An der Bürokratie gescheitert Europapark steigt aus Deutschlands größtem PV-Projekt aus

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Eigentlich sollte es viel grüner Strom für den Park werden, doch nun steigt der Europapark aus dem PV-Projekt aus. In Kooperation mit dem Automobil-Logistiker Mosolf hätte der größte Solarpark in Deutschland entstehen sollen.

Nicht nur die magnetisch beschleunigten Achterbahnen benötigen viel Strom, welcher aus eigener Produktion kommen sollte.(Bild:  Europa-Park GmbH & Co Mack KG)
Nicht nur die magnetisch beschleunigten Achterbahnen benötigen viel Strom, welcher aus eigener Produktion kommen sollte.
(Bild: Europa-Park GmbH & Co Mack KG)

Freiburg zählt zu den Gegenden mit dem schönsten Wetter in Deutschland. Die Region von dort bis ins 200 Kilometer entfernte Mannheim verbucht jedes Jahr die meisten Sonnenstunden. Warum also nicht dort eine Photovoltaik-Anlage in Betrieb nehmen?

Der Plan, welcher im Dezember 2022 veröffentlicht wurde, klang spannend. Der Automobil-Logistiker Mosolf wollte 20 Hektar seiner Parkplatz-Fläche nutzen, um grünen Strom zu erzeugen. Die Hälfte der Anlage in Lahr-Kippenheim sollte dann den nur etwa 5 Kilometer entfernten Europapark versorgen.

Die Anlage

Die Dimensionen der Anlage waren sehr umfangreich. Die Fläche von 20 Hektar entspricht etwa 28 Fußballfeldern und wäre damit etwa ein Fünftel so groß, wie der Park selbst (95 Hektar). Die Leistung war mit etwa 25 Gigawattstunden pro Jahr angesetzt und die Kosten hätten sich auf etwa 30 Millionen Euro belaufen. Die Fertigstellung war noch für 2024 geplant.

Die Entscheidung des Europaparks, aus dem Photovoltaik-Projekt auszusteigen, hat weitreichende Konsequenzen für die Region und die Nachhaltigkeitspläne des Parks. Der geplante Rückzug verdeutlicht die Herausforderungen, denen sich große Infrastrukturprojekte im Bereich erneuerbarer Energien stellen müssen. Bürokratische Hürden, technische Herausforderungen und wirtschaftliche Überlegungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Diese Problematik verdeutlicht, wie wichtig es ist, pragmatische Lösungen zu finden, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich tragfähig sind.

Sie sind an Stromversorgungen interessiert?

Power of Electronics am 11. und 12. September 2024 in Würzburg

Power of Electronics
(Bild: VCG)

Das Elektronikevent für Entwickler und Ingenieure bündelt sechs Spezialkonferenzen, die sich angefangen von der effizienten Stromversorgung über die intelligente Nutzung von elektrischer Leistung, effektiver Elektronikkühlung, neuester Relaistechnik, bis hin zur geordneten Abführung der überschüssigen Energie erstrecken.
Buchen Sie ein Ticket und erhalten Sie die Möglichkeit, die Vorträge aller sechs Veranstaltungen zu besuchen.

Die Gründe

Doch warum steigt ein Freizeitpark in solch eine große Anlage ein? Das Land Baden-Württemberg verpflichtete Vergnügungspark dazu, den Strom aus regenerativen Quellen zu liefern, sollten gewissen Bauvorhaben geplant und umgesetzt werden. Die gemeinschaftliche Anlage mit Mosolf wäre dafür jedoch nicht angerechnet worden. Außerdem hätte die Anbindung eine Stromtrasse über eine Bahnstrecke hinweg, sowie über die Autobahn erfordert. Auch dies war vom Verwaltungsaufwand kaum noch rentabel.

Die Alternative

Trotz des Rückschlags bleibt die Vision des Europaparks bestehen, einen nachhaltigen Betrieb sicherzustellen. Das Langfristige Ziel des Parks ist nun, die eigenen Flächen zu nutzen. Dies ist bei der Größe des Parks natürlich auch noch immer rentabel, allerdings muss jetzt ein Ersatz-Partner für Mosolf her, welcher den Anteil des Europaparks übernimmt. Ziel des Parks ist es, in den Sommermonaten den eigenen Strombedarf komplett selbst zu decken. Dazu werden nun entsprechende Flächen begutachtet.

Es ist wirklich schade, dass nun das größte Projekt für Parkplatz-Photovoltaik in Deutschland nicht wie geplant und in der vorgesehenen Geschwindigkeit zum Bau kommt. Es besteht jedoch noch Hoffnung, dass es mit einem anderen Investor klappt und somit eine jetzt schon versiegelte Fläche zum Kraftwerk für eine ganze Region wird. Aber auch dieses Beispiel zeigt wieder, dass die Energiewende nur funktionieren kann, wenn Bund, Länder sowie die Betreiber einen Weg finden, solche Anlagen einfacher umzusetzen und für gewissen Regelungen einmal eine Ausnahme machen.  (mr)

(ID:50107900)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung