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Der Projektleiter bleibt 100% verantwortlich
Neben den positiven Effekten für die Lösungsfindung darf die motivierende Wirkung dieser Art zu führen nicht unterschätzt werden. Aktive Mitwirkung bei der Entwicklung eines Lösungsweges erhöht die Bereitschaft zu engagierter Beteiligung an der Umsetzung. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Die Projektverantwortung bleibt weiterhin 100% bei der Projektleitung! Wer meint, er könne sich hinter dem Team verstecken, weil er es stärker in Lösungsprozesse und Entscheidungen einbindet, ist schief gewickelt. Es heißt auch nicht, dass sich die Projektleitung fachlich heraushalten soll, sondern nur, dass sie dies nicht auf Kosten des Projekts, sowie der Entwicklung und Motivation der Mitarbeiter tun sollte.
Durch die stärkere Verschiebung der Führungsarbeit von der fachlichen Beratung und Anweisung hin zu Prozessgestaltung, Prozesssteuerung, Prozessmoderation oder Prozesscoaching gewinnen die sogenannten Softskills erheblich an Bedeutung. Die Fähigkeit zur situations- und personengerechten Kommunikation ist wiederum DIE herausragende Schlüsselkompetenz, wenn es darum geht, Prozesse wie Delegieren, Teambildung, Konfliktlösung, Problemlösung, Entscheidungsfindung, Innovation oder Veränderung zum Erfolg zu begleiten.
Schlüsselkompetenz Kommunikation
Je nachdem wann, wo und mit wem diese Prozesse durchlaufen werden, kommen die vielfältigen Methoden der Kommunikation, also das wie, zum Einsatz: Fragetechniken, Visualisierung, Verhandlungsmethoden, Metaphern, Feedback, Perspektivenwechsel, um nur einige zu nennen. Wer auf der Klaviatur der Kommunikation virtuos und zielführend Prozesse begleitet, kann sehr gut mit fachlichen Lücken leben, die ohnehin unvermeidlich sind.
Die Vernachlässigung oder unprofessionelle Gestaltung der Prozessebene und der Kommunikation zugunsten fachlicher Detailaufgaben behindern nicht nur die Entfaltung des Teampotentials sondern auch die Entwicklung der Führungskompetenz des Projektleiters. Sie werden jetzt mit Recht sagen: In kleinen Teams oder Projekten muss der Projektleiter auch fachlich ran. Ja, Sie haben Recht. Allerdings sollte der Erfüllung der Projektleitungsrolle und damit der Prozessgestaltung, -steuerung und -optimierung der Vorrang eingeräumt werden.
Kommen wir zurück zu Hirten und Schafen. Ich glaube, diese Metapher hat in modernen Unternehmen ausgedient. Wer als Projektleiter der allwissende Hirte sein will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er es bald nur noch mit Schafen zu tun hat. Ich weiß, ich tue den Schafen hier Unrecht, denn die sind nicht so doof, wie sie oft dargestellt werden. Der Projektleiter ist Primus inter Pares (Erster unter Gleichen), wenn es um die kreative Gestaltung und erfolgreiche Umsetzung von Prozessen geht. Er verhilft gleichzeitig jedem im Projektteam dazu, sein volles Potenzial und damit seine eigene Primusrolle zu finden und zu entfalten.
Kolumne
Projektmanagement zwischen Naivität und Selbstbetrug
Projektmanagement
Der Blick in den Spiegel – Was gute Projektleiter ausmacht
* In die Arbeit von Peter Siwon fließt die Erfahrung aus über 25 Jahren Berufspraxis in Forschung, Entwicklung, Vertrieb, Coaching und Geschäftsführung.
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