Brain-Computer-Interface Deutsches Hirn-Implantat zum zweiten Mal implantiert

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

In einer US-Klinik wurde das vollständig implantierbare CorTec-System erfolgreich bei einem Patienten eingesetzt. Es kombiniert kontinuierliche neuronale Aufzeichnung mit adaptiver Echtzeit-Stimulation und ermöglicht vielversprechende Rehabilitationserfolge bei Schlaganfall-Patienten.

Das Brain-Computer-Interface (BCI) des Unternehmens CorTec aus Freiburg wurde zum zweiten Mal erfolgreich implantiert.(Bild:  CorTec)
Das Brain-Computer-Interface (BCI) des Unternehmens CorTec aus Freiburg wurde zum zweiten Mal erfolgreich implantiert.
(Bild: CorTec)

Die deutsche Ingenieurskunst erobert die Neurotechnologie: Das Freiburger Unternehmen CorTec hat sein vollständig implantierbares Brain-Computer-Interface-System (BCI) „Brain Interchange“ zum zweiten Mal erfolgreich bei einem Patienten eingesetzt. Die Transplantation erfolgte am renommierten Harborview Medical Center in Seattle. Das vollständig in Deutschland entwickelte und gefertigte BCI-System durchläuft derzeit eine von der FDA genehmigte klinische Studie.

Wenn Elektronik mit dem Gehirn kommuniziert

CorTecs Brain Interchange ist das Herzstück und mehr als ein passives Messsystem. Die implantierbare Plattform kombiniert die kontinuierliche Erfassung der elektrischen Hirnaktivität mit einer gezielten elektrischen Stimulation in Echtzeit. Mithilfe des Closed-Loop-Ansatzes sind personalisierte neurotherapeutische Interventionen möglich.

„Der Eingriff verlief reibungslos, und der Patient erholt sich wie erwartet“, bestätigt Dr. Martin Schüttler, CTO von CorTec. „Die nahtlose Zusammenarbeit zwischen unseren deutschen Entwicklungsteams und den US-Medizinern zeigt, wie technische Innovation und klinische Forschung verschmelzen können. Mit jedem Schritt gewinnen wir wertvolle Erkenntnisse für die Zukunft dieser Technologie.“

Deutsche Wertschöpfung trifft US-Spitzenmedizin

Die Implantation erfolgte unter Leitung von Dr. Jeffrey G. Ojemann von der University of Washington School of Medicine im Rahmen einer vom National Institutes of Health (NIH) geförderten Studie. Besonders bemerkenswert: Die vielversprechenden neurologischen Verbesserungen beim ersten Studienteilnehmer haben das Vertrauen in die deutsche Technologie gestärkt und zur zweiten Implantation geführt.

„Die deutlichen Rehabilitationsfortschritte und relevanten neurologischen Zugewinne bei unserem ersten Studienteilnehmer haben uns zu diesem nächsten Schritt geführt“, erklärt Dr. Ojemann. „Jeder Eingriff hilft uns, sichere klinische Verfahren für diese neuartige Neurotechnologie zu verfeinern.“

Integration von drei Wissenschaftsdisziplinen

Der Ansatz von CorTec integriert Ingenieurwissenschaften, Neurophysiologie und maschinelles Lernen zu einer einheitlichen Plattform. Das System nutzt die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, neuronale Netzwerke neu zu organisieren, um durch gezielte Stimulation verlorene Funktionen wiederzuerlangen.

Die technischen Spezifikationen im Überblick:

  • Vollständig implantierbar und drahtlos,
  • kontinuierliche neuronale Aktivitätsaufzeichnung mit hoher Genauigkeit,
  • adaptive Echtzeit-Stimulation basierend auf erfassten Signalen,
  • hochpräzise und personalisierte Interventionen sowie
  • modulare Plattform-Architektur für verschiedene therapeutische Indikationen.

Eine Grundlage für neue Therapie-Klasse

„Diese zweite Implantation ist ein bedeutender Meilenstein für unsere Technologie und unser klinisches Entwicklungsprogramm“, betont Dr. Frank Desiere, CEO von CorTec. „Wir nähern uns dem Ziel, das Potenzial einer neuen Klasse von Therapien zu realisieren, die Behandlungsergebnisse für Patienten mit neurologischen Erkrankungen nachhaltig verbessern könnten."

Für Elektronikentwickler besonders interessant: Das Brain-Interchange-System ist als vielseitige Plattform konzipiert, um die Entwicklung neuartiger, personalisierter Neuromodulationstherapien und BCI-Anwendungen zu beschleunigen. Dieser Designansatz könnte neue Geschäftsfelder für spezialisierte Elektronik-Zulieferer eröffnen.

Investoren stärken die deutsche Position

CorTecs Wachstum wird von einem strategischen Netzwerk unterstützt, darunter High-Tech Gründerfonds, KfW, K&SW Invest, LBBW Venture Capital, Mangold Invest, M-Invest und Santo Venture Capital. Diese Backing-Struktur unterstreicht das Vertrauen in die deutsche Neurotechnologie-Kompetenz.

Das 2010 in Freiburg gegründete Unternehmen positioniert sich als Pionier bei der aktiven implantierbaren Technologie und ist etablierter Partner für die Entwicklung von Implantat-Komponenten. Die Spitzentechnologien treiben die Entwicklung in der gesamten Neurotechnologie voran und ermöglichen Forschern, Klinikern und Branchenführern die Entwicklung medizinischer Geräte der nächsten Generation. (heh)

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