EMS-Tag 2025 Digitale Prognosen für effizientes EMS-Bestandsmanagement

Von Susanne Braun 4 min Lesedauer

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Volle Lager, gebundenes Kapital und unsichere Planungen sind in vielen EMS-Unternehmen seit der Chipkrise Standard. Wie digitale Datenmodelle und Prognoseverfahren Bestände effizient steuern und Liquidität sichern können, erfahren Sie live beim EMS-Tag 2025 in Würzburg.

Effizientes Bestandsmanagement: Digitale Tools helfen, Lagerbestände transparent und planungssicher zu steuern.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Effizientes Bestandsmanagement: Digitale Tools helfen, Lagerbestände transparent und planungssicher zu steuern.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Die Chipkrise hat in vielen EMS-Unternehmen zu strukturellen Überbeständen geführt, was wiederum gravierende Folgen für Liquidität, Planungssicherheit und Ressourceneinsatz nach sich zog. Besonders kleine und mittelständische Betriebe stehen vor der Herausforderung, ihre Lagerbestände effizient zu steuern, ohne operative Flexibilität einzubüßen.

Wie lässt sich diese Baustelle angehen? Boris Ulmer, Director Product Management von Electronic Direct von der Conrad-Gruppe, und Doktorand, stellt im Rahmen seines Vortrags beim EMS-Tag am 22. Oktober 2025 evidenzbasierte Methoden vor. Ziel ist es dabei, durch digitale Datenmodelle und Prognoseverfahren Transparenz entlang der Supply Chain zu schaffen und Informationsasymmetrien zu reduzieren.

Überbestände vermeiden. Flexibel reagieren. Transparenz schaffen. – Was EMS jetzt brauchen.

Zu den vorgestellten Ansätzen gehören standardisierte Datenstrukturen, Vendor Managed Inventory (VMI), stochastische Nachschubsysteme, Füllratenmodelle und KI-gestützte Forecasts. Ergänzend werden Instrumente zur Liquiditätssteigerung diskutiert – darunter Rückkaufmodelle, Konsignationslager und digitale Marktplätze.

Damit diese Methoden ihre Wirkung entfalten, ist die Qualität der zugrunde liegenden Daten entscheidend. In vielen EMS-Betrieben existieren noch fragmentierte Systeme oder manuelle Prozesse, die Prognosen verfälschen können. Ulmer betont daher die Notwendigkeit konsistenter, aktueller und standardisierter Daten, um verlässliche Modelle zu entwickeln und Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Ulmer zeigt, wie sich diese Verfahren unabhängig von Unternehmensgröße und Digitalisierungsgrad implementieren lassen. Besonders durch die gezielte Einbindung von Distributoren können Unternehmen Reaktionszeiten verkürzen, Bestandsrisiken senken und ihre Planungsprozesse nachhaltig verbessern.

Klare Kommunikation & kluge Köpfe: Der EMS-Tag

Möchten Sie wissen, ob sich diese Herangehensweise auch für Ihr Unternehmen lohnt? Dann besuchen Sie den Vortrag von Boris Ulmer beim 23. Würzburger EMS-Tag! Vorab haben wir Herrn Ulmer bereits einige Fragen gestellt. Ihre eigenen können Sie sehr gerne am 22. Oktober 2025 im Vogel Convention Center Herrn Ulmer persönlich stellen!

Boris Ulmer ist seit 2001 in der Chipbranche tätig und heute Director Product Management beim unabhängigen Distributor Electronic Direct, einem Tochterunternehmen der Conrad-Gruppe.(Bild:  Electronic Direct)
Boris Ulmer ist seit 2001 in der Chipbranche tätig und heute Director Product Management beim unabhängigen Distributor Electronic Direct, einem Tochterunternehmen der Conrad-Gruppe.
(Bild: Electronic Direct)

Herr Ulmer, woran erkennt man, dass man ein Lagerproblem hat?

Boris Ulmer: Ein Lagerproblem zeigt sich, wenn Bestände deutlich über der tatsächlichen Nachfrage liegen und Kapital langfristig gebunden wird. Typische Anzeichen sind unter anderem steigende operative Lagerkosten und zunehmende Knappheit an Lagerplätzen.

