Die Elektromobilität zieht immer weitere Kreise: nach E-Scooter, E-Bikes und Elektro-Pkws, -Lkws und -Bussen sollen nun auch Panzer einen Elektroantrieb bekommen. So jedenfalls plant es der deutsche Rüstungszulieferer Renk: in Zusammenarbeit mit dem britischen Rüstungskonzern QinetiQ will Renk den Panzer Leopard 2 mit einem Hybridantrieb ausstatten. Doch wie alltagstauglich ist ein E-Panzer auf dem Schlachtfeld?
Der Kampfpanzer Leopard 2: das vielleicht bekannteste Waffensystem des Heeres. 1.500 PS beschleunigen den 60-Tonnen-Koloss auf knapp 70 km/h.
(Bild: GNU Free Documentation License)
Elektrische Antriebe im militärischen Kontext sind keine neue Erfindung. Bereits im Ersten Weltkrieg experimentierten Ingenieure mit hybrid-elektrischen Lokomotiven, um Munitionszüge näher an die Front zu bringen, wo Dampfkessel zu auffällig waren. Das Problem: Gewicht und Empfindlichkeit.
Auch im Zweiten Weltkrieg gab es ähnliche Versuche. Die deutschen Panzerentwickler experimentierten mit dem Elektroantrieb – beispielsweise beim Mausprojekt von Ferdinand Porsche. Der 188-Tonnen-Koloss nutzte einen Verbrennungsmotor, der Generatoren antrieb, welche die Elektromotoren speisten. Das Ergebnis war allerdings zu schwer, zu komplex und zu wartungsintensiv.
Der Panzer Maus: Der 188-Tonnen -Panzer mit wurde benzin- bzw. diesel-elektrisch angetrieben.
(Bild: gemeinfrei)
Auch in jüngerer Zeit, etwa in den 1980ern, prüfte die US-Armee vollelektrische Fahrzeuge für Aufklärungszwecke. Doch die Batterien waren noch immer zu schwer und damit die Reichweite zu gering.
Dank der enormen Fortschritte in der Akkutechnologie sind mittlerweile Elektroantriebe auch in der Militärtechnik nicht mehr utopisch. So plant etwa die australische Regierung, die Fahrzeuge ihrer Armee nach und nach durch elektrische Pendants zu ersetzen. Der Vorteil: Elektrische Militärfahrzeuge sind fast lautlos unterwegs.
Genau dieser Vorteil spricht auch laut Renk für den geplanten Leopard 2 mit Hybridantrieb. Der sogenannte „Silent-Watch-Betrieb“, verursacht nur wenig Geräusche. Darüber hinaus könnte der Panzer im Notfall dank des zusätzlichen Elektroantriebs schnell seine Stellung verlassen („Escape Boost“), denn der Start des Dieselmotors eines Panzers kostet viel Zeit.
In der Praxis würde der Hybridpanzer rein elektrisch fahren, bis sich ab einer gewissen Geschwindigkeit der Verbrennungsmotor dazuschaltet. Ein Aufladen an einer Ladesäule ist nicht nötig, da die Batterien vom Dieselantrieb über einen Generator geladen werden. Folglich müssen auf dem Schlachtfeld auch keine Ladesäulen zur Verfügung stehen.
Hybridantriebe bei militärischen Kettenfahrzeugen
Wären aber auch vollelektrische Militärfahrzeuge denkbar? Im Falle des Leopard 2 muss diese Frage derzeit noch mit einem klaren „Nein“ beantwortet werden. Dazu muss man nur einmal den Energieverbrauch des 60-Tonnen-Ungetüms überschlagen, wie das Elektromobilitätsportal e-engine gezeigt hat. Demnach beträgt der Kraftstoffverbrauch des Leopard 2 beim Einsatz im Gelände bis zu 530 Liter Diesel auf 100 Kilometer, auf normalen Straßen sind es immer noch rund 410 Liter.
Die derzeit besten Zellen bringen es auf eine Energiedichte von 450 Wh/Liter. Da ein rein elektrisch angetriebener Panzer keine Kraftstofftanks benötigt, könnte man die Tanks des Leo mit ihrem Volumen von 1.200 Liter mit Batterien füllen. Damit käme man auf eine Batteriekapazität von 540 kWh. Da auch die MTU-Turbine vom Typ MB 873 Ka-501 entfiele, ergäbe sich eine Brutto-Batteriekapazität von etwa 1 MWh, von denen erfahrungsgemäß 960 kWh nutzbar wären.
