NSA-Affäre Die abhörsicheren Smartphones der Bundeskanzlerin

Redakteur: Peter Koller

Kanzler Helmut Kohl ließ sich von seinem Fahrer Eckhard Seeber noch zu Telefonzellen fahren, wenn er unterwegs vertraulich telefonieren wollte. Nachfolgerin Merkel hat andere Optionen zur Verfügung. Wie sich die Bundesregierung vor Abhörversuchen schützt.

Angela Merkel auf der CeBIT 2013 mit dem neuen Handy von Secusmart auf Blackberry-Basis
Angela Merkel auf der CeBIT 2013 mit dem neuen Handy von Secusmart auf Blackberry-Basis
(Deutsche Messe)

Beim traditionellen Rundgang der Bundeskanzlerin auf der Computermesse CeBIT war Angela Merkel (CDU) in diesem Jahr auch in eigener Sache unterwegs. Bei der Telekom-Tochter T-Systems und beim Düsseldorfer Sicherheits-Spezialisten Secusmart konnte sie sich eine neue Generation hochsicherer Smartphones anschauen.

Ergänzendes zum Thema
Secusmart: Lauschangriffe schädigen Marktposition der deutschen Automobilbranche

Laut den Abhörschutzexperten der Secusmart GmbH ist im Bereich der Wirtschaft momentan vor allem die Automobilbranche von Lausch- und Abhörangriffen betroffen. „Erst Anfang dieses Jahres berichtete der Tagesspiegel unter Berufung auf das Handelsblatt, dass vertrauliche Baupläne und weitere Daten der Automobilindustrie in die Hände eines chinesischen Wettbewerbers gelangt waren. Dass das für die deutsche Automobillandschaft Folgen hat, muss nicht explizit erwähnt werden“, so Dr. Hans-Christoph Quelle, Geschäftsführer der Secusmart GmbH. "Lauschangriffe sind immer und überall an der Tagesordnung. Von Anfang an sicher zu kommunizieren, kann Deutschlands Automobilbranche einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern", so Dr. Quelle.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) prüft derzeit diese beiden Handys für 4000 Beamte im Berliner Politikbetrieb bis hinauf zur Kanzlerin. Ende des Sommers sollen erste Geräte zur Verfügung stehen.

Secusmart setzt auf der Plattform des kanadischen Smartphone-Herstellers Blackberry auf. Die Verschlüsselung des entsprechend angepassten Blackberry Z10 ist vom BSI in die Geheimstufe "Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch VS-NfD" eingestuft.

Die Bonner Behörde erteilte der kanadisch-deutschen Lösung erst ihren Segen, als sichergestellt war, dass die Daten nicht länger über ein Rechenzentrum vom Blackberry in Großbritannien transportiert werden.

Das BSI wollte also schon vor dem Bekanntwerden des britischen Schnüffelprogramms Tempora lieber auf Nummer sicher gehen. Ohnehin wird beim Z10 derzeit nur die Sprache verschlüsselt. Die Datenverschlüsselung soll in den kommenden Monaten eingeführt werden.

Die zweite Lösung, die Bundeskanzlerin Merkel und andere Geheimnisträger dienstlich verwenden dürfen, ist das Gerät SiMKo 3 der Telekom-Tochter T-Systems. Dabei handelt es sich im Prinzip um ein herkömmliches Smartphone von Samsung, das von T-Systems allerdings komplett entkernt wird.

Die Android-Software von Google und die Samsung-Erweiterungen werden entfernt. Stattdessen kommt eine auf dem freien Betriebssystem Linux beruhende Software zum Einsatz, die in den T-Labs der Telekom und der Universität Dresden entwickelt wurde. Das SiMKo kann derzeit wiederum nur die Daten verschlüsseln und wird in den kommenden Monaten um eine Sprach-Kryptografie erweitert.

Ob die Kanzlerin und ihre Minister stets die abhörsicheren Verbindungen nutzen, steht allerdings auf einem anderen Papier. "Jeder weiß, dass wir unsere privaten Telefone benutzen, obwohl es verboten ist", sagte FDP-Chef Philipp Rösler im Mai bei seiner Tour durch das kalifornische Silicon Valley.

Rösler findet sein iPhone von Apple wesentlich cooler und nutzt es auch eifrig. Ins Regierungsnetzwerk kommt er damit nicht, seine Mitarbeiter müssen deshalb für ihn sensible Daten abfragen.

(DPA)

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