Festkörperbatterien Europäische Initiative zur Industrialisierung von Festelektrolyten

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 2 min Lesedauer

Um unabhängiger von Batterien aus Asien zu werden benötigt Europa mehr Kompetenzen im Bereich der Batterietechnik. Lithium-Ionen-Batterien sind jedoch längst nicht mehr gefragt. Vielleicht kommen daher bald Festkörperbatterien aus europäischer Produktion.

Ein europäischer Vorstoß: Die Initiative zur Industrialisierung von Festelektrolyten für Festkörperbatterien.(Bild:  Syensqo)
Ein europäischer Vorstoß: Die Initiative zur Industrialisierung von Festelektrolyten für Festkörperbatterien.
(Bild: Syensqo)

Mit der Gründung von Argylium bündeln Syensqo (Belgien) und Axens (Frankreich) ihre Kompetenzen, um einen zentralen Engpass der Batterietechnologie anzugehen: die industrielle Skalierung fortschrittlicher Festelektrolyt-Materialien für Festkörperbatterien. Das neue Unternehmen zielt darauf ab, Sulfid-basierte Festelektrolyte aus dem Pilotstadium in eine marktreife Produktion zu überführen – ein entscheidender Schritt für die nächste Generation von Energiespeichern in Europa.

Festkörperbatterien als Schlüsseltechnologie

Festkörperbatterien gelten als eine der vielversprechendsten Weiterentwicklungen heutiger Lithium-Ionen-Systeme. Der Ersatz flüssiger Elektrolyte durch feste Materialien verspricht mehrere Vorteile. Zum einen eine deutlich höhere Sicherheit, da brennbare Flüssigkeiten entfallen. Zum anderen eine höhere Energiedichte sowie das Potenzial für schnellere Ladezyklen.

Trotz intensiver Forschung scheiterte der breite industrielle Einsatz bislang häufig an der Komplexität der Materialien und der fehlenden Skalierbarkeit der Produktionsprozesse. Häufig bei sulfidischen Festelektrolyten, die hohe ionische Leitfähigkeit bieten, aber anspruchsvoll in Herstellung und Verarbeitung sind.

Aufbauend auf Pilotprojekten und jahrelanger Forschung

Argylium knüpft direkt an die Vorarbeiten von Syensqo an. Das Unternehmen betreibt seit mehreren Jahren eine Pilotanlage für Festkörperbatterien im französischen La Rochelle und kann auf mehr als ein Jahrzehnt Forschung und Materialentwicklung in seinem Labor in Aubervilliers bei Paris zurückgreifen. Diese technologische Basis soll nun gezielt in Richtung industrieller Demonstrationsanlagen weiterentwickelt werden. Der Fokus liegt dabei auf der Beschleunigung der Industrialisierung von Sulfid-Festelektrolyten für sogenannte All-Solid-State Batteries (ASSB). Ziel ist es, reproduzierbare, skalierbare Prozesse zu etablieren, die den Übergang von Labor- und Pilotmengen zu industriellen Produktionsvolumina ermöglichen.

Neben Syensqo bringt Axens seine langjährige Erfahrung in der Prozessentwicklung und im industriellen Scale-up ein. Das Unternehmen verfügt über mehr als 50 Jahre Erfahrung im Bau und Betrieb chemischer Industrieanlagen und ist insbesondere in der anorganischen Chemie international etabliert. Ergänzt wird das Konsortium durch das französische Forschungsinstitut IFP Energies nouvelles (IFPEN), welches fundiertes Know-how in der anorganischen Chemie sowie in der Verarbeitung oxidischer und sulfidischer Pulvermaterialien beisteuert.

Beitrag zur europäischen Batterie-Strategie

Argylium positioniert sich klar im Kontext der europäischen Batterie- und Elektrifizierungsstrategie. Durch die enge Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten, Automobilherstellern, Batterieproduzenten und Energie-Technologiepartnern will das Unternehmen einen Beitrag zum Aufbau einer wettbewerbsfähigen, nachhaltigen Wertschöpfungskette für Festkörperbatterien in Europa leisten.

Langfristig zielt das Projekt darauf ab, bis etwa 2030 die Voraussetzungen für eine kommerzielle Produktion von Festelektrolyten zu schaffen und damit die Abhängigkeit Europas von außereuropäischen Batterietechnologien zu verringern. (mr)

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