Speicher-Boom bei Rechenzentren Engpässe bei DRAM und HBM: Rückenwind für Chinas Speicherindustrie

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Für den Bau von KI-Datenzentren werden weltweit so viele DRAM-Speicherchips benötigt, dass nicht mehr genug für die Hersteller von Smartphones und Computern übrig bleibt. Die aktuelle Lage verschafft chinesischen Herstellern wie CXMT Rückenwind.

In Hefei verspricht man sich viel vom Speicherhersteller CXMT.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
In Hefei verspricht man sich viel vom Speicherhersteller CXMT.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Die Nachfrage nach Speicherchips für KI-Rechenzentren geht seit einiger Zeit durch die Decke. Das sorgt unter anderem dafür, dass es kaum noch Verfügbarkeiten für Hersteller von Consumer-Elektronik gibt. HP, einer der größten Laptop-Hersteller der Erde, erwägt daher zum ersten Mal Einkäufe in China. Dies berichtet das chinesische Tech-Portal Kuai Keji unter Berufung auf einen Bericht der Bank of America.

Tae Kim, ein Analyst bei Barron's, hatte zuvor auf sozialen Medien aus dem Bericht zitiert. Angeblich erwäge HP, chinesische Hersteller von Speicherchips in seine Lieferketten aufzunehmen. Aus Angst vor neuen Boykotten aus Washington seien diese potenziellen Lieferungen allerdings nur für den asiatischen und europäischen Markt gedacht, hieß es. HP habe das alles aber noch nicht endgültig entschieden, hieß es.

Mehrere Medien in China und Asien spekulieren, dass der chinesische Hersteller CXMT von dieser Situation profitieren und eine Großbestellung von HP erhalten könnte. „Der PC-Riese HP plant, DRAM direkt von ChangXin Memory Technology (CXMT) zu beziehen“, schreibt Kuai Keji.

Speichermarkt unter Druck

Derzeit wird der globale DRAM-Markt von drei Unternehmen dominiert: von Samsung und SK Hynix in Südkorea sowie von Micron Technology in den USA. Gemeinsam haben diese drei Unternehmen einen Anteil von etwa 90 Prozent am Weltmarkt für DRAM, was für „Direct Random Access Memory“ steht und neuerdings in großen Mengen in Datenzentren benötigt wird.

Doch alle drei großen Anbieter konzentrieren sich derzeit auf den lukrativeren Markt für Datenzentren. Micron zieht sich darüber hinaus aus dem Markt für Verbraucherelektronik zurück und hat die Endkundenmarke Crucial eingestellt.

Es ist schwer geworden, genügend von diesen Produkten zu bestellen, selbst für große Player wie HP. Diese Entwicklung treibt die Preise sowohl für die in Hauptarbeitsspeichern eingesetzten DRAM als auch für die schnelleren HBM-Speicher (High Bandwith Memory) auf dem Weltmarkt seit Anfang dieses Jahres stark nach oben.

Besonders in den ersten zehn Tagen dieses Jahres seien die Preise stark gestiegen und hätten den höchsten Stand seit 2018 erreicht, berichtet das chinesische Finanzblatt Xinlang Caijing. Er sei schon seit langer Zeit in dieser Branche tätig, sagte Jeff Clarke, COO von Dell, im Dezember 2025 einem Reporter des Magazins Wired, und dies „ist der schlimmste Versorgungsengpass, den ich je gesehen habe.“

DRAM made in China

CXMT, mittlerweile der größte chinesische Hersteller von Speicherchips, war im Jahr 2016 gegründet worden, nachdem ein chinesischer Staatsbetrieb bei der Übernahme von Micron gescheitert war. Die Stadtregierung von Hefei entschied, dass man einen eigenen, chinesischen DRAM-Hersteller brauche.

Die staatlichen Kapitalgeber, die langfristig die Abhängigkeit ihres Landes von unzuverlässigen Lieferanten aus dem Ausland verringern wollen, haben viel Geduld. Bisher durfte CXMT jährlich große Verluste machen, um in Forschung und Entwicklung sowie hochwertige Produktionsstätten investieren zu können. Inzwischen hat man bei CXMT gegenüber dem Ausland technologisch aufgeholt. Der kürzlich vorgestellte DDR5-DRAM der Firma steht denen der „Großen Drei“ qualitativ in nichts nach, sagen Analysten.

Große chinesische Kunden wie Alibaba Cloud, Tencent und Xiaomi nutzen schon seit längerer Zeit die Speicherprodukte von CXMT. Kürzlich hat das Unternehmen auch einen Börsengang in Shanghai angemeldet, bei dem es umgerechnet rund eine halbe Milliarde Euro an Kapital einzusammeln hofft. Diese Mittel sollen dann in noch mehr F&E und einen massiven Kapazitätsausbau investiert werden.

Für die Stadtregierung von Hefei in der chinesischen Provinz Anhui, die sich als aktiver Industrieinvestor positioniert hat, wäre dies nicht der erste erfolgreiche Technologie-Exit. Hefei hatte bereits durch strategische Beteiligungen am Displayhersteller BOE und später am angeschlagenen E-Auto-Produzenten NIO hohe Gewinne erzielt. (sb)

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