Antriebstechnik Elektromotoren müssen kräftig Energie sparen

Redakteur: Holger Heller

Mit Inkrafttreten der EU-Motorenverordnung werden die Betriebe bis Anfang 2017 bei Neuanschaffungen schrittweise steigenden Anforderungen zur Energieeinsparung unterworfen. Welche Auswirkungen hat dies auf die Betriebe und Motorenhersteller?

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Hohe Einsparpotenziale: Stromverbrauch von Elektromotoren weltweit (TWh im Jahr). In Klammern: Anteil an allen Motoren (Internationale Energie-Agentur)
Hohe Einsparpotenziale: Stromverbrauch von Elektromotoren weltweit (TWh im Jahr). In Klammern: Anteil an allen Motoren (Internationale Energie-Agentur)

Nach der Devise „Weniger Verbrauch ist die beste Energiewende“ hoffen die Hersteller solcher Motoren wie Siemens, ABB, Hitachi und Hyundai auf das große Geschäft. Das Einsparpotenzial durch die neuen Energieeffizienzklassen IE2 und IE3 erscheint gewaltig.

Rund zwei Drittel des industriellen Stromverbrauchs in der EU und in der Welt entfallen auf die in Fabriken arbeitenden Elektromotoren. Nimmt man Gewerbe und öffentliche Einrichtungen hinzu, ergibt sich laut ZVEI allein für Deutschland ein Einsparpotenzial von 38 Mrd. KWh im Jahr. Dabei unterstellt der Verband eine vollständige Erneuerung des Motorenparks durch die neuen Standards, ergänzt durch elektronische Drehzahlregelung der Motoren in der Hälfte aller Fälle.

Der ZVEI dämpft jedoch allzu hohe Erwartungen. Bei einer Modernisierungs- bzw. Austauschrate der Industriemotoren in Deutschland bei 3 bis 4% im Jahr, würde es Jahrzehnte dauern, ehe der komplette Motorenbestand modernisierte wäre. Die Hersteller hoffen natürlich auf einen schnelleren Austausch, aber sie bestätigen, dass die Kunden im Zwiespalt zwischen teureren Motoren und Stromeinsparung stehen.

Die erhöhten Anforderungen gelten schließlich nur für neue Motoren. Wer seine alten Antriebe weiter nutzt oder sie nur modernisiert, bleibt außen vor.

10 Prozent Mehrkosten beim ersten Schritt der EU-Motorenverordnung

Schon der erste Schritt in der EU-Motorenverordnung kostet mehr: Je nach Konfiguration betrage die Preissteigerung in der Anschaffung gut 10% und mehr, bestätigt der ZVEI. Dagegen setzt er aber die Einsparung von 10% bei den laufenden Kosten durch die optimierten Motoren und eine effiziente Steuerungselektronik.

Vor diesem Hintergrund ist für die Motorenhersteller klar: In der Regel amortisierten sich die neuen Motoren in weniger als zwei Jahren, so ein Sprecher von ABB. Zahlreiche Kunden ziehen laut ABB bereits den großen Sprung zum Endstandard IE3 in Erwägung.

Mit der ab sofort gültigen Effizienzklasse IE2 schließt sich Europa Ländern wie Brasilien, China und Korea an - ein Grund, warum Umweltschützer von wenig ehrgeizigen Zielen sprechen. Technisch höhere Standards wären schon jetzt kein Problem. Aber man zeige sich zufrieden, dass die EU mit ihren verschärften Vorschriften den Unternehmen Beine mache.

Im übrigen gibt es keine Regel ohne Ausnahme: Motoren in den Lagern der Hersteller dürfen noch verkauft werden.

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