Der Elektronikdienstleister IMM electronics spürte schon 2019 Bewegungen innerhalb der eigenen Märkte. Die Veränderungen wurden Anfang 2020 immer deutlicher und waren meist nicht positiv. Und dann kam das Coronavirus.
Professor Detlev Müller: Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der IMM electronics
(Bild: IMM electronics)
„Uns ging es hier wie vielen deutschlandweit. Wir waren Beobachter der weltweiten Nachrichten, das Ausmaß und die Auswirkungen der Verbreitung des Virus waren schwer einzuschätzen“, fasst Professor Detlev Müller, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der IMM electronics GmbH, ein weltweit agierender, mittelständischer Elektronikdienstleister, zusammen.
In fast 30 Jahren am Markt hat IMM schon einige Krisen erlebt. Anders als sonst ist nun jedoch die ganze Welt betroffen und mit einer unbekannten Krankheit konfrontiert, die alle unerwartet getroffen hat. Zudem wirken sich nun die Gegensteuerungsmaßnahmen, die die ganzen Länder ergriffen haben, massiv auf die Wirtschaft aus.
Der Ausfall zahlreicher Live-Veranstaltungen in diesem Jahr bedeutet für die Kunden der IMM electronics GmbH und damit auch für IMM den Einbruch eines ganzen Absatzmarktes. Die für den professionellen Markt entwickelten und gefertigten Geräte und Gerätesysteme zur Audio-Signalverarbeitung und -verbreitung sind aktuell nur gering gefragt. Auch die Nachfrage im Bereich Exergaming/Systems, ganz besonders nach der twall, einem innovativen Reaktions- und Trainingsgerät, ist aufgrund der Unsicherheiten und Turbulenzen im Eventmarkt nahezu auf Null gesunken.
Die Tendenzen gehen zunehmend zu Verschiebungen von Aufträgen und Projekten. In der Beschaffung machen sich Verzögerungen in den Lieferketten bemerkbar und hohe Materialbestände sorgen für hohe Lagerhaltungskosten sowie Liquiditätsbindung.
Gas geben und nicht abwarten
„Noch bevor die Herausforderungen sichtbar oder gar spürbar waren, haben wir uns darauf verständigt, dass wir gerade jetzt Gas geben müssen und nicht abwarten können. Fast täglich haben wir uns besonders in der Anfangszeit in einem Krisenstab abgestimmt und Maßnahmen beschlossen“ erklärt Professor Müller.
Mit dem Credo „Unsere Fahnen wehen. Jetzt mit Abstand – auf Dauer!“ entwickelte sich schnell eine Kommunikationsstrategie, die zeigen soll, dass es vorangeht. IMM möchte die Chancen der Krise nutzen - Bewegung statt Stillstand.
Ein gelebtes Partnerverständnis, das seit fast 30 Jahren in der Firmenphilosophie des familienfreundlichen Familienunternehmens mit 150 Mitarbeitern verankert ist sowie ein zügig agierendes und vorausschauendes Krisen- / Störfall- / Notfallmanagement hat IMM sehr im Umgang mit der Krise geholfen.
„Wir pflegen ein offenes Verhältnis zu unseren Kunden und Partnern. Dies macht es einfacher, in diesen Zeiten zusammenzuhalten. Auch auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Banken und Finanzdienstleistern können wir uns verlassen. Hier helfen auch die Zusagen der Bundesregierung. Es ist wichtig, immer im Dialog miteinander zu bleiben und sich zu engagieren – auch im normalen Tagesgeschäft“, rät Professor Müller anderen Unternehmern.
Gute Netzwerke und Partnerschaften bauen natürlich auf ein Geben und Nehmen auf. So stärkte IMM gemeinsam mit der IMM Stiftung und der Firma prostartup auch die Region, unter anderem durch das Verteilen kostenfreier Mund-Nasen-Schutzmasken an gemeinnützige Einrichtungen oder durch Geldspenden für Vereine.
