EKG-Rekorder Elektronischer Online-Kardiologe überwacht das Herz
Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS hat in Kooperation mit Intecsoft medical ein Gesamtsystem entwickelt, das zukünftig EKG-Befunde durch einen Online-Kardiologen ermöglicht. Auffällige Messwerte oder Unregelmäßigkeiten werden als Ampel angezeigt.
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Mit einem Elektrokardiogramm, kurz EKG, lassen sich vielfältige Aussagen zur Gesundheit des menschlichen Herzens treffen. Durch die Ableitung, Aufzeichnung und Analyse der elektrischen Aktivitäten des Herzens werden unter anderem die Herzfrequenz und der Herzrhythmus ermittelt. So können Herzerkrankungen, wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündungen oder sogar ein Herzinfarkt erkannt und rechtzeitig behandelt werden.
Typischerweise erfolgt die Untersuchung durch einen Kardiologen oder im Krankenhaus, wenn ein operativer Eingriff notwendig ist. Um jedoch das Ausmaß von Herzrhythmusstörungen zu bewerten oder um seltene bzw. phasenweise auftretende Rhythmus- oder Durchblutungsstörungen des Herzens aufzuspüren, kommt typischerweise ein Langzeit-EKG zum Einsatz. Hierbei trägt der Patient meist über einen Zeitraum von 24 Stunden oder länger ein tragbares EKG-Gerät mit sich, das die elektrische Aktivität des Herzens aufzeichnet. Am nächsten Tag bringt der Patient das Gerät in die Praxis zurück, wo die Daten dann durch einen Facharzt ausgewertet werden müssen.
Herzstörungen außerhalb der Arztpraxis diagnostizieren
Mit einem Inhouse-entwickelten und seit 2013 medizinisch zugelassenen 3-Kanal-EKG-Rekorder, der Langzeit-EKGs im Heimbereich unter Alltagsbedingungen ableitet, bewertet und dem Arzt in Echtzeit per Funk zur Verfügung stellt, konnte hier bereits ein erster Meilenstein gesetzt werden.
Jetzt haben die Forscherinnen und Forscher die Auswertungsalgorithmen für den EKG-Rekorder standardisiert, um sie in einem webbasiertes Gesamtsystem anwenden zu können. Geplant ist, ein Portal zu etablieren, auf dem sich Kardiologen registrieren und die Befundung der EKG-Messewerte ortsunabhängig durchführen können.
EKG-Mitschnitt bei auffälligen Messwerten
Die Auswertung der Daten basiert auf der Rhythmusbewertung, QRS-Klassifikation, Analyse der Vorhofaktivität, ST-Streckenveränderungen (Ischämien) und QT-Vermessung. Bereits während des Tragens werden die Patientendaten durch ein standardzugelassenes System im EKG-Rekorder ausgewertet.
Bei auffälligen Messwerten und Unregelmäßigkeiten, sendet das Gerät einen EKG-Ausschnitt über ein Gateway direkt zum Portal. Das kann beispielsweise das Smartphone des Patienten sein. Die Qualität der Messdaten wird noch erhöht, indem zusätzlich die Bewegung und körperliche Aktivität des Patienten mit Sensoren erfasst und ausgewertet werden. Durch die Verknüpfung der Bewegungsinformationen mit den EKG-Daten können auftretende Veränderungen im EKG der zugehörigen körperlichen Belastungssituation zugeordnet werden.
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Die Daten werden dann auf dem Portal durch entsprechende Fachärzte ausgewertet und ein persönlicher Befund wird erstellt. Der behandelnde Arzt kann die Auswertung der Daten jederzeit abrufen und seinen Patienten danach entsprechend versorgen, ohne dass dieser noch zusätzlich einen Facharzt aufsuchen muss.
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