Nächster Tech-War? Die China-Hardliner in Washington entdecken das Thema Robotik

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Folgt auf den „Chip War“ jetzt der „Robot War“? Amerikanische Robotikhersteller haben im US-Kongress politische Maßnahmen gegen ihre chinesische Konkurrenz gefordert, berichtete die South China Morning Post (SCMP).

Symbolbild: Robotikhersteller befinden sich auf dem Weg zum massentauglichen Humanoiden.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Symbolbild: Robotikhersteller befinden sich auf dem Weg zum massentauglichen Humanoiden.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Mit ihrem Appell vor dem US-Kongress hoffen die US-amerikanischen Robotikhersteller offenbar, die Parlamentarier und später auch das Weiße Haus zu protektionistischen Maßnahmen gegen Hersteller von humanoiden Robotern in China zu bewegen, heißt es in einem exklusiven Bericht der South China Morning Post aus Washington.

Die USA versuchen seit mehreren Jahren Chinas Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz durch Boykotte von KI-Chips zu bremsen. So hat die US-Regierung etwa den Verkauf der leistungsstärksten KI-Chips von Nvidia in die Volksrepublik verboten. Washington übt auch starken Druck auf verbündete Staaten wie die Niederlande und Japan aus, keine Ausrüstung zur Herstellung solcher Chips nach China zu liefern, insbesondere fortgeschrittene Lithografiemaschinen.

Nun hoffen Robotikhersteller in den USA offenbar, dass ihre Regierung chinesische Wettbewerber in ähnlicher Weise behindern könnte. „Das Tempo, mit dem China bei humanoiden Robotern voranschreitet, sei alarmierend, und die US-Regierung sollte koordinierte politische Maßnahmen und Strategien entwickeln, um der Dominanz chinesischer Unternehmen in dieser Branche entgegenzuwirken“, zitierte die Zeitung aus einer Anhörung vor dem Unterausschuss für Cybersicherheit und Infrastrukturschutz, der zum Ausschuss für Heimatschutz gehört.

Ein Appell an die Regierung

Das Rennen um die technologische Führung wird maßgeblich unter diesen Unternehmen ausgefochten.(Bild:  Asia Waypoint)
Das Rennen um die technologische Führung wird maßgeblich unter diesen Unternehmen ausgefochten.
(Bild: Asia Waypoint)

Angehört wurde unter anderem der Manager Max Fenkell des KI-Unternehmens Scale AI aus San Francisco, das mit dem US-Verteidigungsministerium zusammenarbeitet. Er äußerte sich besorgt über die Fortschritte der Roboter chinesischer Hersteller, unter anderem bei Unitree, die bei der Neujahrsgala im chinesischen Fernsehen zu sehen waren. „Das Video ging viral, nicht weil es beeindruckend war, sondern weil die Menschen es mit dem Vorjahr verglichen; vor zwölf Monaten, als sich dieselben Roboter kaum durch eine Tanzroutine bewegen konnten“, sagte Fenkell. „Dieses Jahr machen sie Karate“, fügte Fenkell hinzu. So etwas sei nur durch den „gesamtstaatlichen Ansatz“ in China möglich, argumentierte er laut SCMP.

Auch Matthew Malchano, Vizepräsident für Software beim US-Roboterhersteller Boston Dynamics, trat als Zeuge vor dem Unterausschuss auf. Er verwies unter anderem darauf, dass auf der diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas chinesische Unternehmen mit humanoiden Robotern die US-Firmen zahlenmäßig etwa im Verhältnis fünf zu eins übertroffen hätten.

Die US-Regierung solle „Maßnahmen und Strategien entwickeln, um der Dominanz chinesischer Unternehmen in dieser Branche entgegenzuwirken“, forderten die Vertreter der amerikanischen Robotikhersteller dem Bericht zufolge. Unter anderem empfehlen sie „staatliche Maßnahmen wie die Untersuchung der nationalen Sicherheitsrisiken durch chinesische Roboterhersteller, die Ausweitung von Exportkontrollen auf KI-Inference-Chips sowie ein mögliches Verbot für Bundesbehörden, bestimmte chinesische KI-und Robotik-Technologien zu beschaffen“, berichtete die Zeitung aus Washington.

Angriff auf den Vorsprung

Rush Doshi, Direktor der China Strategy Initiative beim Council on Foreign Relations, schickte eine schriftliche Stellungnahme an den Unterausschuss. Die USA müssten „selbst in der Lage sein, Roboter in großem Maßstab zu produzieren“, schrieb er. Ein weiterer Zeuge forderte den Kongress auf, eine „koordinierte nationale Robotikstrategie zu verabschieden“, berichtete SCMP. Es gehe darum, „Chinas Marktdominanz zu begegnen“.

Vor dem Hintergrund des intensiven KI-Wettrennens zwischen den USA und China habe in Washington im Verlauf des vergangenen Jahres die Besorgnis über Chinas Aufstieg in der Robotik zugenommen, hieß es. Wenn Sprecher der amerikanischen Industrie und Kongressabgeordnete sich nun mit Bezug auf humanoide Roboter dem Thema nationale Sicherheit zuwenden, deute dies darauf hin, „dass humanoide Roboter zu einem neuen Schauplatz der sich verschärfenden technologischen Rivalität zwischen den USA und China werden könnten“, schreibt die Zeitung aus Hongkong.

Wie schon bei den Versuchen, Chinas KI-Fähigkeiten auszubremsen, dokumentieren auch diese neuen Debatten im Hinblick auf Robotik vor allem die große Verunsicherung, die Chinas schneller Aufstieg zu einem immer ebenbürtigeren Wettbewerber in den USA auslöst. „Es gibt eine Mischung aus Bewunderung und Angst gegenüber Chinas Industriepolitik“, sagte Kyle Chan, Fellow am John L. Thornton China Center von Brookings, gegenüber der South China Morning Post. Möglicherweise werde sich das Weiße Haus aber nicht sofort mit dem Thema beschäftigen, denken einzelne Analysten. Donald Trump und sein Team seien derzeit anderswo gut ausgelastet, hieß es sinngemäß. (sb)

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