Digitalisierung Förderung reicht nicht – Industrie 4.0 beginnt in den Köpfen

Franz Graser

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Die Regierung von Baden-Württemberg hat zwei Programme mit einem Gesamtvolumen von 300 Millionen Euro zur Förderung von Innovationen im Bereich Industrie 4.0 aufgelegt. Für den Synapticon-Gründer und -Geschäftsführer Nikolai Ensslen reicht dies nicht, damit die deutsche Industrie den Anschluss behält.

Nikolai Ensslen, Gründer und Geschäftsführer von Synapticon, hält es für bedenklich, dass die Politik die mittelständischen Unternehmen zur Digitalisierung der Wirtschaft motivieren muss.(Bild:  Tobias Fröhner/Synapticon)
Nikolai Ensslen, Gründer und Geschäftsführer von Synapticon, hält es für bedenklich, dass die Politik die mittelständischen Unternehmen zur Digitalisierung der Wirtschaft motivieren muss.
(Bild: Tobias Fröhner/Synapticon)

Ziel der Förderprogramme ist es, Innovationen bei Digitalisierung und Industrie 4.0 anzukurbeln, um die globale Wettbewerbsfähigkeit der Mittelständler – vor allem im Maschinenbau – zu sichern. Für Nikolai Ensslen, Gründer und Geschäftsführer des Filderstädter Embedded- und Robotik-Spezialisten Synapticon, ist die staatliche Förderung allerdings nur die halbe Miete.

Aus seiner Sicht stehen insbesondere die deutschen Unternehmen unter Zugzwang: „Es ist extrem bedenklich, dass der Staat die Industrie motivieren muss“, warnt Nikolai Ensslen. „Ich hoffe, dass das staatliche Angebot genutzt wird, und dass sich mehr Mittelständler die Frage stellen, wie sie auf die Digitalisierung reagieren. Fest steht, dass ganze Branchen vor einem extremen Wandel stehen, der auch vor etablierten Marktführern und hochspezialisierten Unternehmen nicht halt macht.“

Der Synapticon-Gründer, dessen Unternehmen weltweit zu den wichtigsten Industrie-4.0-Innovatoren gezählt wird, macht die derzeit gute Wirtschaftslage für eine gewisse Trägheit bei den Mittelständlern verantwortlich. Aktuell seien die Betriebe zwar noch erfolgreich, sie liefen aber Gefahr, den Anschluss zu verpassen, wenn sie die Digitalisierung der Industrie verschliefen. Die Politik habe dies erkannt.

Speziell im Vergleich zu Unternehmen in den USA und China sieht Synapticon, dass im deutschen Mittelstand zu zögerlich auf die Digitalisierung in der Produktion reagiert wird. So krempele beispielsweise Google von den USA aus ganze Märkte um, da das Unternehmen frühzeitig den Wert und die Bedeutung von Daten in Produktionsprozessen erkannt habe.

„Google entwickelt sich vom Online-Unternehmen zunehmend zu einer Macht in der physischen Wirtschaft. Die Umstrukturierung hin zu Alphabet ist ein Signal dafür, wie das Unternehmen auf den Wandel in vielen Branchen reagiert. Alphabet wird seine Macht im Bereich der Datenerfassung und Datennutzung noch aggressiver nutzen“, erklärt Nikolai Ensslen. „Es zeichnet sich ab, dass die Unternehmen am meisten an der Wertschöpfung profitieren, die die ihnen zur Verfügung stehenden Daten am besten nutzen. Dieser Wettbewerbsfaktor wird von vielen deutschen Mittelständlern massiv unterschätzt.“

Deshalb sieht Synapticon in staatlichen Programmen zwar gute, aber keineswegs ausreichende Grundlagen für eine erfolgreiche Digitalisierung der deutschen Industrie. Die größte Verantwortung liege nach Meinung von Synapticon bei den Unternehmen selbst, die vielerorts zu zögerlich seien. Die Filderstädter Hightech-Schmiede selbst hat vor wenigen Wochen einen eigenen Standort im Silicon Valley eröffnet, um näher an den Entwicklungen rund um die Digitalisierung der Industrie zu sein.

„Das Festhalten an bewährten Prozessen, die Angst vor Industriespionage durch vermehrten Einsatz von IT in der Produktion sowie die Unwilligkeit zur Nutzung offener Standards und Plattformen sind allesamt Hemmschuhe für eine erfolgreiche Digitalisierung der Wirtschaft“, bemängelt Ensslen. „Ich hoffe, dass es gelingt, Ängste und Vorbehalte abzubauen um nicht den Anschluss an Wettbewerber zu verlieren, die vielen Unternehmen heute womöglich noch gar nicht bekannt sind. In einer digitalisierten Wirtschaft aber beschleunigt sich neben Prozessen auch der Wandel – und diesen gilt es zu gestalten.“

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