In der Praxis wird dies oft ganz banal erkennbar: Mitarbeiter stellen fest, dass die Regale voll sind, Bauteile mit alten Date Codes auftauchen und das Controlling dauerhaft zu hohe Bestände moniert. Spätestens dann ist klar, dass es sich nicht mehr um normale Schwankungen handelt, sondern um ein strukturelles Problem.

Welche Ihrer vorgestellten Modelle lassen sich besonders einfach in KMU implementieren – auch ohne hohe IT-Investitionen?

Für KMU eignen sich eine Vielzahl von Ansätzen. Wohlbemerkt zeichnen sich die von Distributoren bereitgestellten Lösungen dadurch aus, dass sie zeitnah verfügbar, investitionsarm und mit geringem Implementierungsaufwand realisierbar sind. Als intermediäre Schlüsselakteure agieren sie über klassische Logistikfunktionen hinaus, indem sie Datenflüsse koordinieren, Bestandsbündelung und Kooperationsmodelle unterstützen und dadurch Transparenz in Wertschöpfungsnetzwerken fördern.

Entscheidend ist jedoch zunächst eine durchgängige Datentransparenz – sowohl innerhalb des Unternehmens als auch unternehmensübergreifend entlang der Supply Chain. Auf dieser Basis können Unternehmen standardisierte Kennzahlen definieren und anwenden, die eine objektive Steuerung von Beständen ermöglichen. Solche Ansätze lassen sich direkt in bestehende ERP-Systeme integrieren und liefern schnell sichtbare Effekte.

Was ist Ihrer Erfahrung nach der wichtigste erste Schritt, um aus einem „symptomatischen Bestandsmanagement“ eine nachhaltige Strategie zu machen?

Der entscheidende erste Schritt ist die Herstellung von Transparenz über die eigenen Bestands- und Prozessdaten. Solange nur auf Überhänge reagiert wird, bleibt das Management symptomatisch und kurzfristig. Eine nachhaltige Strategie setzt auf standardisierte Datenerfassung und klare Kennzahlen, die eine objektive Grundlage für Entscheidungen schaffen.

Auf dieser Basis lässt sich das Bestandsmanagement in drei komplementäre Handlungsebenen differenzieren: präventiv, indem Transparenz genutzt wird, um künftige Überbestände von vornherein zu vermeiden; proaktiv, indem belastbare Daten eine frühzeitige Anpassung von Beständen, Forecasts und Kooperationsmodellen ermöglichen; und reaktiv, indem unvermeidbare Überhänge durch gezielte Maßnahmen wie Rückkaufprogramme, Umlagerungen oder digitale Plattformlösungen abgebaut werden. Dabei darf man sich nicht allein auf Maschinen und automatisierte Forecasts verlassen, sondern muss deren Plausibilität regelmäßig prüfen. Exogene Faktoren wie Konjunkturzyklen, Lieferengpässe oder geopolitische Entwicklungen sollten stets in einer übergeordneten Betrachtungsebene berücksichtigt werden. Erst auf dieser Grundlage können digitale Plattformen und distributor-gestützte Modelle wirksam genutzt werden, um langfristig Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

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Technologische Lösungen im Bestandsmanagement dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Damit digitale Systeme wirksam sind, müssen die individuellen Erfahrungen, Erkenntnisse und Urteilsprozesse der handelnden Akteure in die Anwendung integriert werden. Nur wenn das Individuum als gestaltender Faktor neben der binären Logik digitaler Systeme berücksichtigt wird, entsteht ein Ansatz, der sowohl nachhaltig als auch erfolgreich ist. (sb)

Event-Tipp

Das Managementtreffen für die EMS-Branche

Der EMS-Tag gilt als eines der wichtigsten Managementtreffen der Branche, bei dem aktuelle Veränderungen, erfolgversprechende Strategien, generelle Managementfragen und wichtige technologische Entwicklungen in der Elektronikwelt analysiert und diskutiert werden. Das Programm bietet praxisorientierte Vorträge und interessante Einblicke in den EMS-Markt.

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