1.200 Liter Diesel wiegen rund 1 Tonne, der Dieselmotor etwa 2,2 Tonnen. Die gedachte Batterie würde etwa 6,25 Tonnen wiegen. Damit wäre der Elektro-Leopard rund drei Tonnen schwerer als das Diesel-Modell. Der Elektro-Leo würde etwa 1.412,25 kWh auf 100 Kilometern verbrauchen und hätte damit eine Reichweite von gerade einmal 67 Kilometer. Rechnet man noch den Energiebedarf der gesamten Bord-Elektrik und -Elektronik mit ein, sinkt die mögliche Reichweite nochmals – und im Winter wäre sie noch geringer.
Da auf einem Schlachtfeld bekanntlich keine Schnellladestationen zu finden sind, müsste den vollelektrischen Leo also ständig ein Tankzug mit Dieselaggregat begleiten, um die Batterien bei Bedarf aufladen zu können – ein fantasisches Ziel für feindliche Angriffe! Mit der heutigen Batterietechnik ist ein dem Leopard 2 vergleichbarer Elektropanzer somit zwar denkbar, aber eine ganz schlechte Idee.
Vollelektrischer Radpanzer mit Dieselmotor als Range-Extender
Aber es muss ja kein 60-Tonnen-Kettenfahrzeug sein, wenn man an vollelektrische Militärfahrzeuge denkt. Was machbar ist, hat vor einigen Jahren schon die Flensburger Fahrzeugbau GmbH (FFG) mit ihrem vollelektrischen Radpanzer Genesis bewiesen, der sogar tauchen kann. Der Prototyp, ist ein 8x8-Radpanzer, bei dem jedes seiner acht Räder von einem 171-kW–Elektromotor angetrieben wird. Ein ebenfalls installierter Dieselmotor arbeitet als Range-Extender, der während der Fahrt die Batterien lädt.
Stand: 08.12.2025
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Der Genesis-Prototyp: ein rein elektrisch fahrender 8x8-Radpanzer mit 1.860 PS.
(Bild: FFG)
Der Genesis-Prototyp wiegt 25 Tonnen und kann Einsatzmodule mit bis zu 15 Tonnen transportieren. Das Fahrzeug erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 100 km/h und die Reichweite im rein elektrischen Betrieb beträgt bis zu 150 Kilometer, mit laufendem Range-Extender sogar bis zu 600 Kilometer.
Neben bemannten Militärfahrzeugen könnten zunächst auch unbemannte Fahrzeuge bis zu 20 Tonnen mit Hybridmotoren ausgestattet werden. Laut Renk eröffnet die Elektrifizierung und Hybridisierung große Wachstumschancen. Das Unternehmen ist sicher, dass Militärs weltweit künftig auf Hybridantriebe und Digitalisierung ihrer Fahrzeuge setzen werden. Allerdings wäre das mit höheren Kosten verbunden. Renk-Chefin Susanne Wiegand geht deshalb von weltweit massiv steigenden Verteidigungsausgaben aus.
Die bestätigt auch eine Analyse des globale Marktforschungs- und Managementberatungs-Unternehmens Global Market Insights Inc. Demnach betrug die Größe des Militärfahrzeug-Elektrifizierungsmarktes 2023 rund 4,7 Mrd. US-Dollar und soll bis 2032 auf mehr als 38,5 Mrd. US-Dollar anwachsen.
Treibstoff muss auch zukünftig transportiert werden
Eine Elektrifizierung von Militärfahrzeugen ist sicher auch aus Umweltschutzgründen der richtige Weg. Allerdings wird man auf Diesel letztlich nicht verzichten können, denn der Treibstoff wird weiterhin für Generatoren benötigt, um die leisen Fahrzeuge aufzuladen. Ein Weg aus diesem Dilemma wäre die Brennstoffzelle, welche die dann kleineren und leichteren Batterien der vollelektrischen Fahrzeuge laden könnte. Dass es funktioniert, beweisen zahlreiche bereits heute auf unseren Straßen fahrende LKWs und Busse. Dann müssten die Tankfahrzeuge eben Wasserstoff statt Diesel zum Schlachtfeld fahren. (tk)
* Thomas Kuther ist freier Fachjournalist und Inhaber des Kuther Media Service.