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Der große Durchbruch kam erst nach Diesels Tod

Gerade als der Dieselmotor begann, seinen wahren Durchbruch zu erleben, kam der Erfinder selbst ums Leben. Am 29. September 1913 bestieg Rudolf Diesel das Schiff „Dresden“, auf dem er eine Kabine für eine Fahrt über den Ärmelkanal von Belgien nach England gebucht hatte, um in London an einem Treffen der Consolidated Diesel Manufacturing Ltd. teilzunehmen. Während der nächtlichen Überfahrt ging der 55-Jährige über Bord und ertrank. Bis heute sind die Umstände des Todes nicht vollends aufgeklärt. Während manche Zeitgenossen von einem Selbstmord des Erfinders ausgingen, munkelte man auch Jahre später noch von einem Unfall oder möglicherweise sogar einem Mord.
Der Siegeszug seiner Erfindung ließ sich allerdings auch durch den Tod des Erfinders nicht mehr bremsen. Da die Brand- und Explosionsgefahr von Dieselmotoren im Vergleich zu Benzinern vergleichsweise gering war, fand die Technologie zunehmend in der Schifffahrt und auch bei U-Booten Verbreitung. 1923 wurde der Erste Diesel-LKW gebaut – Auftakt einer großen Lastkraftwagenflotte, die den Fernhandel bis in die heutige Zeit prägt. In den 30er Jahren fand die Technologie schließlich auch ihren Weg in die PKW-Welt: Die Autohersteller Mercedes und Hanomag (Hannoversche Maschinenbau AG) präsentierten auf der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung in Berlin erstmals serienreife Automodelle mit Dieselmotor.
Für den weltweiten Handel ist der Dieselantrieb immer noch elementar, vor allem im Schiffsverkehr und in Lastkraftwägen. Als Antrieb von Autos ist er zwar durch den VW-Abgas-Skandal in Verruf gekommen. Vor allem in Deutschland aber haben Dieselfahrzeuge immer noch einen hohen Marktanteil, wenngleich dieser seit Aufkommen der Affäre etwas abgenommen hat.
In Deutschland stellen Dieselautos aktuell etwa ein Drittel des PKW-Bestands. Bei den Neuzulassungen ging ihr Marktanteil 2016 jedoch von 48 auf 45,9 Prozent zurück, weil mehr Kunden als im Vorjahr Benziner kauften. Absolut gesehen war knapp jeder zweite Neuwagen ein Diesel.
Die Feinstaubbelastung gerade durch ältere Dieselmotoren ist heute allerdings vielen Natur- und Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Umweltverbände fordern, die bisher niedrigere Besteuerung von Diesel zu erhöhen, damit sich Ökoantriebe in Elektroautos oder in Brennstoffzellen-Fahrzeugen schneller durchsetzen können. Mit Stuttgart hat am 21. Februar 2017 - fast auf den Tag genau 125 Jahre, nachdem Rudolf Diesel seinen Patentantrag stellte – erstmals eine deutsche Großstadt ein komplettes Fahrverbot für ältere Dieselmodelle verhängt; weitere Städte wollen dem Vorbild folgen. Langfristig, so scheint es, wird der Dieselmotor seinen Abschied aus der PKW-Welt nehmen. In Schiff- und Fernfahrt wird uns die Technologie allerdings noch wesentlich länger erhalten bleiben.
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