originalveröffentlichung: Fraunhofer-Magazin weiter.vorn, Ausg. 1/2016, S.14 f

* Chris Löwer schreibt als freier Journalist für die überregionale Presse.

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