Auch innerhalb des IMM-Teams war die Solidarität groß. Die Mitarbeiter sind dankbar für die Unterstützung untereinander, aber ebenso für die zahlreichen Hilfsmaßnahmen des Unternehmens wie Regelungen zu Pausen oder Beihilfen zur Kinderbetreuung, was durch die Schließung der Kindergärten und Schulen notwendig war.
Firmengründer Professor Müller befindet sich selbst gerade im Prozess der Nachfolgeregelung und hatte sich bereits weitestgehend aus dem Tagegeschäft herausgenommen. Er erklärt: „Zum Jahresbeginn haben wir mit René In der Stroth einen jungen Mitarbeiter, der zuvor als Prokurist und CFO für IMM tätig war, zum Geschäftsführer gemacht. Es war eine offizielle Übergabe geplant.
Dass er so schnell ins Krisenmanagement hinein muss, hat keiner gewusst und keiner gewollt. Und dass ich so deutlich im Rahmen des Krisenmanagements in die Firma zurückkehren muss, das hatte ich auch nicht geahnt. Das hatte ich mir nicht vorstellen können. Wir machen aber eine ganz gute Arbeitsteilung.“
René In der Stroth: Der neue COO bei IMM electronics durfte gleich ans Krisenmanagement ran.
(Bild: IMM electronics)
Mit der Corona-Krise waren die Herausforderungen für den zweiten Geschäftsführer René In der Stroth bereits zu Beginn seiner neuen Position sehr groß. „Anfang des Jahres hätte ich die Situation anders eingeschätzt und damit auch Investitionen anders geplant. In dieser Hinsicht hat IMM seine Leistungsstärke bewiesen und kurzfristig nachhaltig reagieren können“, sieht der neue COO René In der Stroth einen positiven Aspekt in der Krisenarbeit. Innerhalb kürzester Zeit wurden Prozesse so umgestaltet und entsprechendes Equipment angeschafft, dass aus dem Home-Office heraus Kundenaufträge effizient bearbeitet werden können und zugleich die Gesundheit der Mitarbeiter und Partner nicht gefährdet ist.
Stand: 08.12.2025
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„Die Produktionsmitarbeiter konnten wir nicht einfach heimschicken. Hier haben wir uns viele Gedanken gemacht. Seit längerer Zeit hatten wir überlegt, ein Zwei-Schicht-System für die Produktion einzuführen. Jetzt kam in der Krise die Devise: Abstand. Wir konnten unsere Mitarbeiter sicher weiterarbeiten lassen, indem wir in zwei Schichten gearbeitet haben und sozusagen auf Abstand produzieren konnten“, beschreibt René In der Stroth eine konkrete Maßnahme, die im Rahmen des Krisenmanagements kurzfristig umgesetzt worden war.
Und weiter: „Durch die veränderte Arbeitsorganisation, besonders hinsichtlich Flexibilität der Mitarbeiter, aber auch durch die Digitalisierung in den Kommunikationsmitteln sind wir in einigen Bereichen schneller vorwärtsgekommen, als ich es vor einem halben Jahr für möglich gehalten hatte. Corona hat einerseits viel bewegt, andererseits unsere Ziele verändert.“
Und was bleibt nach Corona? Prof. Müller fasst dies so zusammen: „Ich würde uns allen Wünschen, dass wir viele Chancen aus der Krise nutzen. Die Erfahrung bewahren, dass es auch anders geht, dass es einige Sachen entschleunigt und dies auch Spaß machen kann. Auch eine globalisierte Welt sollte global bleiben, aber unter Beachtung bestimmter Erkenntnisse und Erfahrungen, die wir jetzt aus der Krise nehmen.“
Im kommenden Jahr steht am 1. April der 30. Firmengeburtstag an. IMM plant optimistisch dieses Jubiläum nicht ausschließlich digital, wie im Juni dieses Jahres bei den IMM TAGen noch nötig, sondern auch wieder durch gemeinsame Treffen mit den wichtigsten Kunden, Partnern und allen Mitarbeitern – dann weiterhin mit Abstand zusammen – durchzuführen.