Schaltschrank-Klimatisierung

Energie-Effizienzsprung unter Beweis gestellt

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Durch Mehrspannungsfähigkeit in alle Netze

Bei der Neuentwicklung wurde aber auch in anderen Bereichen auf die Wirtschaftlichkeit ein besonderes Augenmerk gelegt. So sind jetzt sämtliche Geräte mehrspannungsfähig und können mit praktisch allen weltweit üblichen Netzspannungen betrieben werden. Der mögliche Eingangsspannungsbereich geht von 110 V (einphasig) bis 480 V (dreiphasig) bei Netz-frequenzen von 50 Hz oder 60 Hz. Möglich wird diese Mehrspannungsfähigkeit durch die eingesetzte Inverter-Technologie.

Der große Vorteil, der insbesondere bei Maschinenbauern von Interesse ist, die ihre Maschinen weltweit vertreiben, ist der geringere Logistikaufwand. Das Kühlgerät ist immer das gleiche, egal ob die Maschine nach Japan, in die USA oder innerhalb Europas ausgeliefert werden soll. Außerdem erhalten alle neuen Kühlgeräte ein UL-Listing, was die Abnahme einer Maschine auf dem US-amerikanischen Markt deutlich vereinfacht.

Nicht nur durch die Mehrspannungsfähigkeit nimmt die Zahl der Varianten ab; auch die Leistungsbereiche wurden so angepasst, dass jetzt mit nur drei Geräten der gesamte Bereich von 1,5 bis 6 kW abgedeckt werden kann. Dies verringert den logistischen Aufwand beim Maschinenbauer weiter. Auch im Engineering ergeben sich hierdurch Vorteile. Die Ausschnitte in der Seitenwand oder der Tür des Schaltschranks ist für alle Geräte gleich. Dadurch muss an der Maschine keine Anpassung vorgenommen werden, wenn beispielsweise ein Kühlgerät mit einer größeren Kühlleistung notwendig ist.

Auch bei der Montage an sich gibt es Neuerungen: Bei Teileinbau, was in rund 30% der Fälle die Regel ist, müssen Lüfter, Erdungskabel und Bedienteil nicht mehr abgeklemmt werden. Fehler bei der Montage, die dann während der Inbetriebnahme zu einer kostenintensiven Fehlersuche führen können, sind damit wesentlich unwahrscheinlicher. Sowohl für Maschinenbauer als auch für Unternehmen aus dem Schaltanlagen- und Steuerungsbau machen sich diese Neuerungen mit einfacherer Logistik und Lagerhaltung sowie kürzeren Arbeitszeiten sowohl beim Engineering als auch bei der Montage bemerkbar. Auch dies sind deutliche Vorteile im Bezug auf die Wirtschaftlichkeit.

Komfortable Bedienung der Kühlgeräte

Bei der Bedienung der neuen Kühlgeräte setzt man jetzt ein Bedienpanel ein, das mit einem Touchdisplay ausgestattet ist. Dadurch wird eine intuitive Bedienbarkeit der Geräte gewährleistet. Auf dem Display werden Statusmeldungen in Klartext statt der bis heute üblichen Codes dargestellt. Im Servicefall kann dadurch schneller reagiert werden; in vielen Fällen kann sich das Bedienpersonal selbst helfen, ohne dass Spezialisten hinzugezogen werden müssten. Auch präventive Wartungshinweise sind in das Bedienkonzept integriert. Dadurch lassen sich Wartungen optimal planen und Stillstandszeiten können vermieden werden. Die Textanzeigen sind generell zweisprachig, wobei sich die beiden Sprachen frei wählen lassen. Auch asiatische und kyrillische Schriftzeichen sind dabei möglich.

Ergänzendes zum Thema
CO2-Ausstoß bei herkömmlicher Schaltschrank-Klimatisierung

Europaweit sind Schätzungen zufolge circa 2 Millionen Schaltschrank-Klimageräte am Netz, die mit einer angenommen Anschlussleistung von 2 Gigawatt (Ø 1 kW pro Gerät) für einen CO2-Ausstoß von etwa 4 Millionen Tonnen pro Jahr verantwortlich sind.

Um mit übergeordneten Systemen zu kommunizieren, stehen bei den Geräten der Serie Blue e+ mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. Neu ist eine NFC-Anbindungen (Near Field Communication), mit der sich die wichtigsten Daten mit einem Smartphone übertragen lassen. Ideal geeignet ist diese Möglichkeit, um mit der passenden Smartphone-App Set-up-Daten an eine ganze Reihe von Kühlgeräten zu übertragen. Gleichzeitig lassen sich auch Auswertungen – zum Beispiel aus der Temperaturregelung – ganz einfach auf dem Smart-phone visualisieren und speichern. Über die integrierte USB-Schnittstelle lässt sich ein PC anschließen, auf dem in der Diagnosesoftware RiDiag alle Daten aus dem Kühlgerät ausführlich dargestellt und ausgewertet werden können. Mit einem optionalen Add-on-Modul ist auch die Echtzeitanbindung beispielsweise an eine SPS möglich. Als Protokolle stehen dazu CAN und Ethernet/Profinet zur Verfügung. Gerade im Umfeld der Diskussionen zum Thema Industrie 4.0 ist solch eine Echtzeitanbindung von großer Bedeutung.

Erste Testergebnisse bei der Audi AG

Seit Januar 2015 befindet sich ein Testgerät der Serie Blue e+ im Leistungscheck in der Endkontrolle des Ingolstädter Autobauers Audi. Bei der Teststellung an drei Schaltschränken erfolgt eine Vergleichsmessung der Neuentwicklung mit zwei weiteren Kühlgeräten von Rittal. Verglichen wird Blue e+ mit einem Kühlgerät der aktuellen Serie TopTherm Blue e und einem älteren Kühlgerät. Die Teststellung soll über ein Jahr laufen. Bereits jetzt bestätigen die ersten Ergebnisse des Feldtests exakt die Leistungsmessungen aus der Entwicklung. „Im direkten Vergleich mit dem aktuellen TopTherm Blue e Kühlgerät von Rittal und unter gleichen Bedingungen haben wir mit dem Blue e+ Gerät bisher 75% Energieeinsparung bei der Kühlung dieser Produktionssteuerung erzielen können“, erklärt Andreas Korn, Mitarbeiter Planung Automatisierungstechnik Ingolstadt, von Audi. Und ergänzt: „Mit den Blue e+ Kühlgeräten setzt Rittal neue Maßstäbe für Energieeffizienz in der Schaltschrank-Klimatisierung.“

* Dipl.-Ing. Steffen Wagner ist Abteilungsleiter Produktmanagement Climatisation bei Rittal in Herborn.

* Hans-Robert Koch ist Leiter Fachpresse, Unternehmenskommunikation bei Rittal in Herborn.

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